Bava Batra — Blatt 135a

1Einst fragte man einen Sterbenden, für wen seine Frau bestimmt sei, und er erwiderte, sie sei tauglich auch für den Hochpriester.

2Hierauf sprach Raba: Was ist hierbei zu befürchten? R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans, wenn ein Ehemann sagt, er habe sich von seiner Frau scheiden lassen, sei er glaubhaft. Abajje sprach zu ihm: Als R. Jiçḥaq b. Joseph kam, sagte er ja aber im Namen R. Joḥanans, wenn ein Ehemann sagt, er habe sich von seiner Frau scheiden lassen, sei er nicht glaubhaft!? Dieser erwiderte: Es ist ja erklärt worden, eines rückwirkend und eines für die Zukunft. –

3Sollten wir uns denn auf eine Erklärung verlassen!? Darauf sprach Raba zu R. Nathan b. Ami: Berücksichtige dies.

4Einst sagte jemand, von dem es bekannt war, daß er keine Brüder habe, beim Sterben, er habe keine Brüder. Hierauf sprach R. Joseph: Was ist hierbei zu befürchten? Erstens ist es uns von ihm bekannt, daß er keine Brüder habe, und zweitens sagte er beim Sterben, er habe keine Brüder. Abajje sprach zu ihm: Man sagt, im Überseelande seien Zeugen vorhanden, die wissen, daß er Brüder habe!? –

5Jetzt aber erscheinen sie nicht vor uns. Das ist ein Fall, über den R. Ḥanina sagte: Sollte man sie verbieten, weil Zeugen am Nordpol vorhanden sind!?

6Abajje sprach zu ihm: Sollten wir denn, wenn wir bei einer Gefangenen eine Erleichterung getroffen haben, weil sie sich vor ihren Fängern verunstaltet, auch bei einer Ehefrau eine Erleichterung treffen!? Da sprach Raba zu R. Nathan b. Ami: Berücksichtige dies.

7DIESER IST MEIN BRUDER, SO IST ER NICHT GLAUBHAFT. Was sagen die übrigen: sagen sie, er sei ihr Bruder, wieso erhält er einen Anteil nur vom Teile des einen und nicht mehr, und sagen sie, er sei nicht ihr Bruder,

8wie ist der Schlußsatz zu erklären: fiel ihm Vermögen von anderer Seite zu, so erben seine Brüder mit ihm; sie sagen ja, er sei nicht ihr Bruder!? –

9In dem Falle, wenn sie sagen, sie wissen es nicht.

10Raba sagte: Hieraus ist zu entnehmen, [daß, wenn jemand zu einem sagt:] ich habe bei dir eine Mine, und dieser ihm erwidert, er wisse es nicht, er frei sei.

11Abajje entgegnete:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.