Bava Batra — Blatt 144a

1sei der Gewinn für die Masse, und bei einem Deckelbrunnen erfolgt ja [der Gewinn] durch sie selber!? – Anders verhält es sich bei einem Deckelbrunnen; bei diesem erfolgt dies nur durch die Bewachung, und bewachen können ihn auch Kinder.

2WENN SIE ABER GESAGT HABEN: SEHT, WAS UNSER VATER HINTERLASSEN HAT, WIR WOLLEN ES BEARBEITEN UND [DEN ERTRAG] GENIESSEN, SO HABEN SIE ES FÜR SICH MELIORIERT. Der Vater R. Saphras hinterließ Geld, und dieser nahm es und trieb damit Handel. Da kamen seine Brüder und luden ihn zu Gericht vor Raba. Da sprach er zu ihnen: R. Saphra ist ein bedeutender Mann; er braucht nicht sein Studium zu vernachlässigen und sich für andere zu bemühen.

3EBENSO HAT EINE FRAU, WENN SIE DIE GÜTER MELIORIERT HAT, DIESE FÜR DIE MASSE MELIORIERT. WAS HAT DIE FRAUMIT DEN GÜTERN DER WAISEN ZU SCHAFFEN? R. Jirmeja erwiderte: Wenn die Frau Erbin ist. –

4Dies ist ja selbstverständlich!? – Man könnte glauben, da es nicht ihre Art ist, sich damit zu bemühen, sei es, auch wenn sie es nicht gesagt hat, ebenso als würde sie es gesagt haben, so lehrt er uns.

5WENN SIE ABER GESAGT HAT: SEHT, WAS MEIN MANN MIR HINTERLASSEN HAT, ICH WILL ES BEARBEITEN UND [DEN ERTRAG] GENIESSEN, SO HAT SIE ES FÜR SICH MELIORIERT. Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, da es zu ihrem Lobe gereicht, wenn man von ihr sagt, sie bemühe sich für die Waisen, habe sie darauf verzichtet, so lehrt er uns.

6R. Ḥanina sagte: Wenn jemand seinen erwachsenen Sohn in einem Hause verheiratet, so hat dieser es geeignet. Dies gilt jedoch nur von einem Erwachsenen, nur mit einer Jungfrau, nur wenn sie seine erste Frau ist, und er ihn als ersten verheiratet.

7Selbstverständlich ist es, daß, wenn der Vater ihm ein Haus mit einem Söller angewiesen hat, dieser das Haus geeignet und den Söller nicht geeignet habe; wie ist es aber, wenn ein Haus mit einer Vorhalle? Wie ist es, wenn zwei Häuser, eines hinter dem anderen? – Dies bleibt unentschieden.

8Man wandte ein: Wenn sein Vater ihm Haus und Hausrat angewiesen hat, so hat er den Hausrat geeignet und das Haus nicht geeignet!? R. Jirmeja erwiderte: Wenn da der Vorratsraum seines Vaters sich befindet. Die Nehardee͑nser sagten, selbst wenn nur ein Taubenschlag. R. Jehuda und R. Papi sagten, selbst wenn nur ein Fischnapf.

9Mar Zuṭra verheiratete seinen Sohn und brachte da eine Sandale hinein. R. Aši verheiratete seinen Sohn und brachte da einen Ölbecher hinein. Mar Zuṭra sagte: Folgende drei Dinge haben die Rabbanan zur Halakha ohne Begründung gemacht. Das eine ist das, was wir gesagt haben. Das andere ist das, was R. Jehuda im Namen Šemuéls gesagt hat, daß, wenn jemand sein ganzes Vermögen seiner Frau verschrieben hat, er sie nur zur Verwalterin gemacht habe. Und das dritte ist das, was Rabh gesagt hat, daß, [wenn jemand sagt:] ich habe bei dir eine Mine, gib sie jenem, jener sie, wenn sie alle drei beisammen sind, geeignet habe.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.