Bava Batra — Blatt 141a
1wieso aber ist er nach Abajje gleich einer Tochter zu unterhalten!? – Wieso erbt er, auch nach deiner Auffassung, nach Raba gleich einem Sohne!? Du mußt also erklären, er sei zur Erbschaft berechtigt, erhalte aber nichts, ebenso ist auch zu erklären, er sei zur Unterhaltung berechtigt, erhalte aber nichts.
2WENN JEMAND GESAGT HAT: GEBIERT MEINE FRAU EINEN KNABEN &C. Demnach ist einem eine Tochter lieber als ein Sohn, und [dem widersprechend] sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Wenn jemand keinen Sohn hinterläßt, der ihn beerbt, so gerät der Heilige, gepriesen sei er, über ihn in Zorn, denn es heißt:ihr sollt seinen Erbbesitz übergehen lassen, und unter ‘Übergang’ ist der Zorn zu verstehen, denn es heißt:ein Tag des Zornes ist jener Tag!? –
3Da, wo es sich um die Erbschaft handelt, bevorzugt man einen Sohn, hierbei aber, wo es sich um Unterhalt handelt, bevorzugt man eine Tochter.
4Šemuél erklärte: Hier wird von einer Erstgebärenden gesprochen, und zwar nach R. Ḥisda, denn R. Ḥisda sagt: Eine Tochter zuerst ist ein gutes Zeichen für die Kinder. Manche erklären, weil sie die Brüder erziehen kann, und manche erklären, damit das böse Auge keine Gewalt habe. R. Ḥisda sagte: Mir sind Töchter lieber als Söhne.
5Wenn du aber willst, sage ich: hier ist die Ansicht R. Jehudas vertreten. –
6Welche Lehre R. Jehudas ist hier gemeint: wollte man sagen, die Lehre R. Jehudas hinsichtlich [des Wortes] alles, denn es wird gelehrt:und der Herr segnete Abraham mit allem, R. Meír erklärte, daß er keine Tochter hatte, und R. Jehuda erklärte, daß er eine Tochter hatte, (die Bakol [mit allem] hieß), so sagt ja R. Jehuda nur, daß der Allbarmherzige es Abraham auch an einer Tochter nicht fehlen ließ, sagte er etwa, daß sie einem Sohne vorzuziehen sei!? –
7Vielmehr, es ist R. Jehuda der folgenden Lehre: Es ist Gebot, die Töchter zu ernähren, und um so mehr die Söhne, weil diese sich mit der Tora befassen – so R. Meír. R. Jehuda sagt, es sei Gebot, die Söhne zu ernähren, und um so mehr die Töchter, damit sie nicht entwürdigt werden. –
8Von welchem Falle spricht die Lehre, daß, wenn sie einen Knaben und ein Mädchen geboren hat, der Knabe sechs Denar und das Mädchen zwei Denar erhalte?
9R. Aši erwiderte: Ich trug dies R. Kahana vor, [und er erklärte,] von dem Falle, wenn er auch umgekehrt und gesagt hat: wenn einen Knaben zuerst, so erhalte er zweihundert [Zuz], und das Mädchen nachher erhalte nichts, und wenn ein Mädchen zuerst, so erhalte es hundert, und der Knabe nachher hundert, und sie einen Knaben und ein Mädchen geboren hat, und man nicht weiß, wer zuerst hervorgekommen ist; der Knabe erhält auf jeden Fall eine Mine, und über die andere Mine besteht ein Zweifel und sie ist daher zu teilen. –
10Von welchem Falle spricht die Lehre, daß, wenn sie einen Knaben und ein Mädchen geboren hat, er nur eine Mine erhalte? Rabina erwiderte: Dies gilt vom Verkünder,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.