Bava Batra — Blatt 16a

1ein wenig von der zukünftigen Welt kosten ließ.

2Noch redete dieser, da kam ein anderer und sprach: Ein Feuer Gottes &c. Noch redete dieser, da kam ein anderer und sprach: Die Khaldäer stellten drei Heerhaufen auf, fielen über die Kamele her und raubten sie &c. Noch redete dieser, da kam ein anderer und sprach: Deine Söhne und deine Töchter aßen und tranken Wein im Hause ihres ältesten Bruders, da kam plötzlich ein gewaltiger Sturmwind über die Wüste herüber und erfaßte das Haus an seinen vier Ecken, daß es auf die jungen Leute stürzte &c. Da stand Ijob auf, zerriß sein Gewand und schor sein Haupt &c. Und er sprach: Nackt ging ich hervor aus meiner Mutter Schoß und nackt werde ich dorthin zurückkehren. Der Herr hat gegeben und der Herr hat genommen; es sei der Name des Herrn gepriesen! Bei alledem sündigte Ijob nicht und lästerte nicht gegen Gott.

3Nun geschah es eines Tages, daß die Gottessöhne kamen, sich vor den Herrn zu stellen &c. Da fragte der Herr den Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Von einem Streifzuge auf der Erde. Er sprach vor ihm: Herr der Welt, ich bin in der ganzen Welt umhergestreift und fand keinen, der so treu wäre, wie dein Knecht Abraham. Du sagtest zu ihm: mache dich auf und durchziehe das Land nach seiner Länge und Breite, denn dir will ich es geben, dennoch trug er deiner Handlungsweise nichts nach, ab er keine Stätte fand, seine Frau Sara zu begraben.

4Da sprach der Herr zum Satan: Hast du acht gehabt auf meinen Knecht Ijob, denn seinesgleichen gibt es niemand auf Erden &c. Noch hält er fest an seiner Frömmigkeit, und du hast mich verleitet, ihn ohne Grund zu verderben.

5R. Joḥanan sagte, wenn dies kein geschriebener Schriftvers wäre, dürfte man es nicht sagen; gleich einem Menschen, den man verleitet und er sich verleiten läßt.

6Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Haut um Haut, und alles, was ein Mensch hat, gibt er für sein Leben hin. Aber recke nur einmal deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an, ob er dir nicht insGesicht fluchen wird. Da sprach der Herr zum Satan: Wohlan, er sei in deiner Hand, nurschone sein Leben. Da ging der Satan von dem Herrn hinweg und schlug Ijob &c. R. Jiçḥaq sagte: Größer war der Schmerz des Satan als der des Ijob; dies war ebenso, als wenn ein Herr zu seinem Knechte sagen würde: zerbrich das Faß, aber hüte den Wein.

7Reš Laqiš sagte: Der Satan, der böse Trieb und der Todesengel sind identisch. Vom Satan heißt es: da ging der Satan vom Herrn hinweg. Er ist der böse Trieb, denn von diesem heißt es:nur Böses den ganzen Tag, und hierbei heißt es: nur schone sein Leben. Er ist der Todesengel, denn es heißt: nur schone sein Leben, demnach hängt es von ihm ab. In einer Barajtha wird gelehrt: Er steigt herab und verführt, steigt hinauf und klagt an, holt sich Vollmacht und nimmt die Seele.

8R. Levi sagte: Der Satan und Penina handelten beide im Namen des Himmels. Der Satan sah, daß der Heilige, gepriesen sei er, Ijob zugetan war, da sprach er: Er hat, behüte und bewahre, seine Liebe zu Abraham vergessen. Penina, wie es heißt:und ihre Nebenbuhlerin kränkte sie, um sie zum Klagen zu reizen. R. Aḥa b. Ja͑qob trug dies in Paponja vor, da kam der Satan und küßte ihm den Fuß.

9Bei alledem sündigte Ijob nicht mit seinen Lippen. Raba sagte: Mit seinen Lippen sündigte er nicht, im Herzen aber sündigte er. – Was sagte er? – Die Erde ist in die Hand des Frevlers gegeben, die Augen ihrer Richter hält er zu, wenn nicht er, wer denn sonst. Raba sagte: Ijob wollte die Schüssel auf ihre Mündung umstülpen. Abajje sprach zu ihm: Ijob sprach dies nur über den Satan.

10Hierüber streiten auch Tannaím; Die Erde ist in die Hand des Frevlers gegeben; R. Elie͑zer sagte: Ijob wollte die Schüssel auf ihre Mündung umstülpen. Da sprach R. Jehošua͑ zu ihm: Ijob sprach es nur über den Satan.

