Bava Batra — Blatt 156b

1SIE SPRACHEN ZU IHM: EINST VERFÜGTE DIE MUTTER DER SÖHNE ROKHELS, DIE KRANK DARNIEDERLAG, DASS MAN IHR ÜBERGEWAND IM WERTE VON ZWÖLF MINEN IHRER TOCHTER GEBE, UND ALS SIE STARB, ERFÜLLTE MANIHRE WORTE. ER ERWIDERTE IHNEN: DIE SÖHNE ROKHELS MÖGE IHRE MUTTER BEGRABEN.

2GEMARA. Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sprach zu den Weisen: Einst war in Jerusalem ein Madonite, der viele Mobilien besaß und sie verschenken wollte; man sagte ihm aber, es gebe für ihn kein anderes Mittel, als sie vermittelst Grundbesitzes zuzueignen.

3Da ging er und kaufte ein felsiges Grundstück
in der Nähe von Jerusalem und sprach: die Nordseite davon und damit hundert Schafe und hundert Fässer seien jenem [zugeeignet]. Die Südseite davon und damit hundert Schafe und hundert Fässer seien jenem [zugeeignet]. Darauf starb er, und die Weisen erfüllten seine Worte. Sie erwiderten ihm: Hieraus ist nichts zu beweisen; der Madonite war gesund.

4ER ERWIDERTE IHNEN: DIE SÖHNE ROKHELS MÖGE IHRE MÜTTER BEGRABEN. Weshalb verfluchte er sie? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Sie ließen Disteln in ihrem Weinberge wachsen, und zwar vertrat R. Elie͑zer seine Ansicht, denn wir haben gelernt: Wer Disteln in einem Weinberge wachsen läßt, hat ihn, wie R. Elie͑zer sagt, verboten gemacht; die Weisen sagen, verboten mache nur das, was man gewöhnlich wachsen läßt. —

5Allerdings ist Safran verwendbar, wofür aber sind Disteln verwendbar? R. Ḥanina sagte: Folgendes ist der Grund R. Elie͑zers: in Arabien läßt man Disteln auf den Feldern für die Kamele wachsen.

6R. Levi sagte: Man vollziehe bei einem Sterbenskranken den Akt der Zueignung, selbst am Šabbath; und nicht etwa, um die Ansicht R. Elie͑zers zu berücksichtigen, sondern weil ihm der Verstand getrübt werden kann.

7DIE WEISEN SAGEN, AM ŠABBATH SEIEN SEINE WORTE GÜLTIG, WEIL ER DANN NICHT SCHREIBEN KANN, NICHT ABER AM WOCHENTAGE. R. JEHOŠUA͑ SAGTE: WENN SIE DIES HINSICHTLICH DES ŠABBATHSGESAGT HABEN, UM WIEVIEL MEHR GILT DIES VOM WOCHENTAGE.

8DESGLEICHEN AUCH: MAN KANN ETWAS FÜR EINEN MINDERJÄHRIGENERWERBEN, NICHT ABER FÜR EINEN ERWACHSENEN [— SO R. ELIE͑ZER]. R. JEHOŠUA͑ SAGTE: WENN SIE DIES VOW EINEM MINDERJÄHRIGEN GESAGT HABEN, UM WIEVIEL MEHR GILT DIES VON EINEM ERWACHSENEN.

9GEMARA. Wessen Ansicht vertritt unsere Mišna? — Sie vertritt die Ansicht R. Jehudas, denn es wird gelehrt: R. Meír lehrte: R. Elie͑zer sagt, am Wochentage seien seine Worte gültig, weil er schreiben kann, nicht aber am Šabbath.

10R. Jehošua͑ sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.