Bava Batra — Blatt 78b
1Nein, R. Jehuda spricht von einem ganz anderen Falle.
2Rabina sprach zu R. Aši: Komm und höre: Wer einen Wagen verkauft hat, hat die Maultiere nicht mitverkauft. R. Taḥlipha aus dem Westen rezitierte aber vor R. Abahu: wer einen Wagen verkauft hat, hat auch die Maultiere mitverkauft. Hierauf erwiderte ihm dieser, wir haben gelernt: nicht mitverkauft. Als jener dann fragte, ob er dies streichen solle, erwiderte ihm dieser: nein, beziehe diese Lehre auf den Fall, wenn sie angespannt waren.
3Demnach spricht die Mišna von dem Falle, wenn sie nicht angespannt waren, und wenn die erstere von dem Falle spricht, wenn sie nicht dabei waren, so spricht ja auch die andere von dem Falle, wenn sie nicht dabei waren. –
4Im Gegenteil; wie ist die vorangehende Lehre zu erklären: nicht aber hat er die Besatzung und die Ladung mitverkauft, und auf unsere Frage, was unter Ladung zu verstehen sei, erwiderte R. Papa: die darin befindliche Ware. Wenn nun die vorangehende von dem Falle spricht, wenn sie dabei waren, so spricht ja die folgende ebenfalls von dem Falle, wenn sie dabei waren. Vielmehr lehrt es der Autor von verschiedenen Fällen.
5Abajje sagte: R. Elie͑zer, R. Šimo͑n b. Gamliél, R. Meír, R. Nathan, Symmachos und Naḥum der Meder sind alle der Ansicht, daß, wenn jemand etwas verkauft, er auch alle dazu gehörenden Benutzungsgeräte mitverkaufe.
6R. Elie͑zer, denn wir haben gelernt: R. Elie͑zer sagt, wer eine Ölmühle verkauft hat, habe auch den Preßbalken mitverkauft. R. Šimo͑n b. Gamliél, denn wir haben gelernt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, wer eine Stadt verkauft hat, habe auch den Synter mitverkauft. R. Meír, denn es wird gelehrt: R. Meír sagt, wer einen Weinberg verkauft hat, habe auch die Gebrauchsgegenstände des Weinberges mitverkauft. R. Nathan und Symmachos lehrten dies vom Boot und vom Fischerboot. Naḥum der Meder lehrte das, was wir eben gesagt haben.
7R. JEHUDA SAGT, ZUWEILEN SEI ES MITVERKAUFT UND ZUWEILEN SEI ES NIGHT MITVERKAUFT &C. Welchen Unterschied gibt es zwischen dem Falle, wenn er sagte: diesen deinen Esel, und dem Falle, wenn er sagte: ist es dein Esel?
8Raba erwiderte: [Sagte er:] diesen deinen Esel, so sagte er es ihm, da er doch wußte, daß es sein Esel ist, nur wegen des Schirrzeuges, [sagte er aber:] ist es dein Esel? so wußte er nicht, daß es sein Esel ist, und meinte es wie folgt: ist es dein Esel, so verkaufe ihn mir.
9WER EINE ESELIN VERKAUFT HAT, HAT DAS FÜLLEN MITVERKAUFT; WER EINE KUH VERKAUFT HAT, HAT DAS KALB NIGHT MITVERKAUFT. WER EINEN MISTPLATZ VERKAUFT HAT, HAT DEN MIST MITVERKAUFT. WER EINEN BRUNNEN VERKAUFT HAT, HAT DAS WASSER MITVERKAUFT. WER EINEN BIENENSTOCK VERKAUFT HAT, HAT DIE BIENEN MITVERKAUFT. WER EINEN TAUBENSCHLAG VERKAUFT HAT, HAT DIE TAUBEN MITVERKAUFT.
10GEMARA. In welchem Falle, sagte er zu ihm: sie und ihr Kalb, so sollte dies auch von Kuh und Kalb gelten, und sagte er nicht: sie und ihr Kalb, so sollte es auch nicht von Eselin und Füllen gelten!?
11R. Papa erwiderte: Wenn er zu ihm gesagt hat, er verkaufe ihm eine säugende Eselin, oder eine säugende Kuh; allerdings ist bei einer Kuh anzunehmen, er habe es ihm wegen der Milch gesagt, wozu brauchte er es aber von einer Eselin zu sagen? Wahrscheinlich meinte er, er verkaufe ihm diese mit ihrem Füllen. - Weshalb heißt es sejaḥ? - Weil es einem Lockrufe [siḥa] folgt.
12R. Šemuél b. Naḥman sagte im Namen R. Joḥanans: Es heißt:daher sagen die Herrschenden&c.
13Unter Herrschenden sind diejenigen zu verstehen, die ihren Trieb beherrschen. Kommt nach Ḥešbon; kommt, wir wollen die Rechnung [ḥešbon] der Welt aufstellen: den Verlust durch das Gebot im Vergleich zum Gewinne, und den Gewinn durch die Übertretung im Vergleich zum Verluste.
14Ausgebaut und errichtet; wenn du so handelst, so wirst du ausgebaut in dieser Welt und errichtet in der zukünftigen Welt sein. Die Stadt Siḥon; wenn ein Mensch sich als Eselfüllen betrachtet, das einem Lockrufe [siḥa] folgt, so heißt es über ihn: denn ein Feuer ging aus von Ḥešbon &c., ein Feuer geht aus von denen, die rechnen, und verzehrt diejenigen, die nicht rechnen.
15Und eine Flamme von der Stadt Siḥon; von der Stadt der Frommen und verbrennt die Frevler, die Siḥon genannt werden.Sie verzehrt A͑r Moab; darunter ist derjenige zu verstehen, der seinem Triebe folgt, gleich einem Eselfüllen, [a͑jir], das einem Lockrufe folgt.Die Bewohner der Höhen des Arnon; das sind die Hochmütigen.
16Wir beschossen sie [niram]; der Frevler sagt, es gebe keinen Höchsten [en ram].Verloren ist Ḥešbon; verloren ist die Rechnung der Welt. Bis Dibon; warte bis das Gericht kommt [bo din].
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.