Bava Batra — Blatt 142b
1weil er dann zuerst gestorben ist, und der Sohn seine Mutter nicht im Grabe beerbt, um es seinen Brüdern väterlicherseits zu vererben. –
2Demnach stirbt [der Fötus] zuerst, und dem widersprechend ereignete es sich ja einst, daß er dreimal zuckte!? Mar b. R. Aši erwiderte: Auch der Schwanz einer Eidechse zuckt ja.
3Mar, Sohn des R. Joseph, erklärte im Namen Rabbas: Dies besagt, daß es den Erstgeburtsanteil vermindere. Nur wenn es einen Tag alt ist, nicht aber ein Fötus, denn der Allbarmherzige sagt:und ihm gebären.
4Mar, Sohn des R. Joseph, sagte nämlich im Namen Rabbas: Ein Sohn, der nach dem Tode seines Vaters geboren worden ist, vermindert nicht den Erstgeburtsanteil, denn es heißt: und ihm gebären, was hierbei nicht der Fall ist.
5So lehrten sie dies in Sura, in Pumbeditha aber lehrten sie es wie folgt: Mar, Sohn des R. Joseph, sagte im Namen Rabbas: Wenn ein Erstgeborener nach dem Tode seines Vaters geboren wurde, so erhält er keinen doppelten Anteil, denn der Allbarmherzige sagt:anerkennen, was hierbei nicht der Fall ist. Die Halakha ist nach allen diesen Lehren, die Mar, Sohn des R. Joseph, im Namen Rabbas sagte, zu entscheiden.
6R. Jiçḥaq sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn jemand etwas einem Fötus zueignet, so hat er es nicht geeignet. Wenn man aber einen Einwand aus unserer Mišna erheben will, [so ist zu erwidern:] weil jeder seinem Sohne zugetan ist.
7Šemuél sprach zu R. Hona aus Bagdad: Geh, hole mir zehn Leute und ich werde dir vor ihnen sagen, wenn jemand etwas seinem Fötus zueignet, habe er es geeignet. Die Halakha ist, wenn jemand etwas einem Fötus zueignet, so hat er es nicht geeignet.
8Einst sagte jemand zu seiner Frau: Mein Vermögen soll den Kindern, die ich von dir haben werde, gehören. Da kam sein ältester Sohn und sprach zu ihm: Was soll aus mir werden!? Dieser erwiderte: Geh, eigne gleich jedem der anderen Söhne. Jene eignen entschieden nichts, denn sie sind noch gar nicht vorhanden;
9hat aber der Erwachsene einen Anteil neben den Söhnen oder hat der Erwachsene keinen Anteil neben den Söhnen? R. Abin, R. Mejaša und R. Jirmeja sagten, der Erwachsene habe einen Anteil neben den Söhnen; R. Abahu, R. Ḥanina b. Papi und R. Jiçḥaq der Schmied sagten, der Erwachsene habe keinen Anteil neben den Söhnen.
10R. Abahu sprach zu R. Jirmeja: Ist die Halakha nach unserer Ansicht oder nach euerer Ansicht zu entscheiden? Dieser erwiderte: Selbstverständlich ist sie nach unserer Ansicht zu entscheiden, denn wir sind älter als ihr, und nicht nach eurer Ansicht, denn ihr seid jünger. Jener entgegnete: Die Sache hängt ja nicht vom Alter ab, sondern von der Begründung; was ist euer Grund? – Geh zu R. Abin, denn ich habe es ihm im Lehrhause erklärt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.