Bava Batra — Blatt 15b
1Lies: solange, wie seit dem Einzuge der Jisraéliten in Miçrajim bis zu ihrem Auszuge.
2Man wandte ein: Sieben Propheten weissagten über die weltlichen Völker, und zwar: Bilea͑m, dessen Vater, Ijob, Eliphaz der Temanite, Bildad der Šuḥite, Çophar der Naa͑mite und Elijahu, der Sohn Barakhéls, der Buzite!? Man erwiderte: War etwa, nach deiner Auffassung, Elijahu, der Sohn Barakhéls, nicht aus Jisraél!?
3Du mußt also erklären, er weissagte nur über die weltlichen Völker, ebenso weissagte auch Ijob nur über diese. Weissagten etwa alle übrigen Propheten nicht auch über die weltlichen Völker!? – Diese weissagten hauptsächlich über Jisraél, jene aber weissagten hauptsächlich über die weltlichen Völker.
4Man wandte ein: Einen Frommen gab es unter den weltlichen Völkern, Ijob war sein Name, und er kam auf die Welt, nur um seinen Lohn zu empfangen. Als der Heilige, gepriesen sei er, Züchtigungen über ihn brachte, begann er zu lästern und zu schmähen; da verdoppelte ihm der Heilige, gepriesen sei er, seinen Lohn auf dieser Welt, um ihn aus der zukünftigen Welt zu verdrängen!? –
5Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: R. Elea͑zar sagte, Ijob lebte zur Zeit der Richter, denn es heißt:ihr alle habt es ja gesehen, warum ergebt ihr euch eitlem Wahne, und das Zeitalter, das ganz eitel war, ist das Zeitalter der Richter.
6R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagte, Ijob lebte zur Zeit des Ahašveroš, denn es heißt:und im ganzen Lande fand man keine so schöne Frauen wie die Töchter Ijobs, und das Zeitalter, in dem schöne Frauen gesucht wurden, ist das Zeitalter des Ahašveroš. – Vielleicht zur Zeit Davids, denn es heißt:und sie suchten nach einem schönen Mädchen!? – Da geschah dies in ganz Jisraél, dort aber in der ganzen Welt.
7R. Nathan sagte, Ijob lebte zur Zeit der Königin von Šeba, denn es heißt:da machte Šeba einen Überfall und raubte sie. Die Weisen sagen, Ijob lebte zur Zeit der Khaldäer, denn es heißt:die Khaldäer stellten drei Heerhaufen auf. Manche sagen: Ijob lebte zur Zeit Ja͑qobs, und er hatte die Dina, die Tochter Ja͑qobs, geheiratet, denn hier heißt es: du sprichst wie eine Schändliche, und dort heißt es: denn eine Schändlichkeit hat er an Jisraél verübt. All diese Tannaím sind der Ansicht, daß Ijob aus Jisraél war, mit Ausnahme der ‘manchen’;
8wieso könnte man sagen, er war von den weltlichen Völkern, nach dem Tode Mošes hat ja die Göttlichkeit nicht mehr auf den weltlichen Völkern geruht. Der Meister sagte nämlich: Moše bat, daß die Göttlichkeit auf den weltlichen Völkern nicht ruhe, und es wurde ihm gewährt, denn es heißt:wir wollen ausgezeichnet sein, ich und dein Volk.
9R. Joḥanan sagte: Das Zeitalter Ijobs war der Unzucht ergeben, denn es heißt:ihr alle habt es ja gesehen, warum ergebt ihr euch eitlem Wahne, und es heißt:kehre zurück, kehre zurück, o Šulamith, kehre zurück; daß wir dich ansehen. – Vielleicht ist darunter die Prophetie zu verstehen, denn es heißt:das Gesicht des Ješa͑ja, des Sohnes des Amoç!? – Wieso heißt es, wenn dem so wäre: warum ergebt ihr euch eitlem Wahne.
10Ferner sagte R. Joḥanan: Es heißt:es war zur Zeit als die Richter richteten; ein Zeitalter, das seine Richter richtete. Wenn jemand zu einem sagte: nimm fort den Splitter zwischen deinen Augen, so erwiderte ihm dieser: nimm fort den Balken zwischen deinen Augen. Sagte jemand zu einem:dein Silber ist zu Schlacke geworden, so erwiderte ihm dieser:dein Wein ist mit Wasser verschnitten.
11R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Wenn jemand sagt, unter ‘Königin Šeba’ sei eine Frau zu verstehen, so ist er im Irrtum; unter ‘Königin Šeba’ ist das Königreich Šeba zu verstehen.
12Es geschah eines Tages, daß die Gottessöhne kamen, sich vor den Herrn zu stellen, und auch der Satan kam unter ihnen. Da fragte der Herr den Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete &c. Er sprach vor ihm: Herr der Welt, ich bin durch die ganze Welt gestreift, und fand keinen, der treu wäre, wie dein Knecht Abraham. Du sagtest zu ihm: mache dich auf und durchziehe das Land nach seiner Länge und Breite, denn dir will ich es geben, doch trug er deiner Handlungsweise nichts nach, als er keine Stätte fand, seine Frau Sara zu begraben.
13Da sprach der Herr zum Satan: Hast du acht gegeben auf meinen Knecht Ijob, seinesgleichen gibt es niemand auf Erden &c. R. Joḥanan sagte: Bedeutender ist das, was von Ijob gesagt wird, als das, was von Abraham gesagt wird; von Abraham heißt es:denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest, und von Ijob heißt es:ein frommer Mann, rechtschaffen und gottesfürchtig.
14Und das Böse meidend. R. Abba b. Šemuél sagte: Ijob war freigebig mit seinem Gelde. Der gewöhnliche Brauch der Welt ist es, eine halbe Peruṭa dem Krämer zu geben, Ijob aber schenkte seines.
15Der Satan erwiderte dem Herrn und sprach: Ist Ijob etwa umsonst gottesfürchtig, du hast ja umhegt ihn und sein Haus &c. Was heißt: und sein Händewerk hast du gesegnet!? R. Šemuél b. R. Jiçḥaq erwiderte: Wer von Ijob eine Peruṭa erhielt, wurde gesegnet.
16Was heißt: und sein Viehstand breitetesich im Lande aus? R. Jose b. Ḥanina erwiderte: Das Vieh Ijobs durchbrach den Zaun der Weltordnung; es ist die Weltordnung, daß Wölfe Ziegen töten, beim Vieh Ijobs aber töteten Ziegen Wölfe.
17Aber recke nur einmal deine Hand aus und taste an alles, was ihm gehört, ob er dir nicht ins Angesicht fluchen wird. Da sprach der Herr zum Satan: Wohlan, alles was ihm gehört, sei in deiner Gewalt, nur nach ihm selbst strecke nicht deine Hand &c. Eines Tages nun, als die Söhne und die Töchter Ijobs im Hause des ältesten Bruders aßen und Wein tranken, kam ein Bote zu Ijob und meldete: Die Rinder waren beim Pflügen &c. Was heißt: die Rinder waren beim Pflügen und die Eselinnen weideten daneben? R. Joḥanan erwiderte: Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, Ijob
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.