Bava Batra — Blatt 153a

1Sie wollten hieraus entnehmen, dies gelte nur von einem Fremden, nicht aber von ihm selber, da sprach R. Ḥisda zu ihnen: Als R. Hon a aus Kaphri kam, sagte er: einerlei ob für sich selbst oder für Fremde.

2Einst ereignete sich ein solcher Fall, und er hatte es zugeeignet. Als er hierauf vor R. Hona kam, sprach dieser: Was kann ich dir helfen; du hast es nicht so zugeeignet, wie die Leute zuzueignen pflegen.

3Wenn in einer Schenkungsurkunde geschrieben steht: bei Lebzeiten und nach dem Tode, so gilt dies, wie Rabh sagt, als Schenkung eines Sterbenskranken, und wie Šemuél sagt, als Schenkung eines Gesunden.

4Rabh sagt, dies gelte als Schenkung eines Sterbenskranken; da darin ‘nach dem Tode’ geschrieben steht, so meinte er es, nach dem Tode, und nur als Omen des Lebens schrieb er ‘bei Lebzeiten’.

5Šemuél sagt, dies gelte als Schenkung eines Gesunden; da darin ‘bei Lebzeiten’ geschrieben steht, so meinte er es, schon bei Lebzeiten, und die Worte ‘nach dem Tode’ bedeuten ungefähr: von jetzt bis in alle Ewigkeit. Die Nehardee͑nser sagten: Die Halakha ist wie Rabh.

6Raba sagte: Wenn aber darin geschrieben steht: schon bei Lebzeiten, so hat er es geeignet.

7Amemar sagte: Die Halakha ist wie Raba. R. Aši sprach zu Amemar: Selbstverständlich, die Nehardee͑nser sagten ja, die Halakha sei wie Rabh!? — Man könnte glauben, Rabh pflichte bei in dem Falle, wenn es heißt: schon bei Lebzeiten, so lehrt er uns.

8Einst kam eine [Frau] vor R. Naḥman in Nehardea͑, und dieser schickte sie zu R. Jirmeja b. Abba in Šumṭamja, indem er sagte: Hier ist die Ortschaft Šemuéls, wie sollten wir nach Rabh entscheiden!?

9Einst kam eine [Frau] vor Raba, und als er ihr nach seiner Ansicht entschied, belästigte sie ihn.

10Da sprach er zu seinem Schreiber R. Papa, dem Sohne des R. Ḥanan: Geh, stelle ihr ein Schriftstück aus und schreibe darin: so kann er andere auf ihre Kosten mieten oder sie täuschen. Hierauf sprach sie: Mag dein Schiff untergehen; du täuschest mich. Da weichten sie das Gewand Rabas in Wasser ein. Dennoch entging er dem Untergange nicht.

11WENN DARIN NICHT GESCHRIEBEN IST, DASS ER STERBENSKRANK WAR, UND ER SAGT, ER SEI STERBENSKRANK GEWESEN, JENE ABER SAGEN, ER SEI GESUND &C.

12Einst war in einer Schenkungsurkunde geschrieben: als er krank zu Bette lag, es stand aber darin nicht: infolge dieser Krankheit ist er aus der Welt geschieden.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.