11Wenn du auch weißt, daß ich nicht schuldig bin, so ist doch keine Rettung aus deiner Hand. Raba sagte: Ijob wollte die ganze Welt vom Strafgerichte befreien; er sprach nämlich vor ihm: Herr der Welt, du hast den Ochsen erschaffen und seine Hufe sind gespalten, du hast den Esel erschaffen und seine Hufe sind ungeteilt; du hast den E͑dengarten erschaffen und du hast die Hölle erschaffen; du hast Fromme erschaffen und du hast Frevler erschaffen; wer kann dich zurückhalten!? –

12Was erwiderten ihm seine Genossen? – Du zerstörst die Gottesfurcht und mißbrauchst die Sprache vor Gott. Der Heilige, gepriesen sei er, hat den bösen Trieb erschaffen, aber auch die Tora als Gegenmittel.

13Raba trug vor: Es heißt:der Segen des Verlorenen kam über mich, und das Herz der Witwe machte ich jubeln. Der Segen des Verlorenen kam über mich; dies lehrt, daß er Waisen ein Feld zu rauben, es zu meliorieren und es ihnen dann zurückzugeben pflegte. Und das Herz der Witwe machte ich jubeln; wenn irgendwo eine Witwe war, die niemand heiraten wollte, ging er hin und legte ihr seinen Namen bei, sodaß Leute kamen und sie heirateten.

14Könnte doch mein Unmut gewogen werden, könnte man mein Leid auf die Wagschale heben. Rabh sagte: Erde in den Mund Ijobs; Kameradschaft dem Himmel gegenüber!Gäbe es einen Schiedsmann zwischen uns, der seine Hand auf uns beide legte. Rabba sagte: Erde in den Mund Ijobs, gibt es etwa einen Knecht, der mit seinem Herrn rechtet!?Einen Bund habe ich mit meinen Augen geschlossen, wieso sollte ich eine Jungfrau betrachten. Raba sagte: Erde in den Mund Ijobs; er wollte fremde Frauen [sehen], während Abraham nicht einmal seine [Frau] angesehen hatte, denn es heißt:jetzt weiß ich nun, daß du eine Frau von schönem Aussehen bist; demnach hatte er es bis dahin nicht gewußt.

15Wie die Wolke schwindet und dahingeht, so kehrt nicht wieder, wer in die Unterwelt hinabstieg. Rabba sagte: Hieraus, daß Ijob die Auferstehung der Toten leugnete.

16Der mich im Sturmezertreten hat und meine Wunden ohne Schuld vermehrt. Rabba sagte: Ijob lästerte mit ‘Sturm’ und mit ‘Sturm’ erwiderte man ihm. Mit ‘Sturm’ lästerte er, denn es heißt: der mich im Sturme zertreten hat; er sprach vor ihm: Herr der Welt, vielleicht zog ein Sturmwind vor dir vorüber, und du verwechseltest zwischen Ijob und ojeb [Feind]? Und mit ‘Sturm’ erwiderte man ihm, denn es heißt: da antwortete der Herr Ijob aus dem Sturme und sprach &c. Auf, gürte deine Lenden wie ein Mann, so will ich dich fragen und du belehre mich.

17Er sprach zu ihm: Viele Haare habe ich am Menschen geschaffen, und für jedes Haar besonders habe ich ein besonderes Grübchen geschaffen, damit nicht zwei ihre Nahrung aus einem Grübchen ziehen; denn würden zwei ihre Nahrung aus einem Grübchen ziehen, so würden sie das Augenlicht des Menschen blenden. Zwischen einem Grübchen und einem anderen Grübchen verwechsle ich nicht, und zwischen Ijob und ojeb sollte ich verwechselt haben!?

18Wer hat die Flut der Kanäle geteilt &c. Viele Tropfen habe ich in den Wolken geschaffen, und eine besondere Form für sich für jeden Tropfen; denn würden zwei Tropfen aus einer Form kommen, so würden sie die Erde zerweichen, sodaß sie keine Früchte hervorbringen würde. Zwischen einem Tropfen und einem anderen Tropfen verwechsle ich nicht, und zwischen Ijob und ojeb sollte ich verwechselt haben!? – Woher ist es erwiesen, daß unter ‘Kanal’ eine Form zu verstehen ist? Rabba b. Šila erwiderte: Es heißt:er zog ringsum einen Kanal, der ungefähr einen Raum von zwei Sea͑ Aussaat einnahm.

19Und einen Weg dem donnernden Blitze. Viele [Donner]stimmen habe ich in den Wolken geschaffen, und für jede [Donner]stimme einen besonderen Weg, damit nicht zwei [Donner]stimmen aus einem Wege hervorgehen; denn würden zwei [Donner]stimmen aus einem Wege hervorgehen, so würden sie die ganze Welt zerstören. Zwischen einer [Donner]stimme und einer anderen [Donner]stimme verwechsle ich nicht, und zwischen Ijob und ojeb sollte ich verwechselt haben!?

20Kennst du die Geburtszeit der Felsgemsen, beobachtest du das Kreißen der Hinden? Die Hinde ist grausam gegen ihre Jungen, und muß sie zum Werfen niederkauern,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.