Bava Batra — Blatt 146a

1Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Alle Tage des Armen sind schlecht; es gibt ja Šabbathe und Feiertage? Dies nach Šemuél, denn Šemuél sagte, die Änderung der Lebensweise sei der Krankheit Anfang.

2Im Buche des Ben Sira steht geschrieben: Alle Tage des Armen sind schlecht; Ben Sira sagt, auch die Nächte. Niedriger als alle Dächer ist sein Dach, und der Regen anderer Dächer [ergießt sich] auf sein Dach; auf den höchsten Bergen ist sein Weinberg, und die Erde seines Weinberges [fällt] auf anderer Weinberge.

3WENN JEMAND BRAUTGESCHENKE IN DAS HAUS SEINES SCHWIEGERVATERS GESANDT HAT, SELBST WENN ES HUNDERT MINEN SIND, UND ER DA EIN BRÄUTIGAMSMAHL NUR IM WERTE EINES DENARS GEGESSEN HAT, SO KÖNNEN SIE NICHT MEHR ZURÜCKGEFORDERT WERDEN; HAT ER DA KEIN BRÄUTIGAMSMAHL GEGESSEN, SO KÖNNEN SIE ZURÜCKGEFORDERTWERDEN. HAT ER GRÖSSERE GESCHENKE GESANDT, DIE IN DAS HAUS IHRES EHEMANNES ZURÜCKKEHRENSOLLEN, SO KÖNNEN SIE ZURÜCKGEFORDERT WERDEN; WENN ABER KLEINERE GESCHENKE ZUM GEBRAUCHE IM HAUSE IHRES VATERS, SO KÖNNEN SIE NICHT ZURÜCKGEFORDERT WERDEN.

4GEMARA. Raba sagte: Nur wenn einen Denar, nicht aber wenn weniger. – Selbstverständlich, wir haben ja von einem Denar gelernt!? – Man könnte glauben, dies gelte auch von dem Falle, wenn weniger als einen Denar, nur lehre er es deshalb von einem Denar, weil dies das Gewöhnliche ist, so lehrt er uns. –

5Wir haben dies vom Essen gelernt, wie ist es, wenn er da getrunken hat? Wir haben dies von ihm selber gelernt, wie ist es, wenn sein Vertreter? Wir haben gelernt, wenn es da [erfolgt ist], wie ist es, wenn man es ihm gebracht hat? –

6Komm und höre: R. Jehuda erzählte im Namen Šemuéls: Einst sandte jemand hundert Fuhren mit Krügen Wein und Öl, silbernen und goldenen Geräten und seidenen Gewändern in das Haus seines Schwiegervaters, und er selber kam in seiner Freude herangeritten und blieb an der Tür seines Schwiegervaters stehen. Da brachte man ihm einen Becher Warmes, und als er getrunken hatte, starb er.

7R. Aḥa der Burgfürst brachte diesen Fall vor die Weisen in Uša, und sie entschieden: Geschenke, die zum Verbrauche bestimmt sind, können nicht zurückgefordert werden, und die nicht zum Verbrauche bestimmt sind, können zurückgefordert werden. Hieraus ist zu entnehmen, selbst wenn er nur getrunken hat,

8und hieraus ist zu entnehmen, selbst wenn es weniger als einen Denar wert ist. R. Aši entgegnete: Wer sagt uns, daß sie ihm nicht eine Perle im Werte von tausend Zuz in das Getränk hineingerieben haben!? – Hieraus ist aber zu entnehmen, daß dies auch von dem Falle gilt, wenn man es ihm gebracht hat? – Vielleicht gleicht die Tür des Schwiegervaters dem Hause des Schwiegervaters.

9Sie fragten: Wird es nach Berechnung geteilt? Wie verhält es sich mit dem Wertzuwachse der Geschenke: ist der Wertzuwachs, da sie, wenn sie vorhanden sind, zurück zu ihm gelangen, in seinem Besitze erfolgt, oder aber ist er, da man sie ihm ersetzen muß, wenn sie abhanden kommen oder gestohlen werden, in ihrem Besitze erfolgt. – Dies bleibt unentschieden.

10Raba fragte: Wie verhält es sich mit Geschenken, die zum Verbrauche bestimmt, aber nicht verbraucht worden sind? – Komm und höre: R. Aḥa der Burgfürst brachte diesen Fall vor die Weisen in Uša, und sie entschieden: Geschenke, die zum Verbrauche bestimmt sind, können nicht zurückgefordert werden, und die nicht zum Verbrauche bestimmt sind, können zurückgefordert werden. Doch wohl, auch wenn sie nicht verbraucht worden sind. – Nein, wenn sie verbraucht worden sind. –

11Komm und höre: wenn aber kleinere Geschenke zum Gebrauche im Hause ihres Vaters, so können sie nicht zurückgefordert werden. – Raba bezog dies auf Bänder und Schleier.

12R. Jehuda erzählte im Namen Rabhs: Einst sandte jemand in das Haus seines Schwiegervaters am Wochenfeste neuen Wein, frisches Öl und Flachsgewänder, aus heuriger [Ernte]. – Was lehrt er uns damit? – Wenn du willst, sage ich: das Lob des Jisraéllandes; wenn du aber willst, sage ich: wenn er dies nachher behauptet, so ist dies möglich.

13R. Jehuda erzählte im Namen Rabhs: Einst berichtete man einem von seiner Frau, sie habe keinen Geruchsinn. Da folgte er ihr in eine Ruine, um sie zu untersuchen. Er sprach zu ihr: Rettiggeruch rieche ich in Galiläa!

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.