Bava Batra — Blatt 41b
1Hierauf kam er vor R. Jehuda, und der andere brachte zwei Zeugen; einer bekundete, er habe zwei Beete eingerückt, und einer bekundete, er habe drei Beete eingerückt. Da sprach er zu ihm: Geh, bezahle zwei von drei.
2Dies nach R. Šimo͑n b. Elea͑zar, denn es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Die Schule Šammajs und die Schule Hillels streiten nicht über zwei Zeugenpartien, von deinen die eine Mine und die andere zweihundert [Zuz] sagt, ob in zweihundert [Zuz] eine Mine enthalten sei,
3sie streiten nur über eine Zeugenpartie, von der ein [Zeuge] eine Mine und der andere zweihundert [Zuz] sagt; die Schule Šammajs sagt, die Zeugenaussage sei dann gesprengt, und die Schule Hillels sagt, in zweihundert [Zuz] sei eine Mine enthalten.
4Jener erwiderte: Ich will dir einen Brief aus dem Westen bringen, daß die Halakha nicht wie R. Šimo͑n b. Elea͑zar sei. Dieser entgegnete: Wenn du ihn gebracht hast.
5Einst wohnte ein Mann in Qašta vier Jahre in einem Söller, und als darauf der Hausbesitzer kam und fragte, was er in diesem Hause zu suchen habe, erwiderte er: Ich habe es von jenem gekauft, der es von dir gekauft hat. Hierauf kam er vor R. Ḥija und dieser sprach zu ihm: Wenn du Zeugen hast, daß der, von dem du es gekauft hast, darin auch nur einen Tag gewohnt hat, so will ich es in deinem Besitze lassen, sonst aber nicht.
6Rabh erzählte: Ich saß dann vor meinem Oheim und sprach zu ihm Kommt es denn nicht vor, daß jemand etwas kauft und in derselben Nacht verkauft!? Ich sah es ihm an, daß, wenn jener gesagt hätte: er hat es von dir in meiner Gegenwart gekauft, er glaubhaft wäre, denn wenn er wollte, könnte er sagen: ich habe es von dir gekauft.
7Raba sagte: Die Ansicht R. Hijas ist einleuchtend, denn er lehrt, wer sich auf eine Erbschaft beruft, brauche weiter keiner Begründung; er braucht nur keiner Begründung, wohl aber muß er den Beweis erbringen. –
8Vielleicht braucht er weder einer Begründung noch eines Beweises. Wenn du aber willst, sage ich: anders verhält es sich bei einem Käufer, denn niemand wirft Geld umsonst hinaus.
9Sie fragten: Wie ist es, wenn er da gesehen worden ist? Abajje erwiderte: Das ist ja dasselbe. Raba erwiderte: Es kommt vor, daß jemand ein Grundstück besichtigt und es nicht kauft.
10Drei Käufer werden vereinigt. Rabh sagte: Alle durch eine Urkunde. –
11Demnach wäre Rabh der Ansicht, durch eine Urkunde werde es bekannt, durch Zeugen aber werde es nicht bekannt, und [dem widersprechend] sagte Rabh, wenn jemand ein Feld vor Zeugen verkauft hat, könne jener von verkauften Gütern einfordern!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.