Bava Batra — Blatt 53a
1erfolgt es aber in seiner Abwesenheit, so muß er zu ihm sagen: geh, tritt den Besitz an und eigne es.
2Rabh fragte: Wie verhält es sich bei der Schenkung? Šemuél sprach: Was ist da Abba fraglich, wenn er bei einem Kaufe, wo er dem anderen Geld zahlt, nur dann eignet, wenn der andere zu ihm sagt: geh, tritt den Besitz an und eigne es, sonst aber nicht, um wieviel mehr gilt dies von einer Schenkung. Rabh aber ist der Ansicht, wer ein Geschenk gibt, tut dies mit gönnendem Auge. –
3Wieviel? – Etwas. Dies nach Šemuél, denn Šemuél sagte: Wenn er einen Zaun bis auf zehn [Handbreiten] ergänzt hat oder eine Lücke gerissen, durch die man hineingehen und herauskommen kann, so ist dies eine Besitznahme. –
4Von welchem Zaune wird hier gesprochen: wollte man sagen, wenn man vorher über diesen nicht steigen konnte und nachher ebenfalls über diesen nicht steigen kann, so hat er ja nichts getan, und wenn man vorher über diesen steigen konnte und nachher über diesen nicht steigen kann, so hat er ja sehr viel getan!? – In dem Falle, wenn man vorher über diesen bequem steigen konnte und nachher nur schwer. –
5Von welcher Lücke wird hier gesprochen: wollte man sagen, wenn man vorher durch diese gehen konnte und nachher ebenfalls durch diese gehen kann, so hat er ja nichts getan, und wenn man vorher durch diese nicht gehen konnte, und nachher durch diese gehen kann, so hat er ja sehr viel getan!? – In dem Falle, wenn man vorher nur schwer durchgehen konnte und nachher bequem durchgehen kann.
6R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn er einen Span hineingesteckt und dadurch etwas erwirkt hat, einen Span fortgenommen und dadurch etwas erwirkt hat, so ist dies eine Besitznahme. – Was ist unter hineinstecken und fortnehmen zu verstehen:
7wollte man sagen, wenn er einen Span hineinsteckt und das Wasser zurückgehalten hat, einen Span fortgenommen und das Wasser herausgelassen hat, so ist dies ja ebenso, als würde man einen Löwen von fremden Gütern verscheuchen!? – Vielmehr, wenn er einen Span hineingesteckt und das Wasser festgehalten hat, wenn er einen Span fortgenommen und das Wasser hineingelassen hat.
8Ferner sagte R. Asi im Namen R. Joḥanans: Wenn es zwei Felder sind und zwischen beiden sich ein Rain befindet, so hat er, wenn er von einem Besitz genommen hat, um es zu eignen, dieses geeignet,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.