Bava Batra — Blatt 60a
1Hinsichtlich des Verschließens tritt die Ersitzung sofort ein, denn niemand sieht schweigend zu, wie man ihm in seiner Gegenwart das Licht absperrt.
2KAUFT JEMAND EIN HAUS IN EINEM FREMDEN HOFE, SO DARF ER KEINE TÜR NACH DEM GEMEINSCHAFTLICHEN HOFE MACHEN. Aus welchem Grunde? – Weil er ihnen den Weg ausdehnt. –
3Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: wenn er aber will, baue er ein Zimmer innerhalb seines Hauses oder baue den Söller auf seinem Hause. Er dehnt ihnen ja den Weg aus!? R. Hona erwiderte: Unter Zimmer ist eine Teilung in zwei und unter Söller ist eine Galerie zu verstehen.
4MAN DARF IN EINEM GEMEINSCHAFTLICHEN HOFE KEINE TÜR GEGENÜBER EINER TÜR UND KEIN FENSTER GEGENÜBER EINEM FENSTER MACHEN; AUS EINER KLEINEN [TÜR] DARF MAN KEINE GROSSE UND AUS EINER DARF MAN NICHT ZWEI MACHEN. NACH ÖFFENTLICHEM GEBIETE ABER DARF MAN EINE TÜR GEGENÜBER EINER TÜR UND EIN FENSTER GEGENÜBER EINEM FENSTER MACHEN; AUS EINER KLEINEN DARF MAN EINE GROSSE UND AUS EINER DARF MAN ZWEI MACHEN.
5GEMARA. Woher dies? R. Joḥanan erwiderte: Die Schrift sagt:da erhob Bilea͑m seine Augen und sah Jisraél, wie es nach seinen Stämmen lagerte. Was sah er? Er sah, daß die Türen ihrer Zelte nicht gegenüber gerichtet waren, da sprach er: Diese sind würdig, daß die Göttlichkeit auf ihnen ruhe.
6AUS EINER KLEINEN [TÜR] DARF MAN KEINE GROSSE MACHEN. Rami b. Ḥama wollte erklären, wenn sie vier [Ellen] groß ist, darf man sie nicht auf acht vergrößern, weil man dann acht [Ellen] vom Hofe wegnimmt, wenn sie aber zwei groß ist, dürfe man sie auf vier vergrößern, da sprach Raba zu ihm: Der andere kann zu ihm sagen: bei einer kleinen Tür konnte ich mich vor dir vorsehen, bei einer großen kann ich mich vor dir nicht vorsehen.
7AUS EINER DARF MAN NICHT ZWEI MACHEN. Rami b. Ḥama wollte erklären: Wenn sie vier [Ellen] groß ist, darf man aus dieser nicht zwei je zwei machen, weil man dann acht [Ellen] vom Hofe wegnimmt, wenn sie aber acht groß ist, dürfe man aus dieser zwei je vier machen, da sprach Raba zu ihm: Der andere kann zu ihm sagen: bei einer Tür kann ich mich vor dir vorsehen, bei zwei kann ich mich vor dir nicht vorsehen.
8NACH ÖFFENTLICHEM GEBIETE ABER DARF MAN EINE TÜR GEGENÜBER EINER TÜR MACHEN. Weil er zu ihm sagen kann: du mußt dich ja ohnehin vor den Leuten der Straße vorsehen.
9MAN DARF UNTER ÖFFENTLICHEM GEBIETE KEINE HÖHLUNGMACHEN, KEINE GRUBEN, KEINE GRÄBEN UND KEINE HÖHLEN. R. ELIE͑ZER ERLAUBT ES IN DER WEISE, DASS EIN MIT STEINEN BELADENER WAGEN DARÜBER FAHREN KANN. MAN DARF KEINE VORSPRÜNGE UND KEINE ALTANE NACH ÖFFENTLICHEM GEBIETE HINAUSRAGEND BAUEN; WENN MAN DIES ABER WILL, SO RÜCKE MAN [DIE WAND] NACH EINWÄRTSUND LASSE SIE HERVORRAGEN. HAT MAN EINEN HOF GEKAUFT, IN DEM VORSPRÜNGE UND ALTANE SIND, SO BLEIBE ES DABEI.
10GEMARA. Und die Rabbanan!? – Es kann eine Beschädigung entstehen, ohne daß man es merkt.
11MAN DARF KEINE VORSPRÜNGE UND KEINE ALTANE NACH ÖFFENTLICHEM GEBIETE HINAUSRAGEND BAUEN. R. Ami hatte einen Vorsprung, der nach einer Durchgangsgasse hinausragte, und noch jemand hatte einen Vorsprung, der nach öffentlichem Gebiete hinausragte, und die Leute vom öffentlichen Gebiete verwehrten es ihm. Als er vor R. Ami kam, sprach dieser zu ihm: Geh, entferne ihn.
12Da sprach dieser: Der Meister hat ja ebenfalls einen solchen! – Meiner ragt nach einer Durchgangsgasse hinaus, und die Leute der Durchgangsgasse gestatten es mir, deiner aber ragt nach öffentlichem Gebiete hinaus und niemand kann es dir gestatten.
13R. Jannaj hatte einen Baum, der in das öffentliche Gebiet hineinragte, und noch jemand hatte ebenfalls einen Baum, der in das öffentliche Gebiet hineinragte; da kamen die Leute vom öffentlichen Gebiete und verwehrten es diesem. Als er darauf vor R. Jannaj kam, sprach dieser zu ihm:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.