Bava Batra — Blatt 20b

1Wenn sie die erforderliche Größe nicht hat; wie wir gelernt haben: eine Scherbe [in der Größe], daß man sie zwischen Bretter legen kann. –

2Ein Tongefäß ist ja verwendbar!? – Wenn es schmutzig ist. – Es ist ja für einen Bader verwendbar!? – Wenn es ein Loch hat. –

3Eine Torarolle ist ja zum Lesen verwendbar!? – Wenn sie morsch ist. – So muß sie ja versteckt werden!? – Wenn sie da versteckt worden ist.

4Rabh sagte: Mit allem kann man eine Wand herstellen, nur nicht mit Salz und einer Fettmasse. Šemuél aber sagte, auch mit Salz. R. Papa sagte: Sie streiten aber nicht; einer spricht von Feinsalz und einer spricht von Grobsalz.

5Da nun Rabba aber gesagt hat, man mache zwei Salzhaufen und lege auf diese einen Balken, denn das Salz hält den Balken und der Balken hält das Salz, so gilt dies auch von Grobsalz, dennoch streiten sie nicht, denn der eine spricht von dem Falle, wenn ein Balken vorhanden ist, und einer spricht von dem Falle, wenn kein Balken vorhanden ist.

6EINE MÜHLE ENTFERNE MAN DREI [HANDBREITEN] VOM MÜHLSTEINE AUS, DAS SIND VIER VOM MAHLSTEINE. Aus welchem Grunde? – Wegen der Erschütterung. – Es wird ja aber gelehrt: eine [Mühle] mit Eselbetrieb [entferne man] drei [Handbreiten] vom Untersatze, das sind vier vom Trichter; welche Erschütterung gibt es denn hierbei!? – Vielmehr, wegen des Geräusches.

7EINEN BACKOFEN [ENTFERNE MAN] DREI VOM SOCKEL AUS, DAS SIND VIER VOM RANDE. Abajje sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß der Sockel eines Backofens eine Handbreite vorsteht. Dies ist von Bedeutung bei Kauf und Verkauf.

8MAN DARF EINEN BACKOFEN NUR DANN IN EINEM HAUSE AUFSTELLEN, WENN DARÜBER VIER ELLEN [FREIER RAUM] VORHANDENIST; IN EINEM OBERGEMACHE DARF MAN EINEN SOLCHEN NUR DANN AUFSTELLEN, WENN DARUNTER EIN ESTRICH VON DREI HANDBREITEN VORHANDEN IST; FÜR EINEN KOCHHERD GENÜGT EINE HANDBREITE.

9HAT MAN SCHADEN ANGERICHTET, SO MUSS MAN DEN SCHADEN ERSETZEN. R. ŠIMO͑N SAGT, DIESE MASSE SEIEN NUR DESHALB FESTGESETZT WORDEN, DAMIT MAN ERSATZFREI SEI, WENN MAN SCHADEN, ANRICHTET.

10MAN DARF UNTER DEM SPEICHER EINES ANDEREN KEINEN BÄCKER ODER FÄRBERLADEN ERÖFFNEN, AUCH KEINEN RINDERSTALL [ANLEGEN]. ALLERDINGS HAT MAN DIES BEIM WEINEERLAUBT, ABER IMMERHIN KEINEN RINDERSTALL.

11GEMARA. Es wird ja aber gelehrt: bei einem Backofen vier und bei einem Kochherde drei!? Abajje erwiderte: Dies bezieht sich auf die der Bäcker; unser Backofen gleicht einem Herde der Bäcker.

12KEINEN LADEN ERÖFFNEN &C. Es wird gelehrt: War der Laden früher da als der Speicher, so ist es erlaubt. Abajje fragte: Wie ist es, wenn er zum Speichern gefegt und gesprengt hat?

13Wie ist es, wenn er die Fenster vermehrt hat? Wie ist es, wenn er einen Söller auf seinem Hause gebaut hat? – Dies bleibt unentschieden. R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, fragte: Wie verhält es sich bei Datteln und Granatäpfeln? – Dies bleibt unentschieden.

14ALLERDINGS HAT MAN ES BEIM WEINE ERLAUBT &C. Es wird gelehrt: Beim Weine hat man es erlaubt, weil er dadurch besser wird. Aber immerhin keinen Rinderstall, weil er ihn übelriechend macht. R. Joseph sagte: Unserem [Wein] schadet auch der Rauch einer Kerze. R. Šešeth sagte: Futtergras gleicht einem Rinderstalle.

15EINEN LADEN IN EINEM [GEMEINSCHAFTLICHEN] HOFE [ZU ERÖFFNEN], KANN [DER ANDERE] VERWEHREN UND SAGEN: ICH KANN WEGEN DES LÄRMS DER EIN- UND AUSGEHENDEN NICHT SCHLAFEN. WER GERÄTE FERTIGT, MUSS HINAUSGEHEN UND SIE AUF DEM MARKTE VERKAUFEN; JEDOCH KANN MAN EINEM [DAS ARBEITEN] NICHT VERWEHREN UND ZU IHM SAGEN: ICH KANN NICHT SCHLAFEN WEGEN DES GERÄUSCHES DES HAMMERS, DES GERÄUSCHES DER MÜHLE ODER DES LÄRMS DER KINDER·

16GEMARA. Welchen Unterschied gibt es zwischen dem Anfangsatze und dem Schlußsatze!? Abajje erwiderte: Der Schlußsatz spricht von einem fremden Hofe. Raba sprach zu ihm: Demnach sollte er doch lehren: in einem fremden Hofe ist es erlaubt!? Vielmehr, erklärte Raba,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.