Bava Batra — Blatt 79a
1Wir verwüsteten bis Nophaḥ; bis ein Feuer kommt, das des Anfachens [nipuaḥ] nicht braucht.Bis Medba; bis ihre Seele verschmachten [daáb] wird. Manche erklären: Bis er seinen Wunsch [maj debai͑] erfüllt hat.
2R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Wer sich von den Worten der Tora trennt, den verzehrt ein Feuer, denn es heißt:ich will mein Angesicht wider sie richten, dem Feuersind sie entgangen und das Feuer soll sie verzehren.
3Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Jonathans: Wer sich von den Worten der Tora trennt, stürzt ins Fegefeuer, denn es heißt: ein Mensch, der vom Wege der Klugheit abirrt, wird in der Versammlung der Schatten ruhen, und unter Schatten ist das Fegefeuer zu verstehen, denn es heißt:und er weiß nicht, daß die Schatten dort sind, in den Tiefen der Unterwelt ihre Geladenen.
4WER EINEN MISTPLATZ VERKAUFT HAT, HAT DEN MIST MITVERKAUFT &C. Dort haben wir gelernt: An allem [Geheiligten], was für den Altar und nicht für den Tempelreparaturfonds, für den Tempelreparaturfonds und nicht für den Altar oder weder für den Altar noch für den Tempelreparaturfonds geeignet ist, begeht man eine Veruntreuung, und auch an dem, was sich darin befindet.
5Zum Beispiel: wenn jemand einen mit Wasser gefüllten Brunnen, einen Mistplatz voll Mist, einen Taubenschlag voll Tauben, ein Feld voll Kräuter oder einen mit Früchten beladenen Baum dem Heiligtume geweiht hat, so begeht man eine Veruntreuung an diesen und an dem, was sich in ihnen befindet.
6Wenn aber jemand einen Brunnen geweiht hat und er nachher mit Wasser gefüllt worden ist, einen Mistplatz und er nachher mit Mist gefüllt worden ist, einen Taubenschlag und er nachher mit Tauben gefüllt worden ist, einen Baum und er nachher mit Früchten beladen worden ist, oder ein Feld und es nachher mit Kräutern gefüllt worden ist, so begeht man eine Veruntreuung nur an diesen, nicht aber an dem, was sich in diesen befindet– so R. Jehuda. R. Jose sagt, wenn jemand ein Feld oder einen Baum geweiht hat, so begeht man eine Veruntreuung an diesen und an dem, was auf diesen nachwächst, weil es Erzeugnisse von Heiligem sind.
7Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Die Worte R. Jehudas sind einleuchtend bei einem Brunnen und einem Taubenschlage und die Worte R. Joses sind einleuchtend bei einem Felde und einem Baume. – Was soll dies: allerdings heißt es, die Worte R. Jehudas seien einleuchtend bei einem Brunnen und einem Taubenschlage, denn er streitet auch hinsichtlich eines Feldes und eines Baumes;
8wieso aber heißt es, die Worte R. Joses seien einleuchtend bei einem Felde und einem Baume, wonach er auch hinsichtlich eines Brunnens und eines Taubenschlages streitet, R. Jose spricht ja nur von einem Felde und einem Baume!?
9Wolltest du erwidern, er sage es nach der Ansicht R. Jehudas, so wird ja gelehrt: R. Jose sagte: Bei einem Felde und einem Baume erkenne ich die Worte R. Jehudas nicht an, denn es sind Erzeugnisse von Heiligem. Also nur bei einem Felde und einem Baume erkennt er sie nicht an, wohl aber erkennt er sie an bei einem Brunnen und einem Taubenschlage. –
10Er meint es wie folgt: die Worte R. Jehudas leuchten R. Jose ein bei einem Brunnen und einem Taubenschlage, denn R. Jose streitet gegen ihn nur hinsichtlich eines Feldes und eines Baumes, während er ihm bei einem Brunnen und einem Taubenschlage beipflichtet.
11Die Rabbanan lehrten: Wenn er sie leer geweiht hat und sie nachher gefüllt worden sind, so begeht man an ihnen eine Veruntreuung, nicht aber an dem, was sich in ihnen befindet. R. Elea͑zar b. Šimo͑n sagt, man begehe eine Veruntreuung auch an dem, was sich in ihnen befindet.
12Rabba sagte: Sie streiten nur über ein Feld und einen Baum; der erste Autor ist der Ansicht R. Jehudas, und R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n ist der Ansicht R. Joses, bei einem Brunnen und einem Taubenschlage aber stimmen alle überein, daß man nur an diesen eine Veruntreuung begehe, nicht aber an dem, was sich in ihnen befindet.
13Abajje sprach zu ihm: Wie ist demnach folgende Lehre zu erklären: Hat man sie voll geweiht, so begeht man eine Veruntreuung an ihnen und an dem, was sich in ihnen befindet. R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n ist hierbei entgegengesetzter Ansicht.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.