Bava Batra — Blatt 3b

1an Jahren. Und er war es an beidem. –

2Sollte man doch dreißig Ellen Bauwerk und für das übrige einen Vorhang errichtet haben!? – Auch bei dreißig Ellen konnte sie nur mittelst des Gebälkes und des Estrichs stehen, ohne Gebälk und Estrich würde sie nicht gestanden haben. –

3Sollte man doch soweit möglich ein Bauwerk und für das übrige einen Vorhang errichtet haben!? Abajje erwiderte: Es ist überliefert, daß sie entweder ganz aus einem Bauwerke oder ganz aus einem Vorhange bestehen muß; entweder ganz aus einem Bauwerke, wie im [ersten] Tempel, oder ganz aus einem Vorhange, wie in der Stiftshütte.

4Sie fragten: Gilt dies von diesen samt dem Kalkanstriche oder von diesen außer dem Kalkanstriche? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Es ist einleuchtend, daß dies von diesen samt dem Kalkanstriche gilt, denn wenn man sagen wollte, von diesen außer dem Kalkanstriche, so sollte er doch die Stärke desselben angeben; wahrscheinlich also von diesen samt dem Kalkanstriche. – Nein, tatsächlich, kann ich dir erwidern, gilt dies von diesen außer dem Kalkanstriche, nur lehrt er [die Stärke desselben] deshalb nicht, weil sie keine Handbreite beträgt. –

5Er lehrt ja aber, daß bei Ziegeln der eine anderthalb Handbreiten und der andere anderthalb Handbreiten gebe!? – Diese sind zur Vereinigung geeignet. –

6Komm und höre: Der Balken, von dem sie sprechen, muß so breit sein, um einen Halbziegel aufnehmen zu können; der Halbziegel hat die Hälfte eines drei Handbreiten großen Ziegels!? –

7Da wird von großen gesprochen. Dies ist auch zu beweisen; er lehrt: von drei Handbreiten, demnach gibt es auch kleinere. Schließe hieraus.

8R. Ḥisda sagte: Man darf kein Bethaus niederreißen, bevor man ein anderes gebaut hat. Manche sagen, wegen einer etwaigen Fahrlässigkeit, und manche sagen, wegen des Betens. –

9Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn noch ein anderes Bethaus vorhanden ist. Meremar und Mar Zuṭra rissen nieder und bauten ein für den Sommer bestimmtes im Winter, und ein für den Winter bestimmtes im Sommer.

10Rabina fragte R. Aši: Wie ist es, wenn [das Geld] eingefordert und niedergelegt ist? Dieser erwiderte: Es könnte der Fall eintreten, daß man es zur Auslösung von Gefangenen braucht und dafür ausgibt. –

11Wie ist es, wenn die Ziegelsteine aufgestapelt und die Sparren fertig sind? Dieser erwiderte: Es könnte der Fall eintreten, daß man [Geld] zur Auslösung von Gefangenen braucht, diese verkauft und den Erlös dafür ausgibt. – Demnach, sollte dies auch dann berücksichtigt werden, wenn man es bereits gebaut hat!? Dieser erwiderte: Niemand pflegt seine Wohnung zu verkaufen.

12Dies jedoch nur dann, wenn an diesem keine Baufälligkeit bemerkt wird, wenn aber an diesem Baufälligkeit bemerkt wird, so darf man es niederreißen und erst nachher bauen. So bemerkte einst R. Aši Baufälligkeit am Bethause von Matha Meḥasja; da riß er es nieder und brachte da sein Bett hinein, das er nicht eher entfernte, als bis die Dachrinnen fertig waren. –

13Wieso erteilte Baba b. Buṭa dem Herades den Rat, den Tempel niederzureißen, R. Ḥisda sagte ja, man dürfe kein Bethaus niederreißen, bevor man ein anderes gebaut hat!? – Wenn du willst, sage ich: er bemerkte an diesem Baufälligkeit, und wenn du willst, sage ich: anders verhält es sich bei einem Könige, der nicht zurücktritt. Šemuél sagte nämlich: sagt der König, er wolle einen Berg ausreißen, so reißt er den Berg aus und tritt nicht zurück.

14Herodes war ein Sklave im Hause der Ḥasmonäer und hatte seine Augen auf eine Jungfrau gerichtet. Eines Tages hörte er jemand sagen: Jeder Sklave, der jetzt meutert, wird Glück haben. Da machte er sich auf und tötete seine ganze Herrschaft; nur diese Jungfrau ließ er zurück. Als diese sah, daß er sie heiraten wolle, stieg sie auf ein Dach, erhob ihre Stimme und sprach: Kommt jemand und sagt, er entstamme dem Hause der Ḥasmonäer, so ist er ein Sklave; von diesem war nur eine einzige Jungfrau zurückgeblieben, und diese stürzte sich von einem Dache auf die Erde.

15Hierauf konservierte er sie sieben Jahre in Honig. Manche sagen, er beschlief sie, und manche sagen, er beschlief sie nicht. Manche sagen, er beschlief sie, und er konservierte sie deshalb, um seine Leidenschaft zu befriedigen. Manche sagen, er beschlief sie nicht, und er konservierte sie deshalb, damit man sage, er habe die Tochter des Königs geheiratet.

16Alsdann sprach er: Die Rabbanan sind es, welche sagen:einen von deinen Volksgenossen sollst du über dich zum Könige setzen; da machte er sich auf und tötete alle Rabbanan bis auf Baba b. Buṭa, um sich von ihm Rates zu holen.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.