Bava Batra — Blatt 152a

1Es wurde gelehrt: Wenn in der Schenkung eines Sterbenskranken eine Zueignung geschrieben ist, so hat er ihn, wie sie in der Schule Rabhs im Namen Rabhs sagten, auf zwei Reittiere gesetzt; Šemuél aber sagte, er wisse nicht, wie darüber zu urteilen sei.

2In der Schule Rabhs sagten sie im Namen Rabhs, er habe ihn auf zwei Reittiere gesetzt, denn diese gleicht der Schenkung eines Gesunden und der Schenkung eines Sterbenskranken. Sie gleicht der Schenkung eines Gesunden, indem er, wenn er genesen ist, nicht mehr zurücktreten kann, und sie gleicht der Schenkung eines Sterbenskranken, denn, wenn er gesagt hat, daß sein Darlehen jenem gehören soll, so gehört das Darlehen jenem.

3Šemuél sagt, er wisse nicht, wie darüber zu urteilen sei, denn er beschloß vielleicht, sie ihm nur durch die Beurkundung zuzueignen, und es gibt keine Beurkundung nach dem Tode. —

4Ich will auf einen Widerspruch hinweisen, in dem Rabh sich mit sich selber befindet, und auf einen Widerspruch, in dem Šemuél sich mit sich selber befindet. Rabin teilte im Namen R. Abahus mit: Wisset, daß R. Elea͑zar im Namen unseres Meisters der Diaspora mitteilen ließ: Wenn ein Sterbenskranker gesagt hat: schreibt und gebt jenem eine Mine, und gestorben ist, so schreibe und gebe man sie ihm nicht, weil er sie ihm vielleicht nur durch die Urkunde zueignen wollte, und nach dem Tode gibt es keine Urkunde. Hierzu sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls, die Halakha sei, man schreibe und gebe sie ihm wohl.

5Somit befindet sich Rabh in einem Widersprüche mit sich selber, und Šemuél in einem Widersprüche mit sich selber!? —

6Rabh befindet sich nicht in einem Widersprüche mit sich selber, denn eines gilt von dem Falle, wenn er es ihm zugeeignet hat, und eines von dem Falle, wenn er es ihm nicht zugeeignet hat. Šemuél befindet sich ebenfalls nicht in einem Widersprüche mit sich selber, denn [da wird von dem Falle gesprochen], wenn er seine Rechtskraft steigern wollte.

7R. Naḥman b. Jiçḥaq saß hinter Raba und Raba saß vor R. Naḥman; da fragte er diesen: Kann Šemuél denn gesagt haben, er habe vielleicht beschlossen, es ihm nur durch die Urkunde zuzueignen, und nach dem Tode gebe es keine Urkunde, R. Jehuda sagte ja im Namen Šemuéls, wenn ein Sterbenskranker einem all seine Güter verschrieben hat, könne er, selbst wenn er sie ihm zugeeignet hat, wenn er genesen ist, zurücktreten,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.