Bava Batra — Blatt 54a
1Rübensaat in die Furchen des Grundstückes eines Proselyten gestreut hat, so ist dies keine Besitznahme, denn zur Zeit, wo er sie gestreut hat, erfolgt kein Nutzen, und wenn der Nutzen erfolgt, kommt er von selber.
2Šemuél sagte: Wer eine Dattelpalme beschneidet zunutzen der Dattelpalme, eignet sie, und wenn für sein Vieh, so eignet er sie nicht. – Wieso ist dies festzustellen? – Nimmt er [Zweige] von der einen Seite und von der anderen Seite, so erfolgt es zunutzen der Dattelpalme, und wenn alles von einer Seite, so erfolgt es für sein Vieh.
3Ferner sagte Šemuél: Wer die Späne absucht zunutzen des Grundstückes, eignet es, und wenn wegen des Holzes, so eignet er es nicht. – Wieso ist dies festzustellen? – Wenn er große und kleine [Stücke] fortnimmt, so erfolgt es zunutzen des Grundstückes, und wenn er große fortnimmt und kleine zurückläßt, so erfolgt es wegen des Holzes.
4Ferner sagte Semuél: Wer die Hindernisse entfernt zunutzen des Grundstückes, eignet es, wenn aber, um da eine Tenne [zu errichten], so eignet er es nicht. – Wieso ist dies festzustellen? – Wenn er einen Hügel fortnimmt und in eine Vertiefung wirft, so erfolgt es zunutzen des Grundstückes, und wenn er einen Hügel neben einen Hügel und eine Vertiefung neben eine Vertiefung bringt, so erfolgt es wegen der Tenne.
5Ferner sagte Šemuél: Wer Wasser auf ein Grundstück leitet zunutzen des Grundstückes, eignet es, wenn aber wegen der Fische, so eignet er es dadurch nicht. – Wieso ist dies festzustellen? – Wenn er zwei Öffnungen errichtet, die eine, durch die es hereinkommt, und die andere, durch die es abfließt, so erfolgt es wegen der Fische, und wenn eine Öffnung, so erfolgt es wegen des Grundstückes.
6Einst nießbrauchte eine Frau eine Dattelpalme dreizehn Jahre durch Beschneiden; alsdann kam jemand und grub unten ein wenig. Als er darauf vor Levi kam, manche sagen, vor Mar U͑qaba, beließ er sie in seinem Besitze. Hierauf kam jene und klagte vor ihm. Da sprach er zu ihr: Was kann ich dir helfen; du hast sie nicht so ersessen, wie Leute zu ersitzen pflegen.
7Rabh sagte: Wer auf Gütern eines Proselyten eine Figur malt, eignet sie. Rabh hatte nämlich den Garten seines Lehrhauses durch [das Hinmalen] einer Figur geeignet.
8Es wurde gelehrt: Wenn ein Feld an jeder Grenzseite gezeichnet ist, so hat man, wie R. Hona im Namen Rabhs sagte, wenn man auf diesem einen Spatenstich gestochen hat, das ganze geeignet; Šemuél sagt, man habe nur die Stelle des Stiches geeignet. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.