Bava Batra — Blatt 147a
1ich glaubte, daß ich einen Sohn habe, da ich nun keinen Sohn habe, so soll mein Vermögen jenem gehören, oder wenn jemand krank zu Bett lag, und als man ihn fragte, wem sein Vermögen gehören solle, er erwiderte: ich glaubte, daß meine Frau schwanger ist, da aber meine Frau nicht schwanger ist, so soll mein Vermögen jenem gehören, und es sich herausstellt, daß er einen Sohn hat, oder daß seine Frau schwanger ist, so ist die Schenkung ungültig.
2Es wäre also anzunehmen, daß es R. Šimo͑n b. Menasja ist und nicht die Rabbanan? – Du kannst auch sagen, daß es die Rabbanan sind, denn anders ist es, wenn er nur glaubte. –
3Was dachte der Fragende!? – Man könnte glauben, er wollte nur seinen Schmerz ausdrücken, so lehrt er uns.
4R. Zera sagte im Namen Rabhs: Wo ist [das Gesetz von der] Schenkung eines Sterbenskranken aus der Tora zu entnehmen? Es heißt:ihr sollt seinen Erbbesitz auf seine Tochter übergehen lassen; es gibt noch einen anderenÜbergang, der diesem gleicht, das ist nämlich die Schenkung eines Sterbenskranken.
5R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Hieraus:ihr sollt seinen Erbbesitz seinem Bruder geben; es gibt noch eine andere Gabe, die dieser gleicht, das ist nämlich die Schenkung eines Sterbenskranken. –
6Weshalb entnimmt R. Naḥman dies nicht aus [dem Schriftverse:] ihr sollt übergehen lassen? – Dieser ist für folgende Lehre Rabbis nötig: Rabbi sagte: Bei allen heißt es geben und bei dieser heißt es übergehen, denn nur bei einer Tochter geht die Erbschaft von einem Stamme zu einem anderen Stamme über, da ihr Sohn und ihr Mann sie beerben. –
7Weshalb entnimmt R. Zera dies nicht aus [dem Schriftverse]: ihr sollt geben? – Dies ist die gewöhnliche [Ausdrucksweise] der Schrift.
8R. Menasja b. Jirmeja entnimmt dies hieraus:In jenen Tagen erkrankte Ḥizqijahu auf den Tod; da kam zu ihm der Prophet Ješa͑jahu, der Sohn des Amoç, und sprach zu ihm: So spricht der Herr: triff Befehl für dein Haus, denn du wirst sterben und nicht genesen. Nichts weiter als Befehl.
9Rami b. Jeḥezqel entnimmt dies hieraus:Als aber Aḥitophel sah, daß sein Rat nicht zur Ausführung kam, sattelte er seinen Esel und machte sich auf den Weg nach Hause in seine Vaterstadt; da traf er Befehl für sein Haus und erdrosselte sich. Nichts weiter als Befehl.
10Die Rabbanan lehrten: Drei Dinge befahl Aḥitophel seinen Kindern: laßt euch nicht in Streitigkeiten ein; revoltiert nicht gegen die Regierung des Davidischen Hauses; ist das [Wetter am] Wochenfeste klar, so säet Weizen. Mar Zuṭra sagt, er sagte: bewölkt. Die Nehardee͑nser sagten im Namen R. Ja͑qobs: Unter klar ist nicht vollständig klar zu verstehen, und ebenso ist unter bewölkt nicht ganz bewölkt zu verstehen; wenn es bewölkt ist und der Nordwind [die Wolken] fortträgt, so heißt dies schon klar.
11R. Abba sprach zu R. Aši: Wir stützen uns auf eine Lehre des R. Jiçḥaq b. Evdämi, denn R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte: Am Ausgange des [Hütten]festes schaute jeder auf den Rauch des Altars; neigte er sich nach Norden, so waren die Armen froh und die Besitzenden traurig, weil dies ein regnerisches Jahr bedeutete, sodaß die Früchte faulen;
12neigte er sich nach Süden, so waren die Armen traurig und die Besitzenden froh, weil dies ein regenarmes Jahr bedeutete, sodaß die Früchte sich verwahren lassen; neigte er sich nach Osten, so waren alle froh; wenn nach Westen, so waren alle traurig. –
13Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Der östliche [Wind] ist immer gut; der westliche ist immer schlecht; der nördliche ist dem bis zu einem Drittel herangewachsenen Weizen zuträglich und den in der Blüte befindlichen Oliven schädlich; der südliche ist dem bis zu einem Drittel herangewachsenen Weizen schädlich und den in der Blüte befindlichen Oliven zuträglich.
14Hierzu sagte R. Joseph, nach anderen Mar Zuṭra, nach anderen R. Naḥman b. Jiçḥaq: Als Merkzeichen diene dir folgendes: der Tisch nördlich und die Leuchte südlich; die eine [Seite] macht das ihrige gedeihen und die andere das ihrige. –
15Das ist kein Widerspruch; eines für uns und eines für sie.
16Es wird gelehrt: Abba Šaúl sagte: Wenn der erste Tag des Wochenfestes klar ist, so ist dies ein gutes Zeichen für das ganze Jahr. R. Zebid sagte: Ist der erste Tag des Neujahrsfestes warm, so ist das ganze Jahr warm, und ist er kalt, so ist das ganze Jahr kalt. – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.