Bava Batra — Blatt 9a
1und darüber eine Vereinbarung treffe, machte er ebenfalls einen Beutel und traf eine Vereinbarung. R. Aši sagte: Ich brauche nicht einmal eine Vereinbarung zu treffen, denn wer zu mir kommt, verläßt sich auf mich, und ich verteile nach meinem Gutdünken.
2Einst vereinbarten Schlächter, daß, wenn einer am Tage eines anderen arbeiten werde, man ihm das Fell zerreißen solle. Hierauf ging einer und arbeitete am Tage eines anderen, und man zerriß ihm das Fell. Als sie vor Raba kamen, verurteilte er sie, Ersatz zu leisten.
3R. Jemar b. Šelemja wandte gegen Raba ein: Und wegen ihrer Vereinbarung zu bestrafen!? Raba erwiderte ihm aber nichts. R. Papa sagte: Er hatte recht, daß er ihm nichts erwiderte; dies gilt nur von dem Falle, wenn da kein würdiger Mann vorhanden ist, wenn da aber ein würdiger Mann vorhanden ist, sind sie zu einer solchen Bestimmung nicht berechtigt.
4Die Rabbanan lehrten: Man rechnet mit den Almoseneinnehmern nicht über die Almosen ab, und ebensowenig mit den Schatzmeistern über die Tempelspenden. Und obgleich es hierfür keinen eigentlichen Beweis gibt, so gibt es immerhin eine Andeutung, denn es heißt:und man rechnete nicht ab mit den Männern, denen man das Geld übergab, damit sie es den Arbeitern aushändigen, denn sie walteten mit Treue.
5R. Elea͑zar sagte: Auch wenn man einen treuen Verwalter in seinem Hause hat, binde man [das Geld] ein und zähle es, denn es heißt:sie banden es ein und zählten es.
6R. Hona sagte: Man stellt eine Untersuchung an hinsichtlich der Nahrung, nicht aber hinsichtlich der Kleidung. Wenn du willst, entnehme ich es aus der Schrift, und wenn du willst, begründe ich es.
7Wenn du willst, begründe ich es: der eine ist der Schande ausgesetzt und der andere ist nicht der Schande ausgesetzt. Wenn du willst, entnehme ich es aus der Schrift; [von dem einen heißt es:]daß du dem Hungrigen dein Brot brichst; es ist mit einem Šin geschrieben: forsche nach und dann gib ihm. Vom anderen aber heißt es: wenn du einen Nackten siehst, so bekleide ihn, sobald du ihn siehst.
8R. Jehuda aber sagte: Man stelle eine Untersuchung an hinsichtlich der Kleidung, nicht aber hinsichtlich der Nahrung. Wenn du willst, begründe ich es, und wenn du willst, entnehme ich es aus der Schrift.
9Wenn du willst, begründe ich es: von dem einen hängt die Erhaltung des Lebens ab und vom anderen hängt nicht die Erhaltung des Lebens ab. Wenn du willst, entnehme ich es aus der Schrift; von dem einen heißt es: daß du dem Hungrigen dein Brot brichst, brich es sofort, wie wir es lesen; vom anderen aber heißt es: wenn du einen Nackten siehst, so bekleide ihn, erst wenn du es einsiehst. Übereinstimmend mit R. Jehuda wird gelehrt: Sagt er: bekleidet mich, so stelle man eine Untersuchung über ihn an, wenn aber: gebt mir Nahrung, so stelle man keine Untersuchung an.
10Dort haben wir gelernt: Man gebe einem von Ort zu Ort wandernden Armen nicht weniger als ein Pondionbrot, wenn vier Seá [Getreide] um einen Sela͑ [verkauft werden]. Übernachtet er, so gebe man ihm das Erforderliche für ein Nachtlager. – Was ist das Erforderliche für ein Nachtlager? R. Papa erwiderte: Bett und Polster. Am Šabbath gebe man ihm Speise für drei Mahlzeiten. Es wird gelehrt: Geht er an den Türen [betteln], so befasse man sich nicht mit ihm.
11Einst kam ein Armer, der an den Türen [betteln] ging, zu R. Papa; dieser aber gab ihm nichts. Da sprach R. Sama, Sohn des R. Jeba, zu R. Papa: Wenn der Meister ihm nichts gibt und ein anderer ihm ebenfalls nichts gibt, so kann er ja sterben! – Es wird ja aber gelehrt, daß man sich mit einem Armen, der an den Türen [betteln] geht, nicht befasse!? Dieser erwiderte: Man gebe ihm keine große Gabe, wohl aber gebe man ihm eine kleine Gabe.
12R. Asi sagte: Man unterlasse es nicht, wenigstens ein Drittel Šeqel jährlich [zu geben], denn es heißt:wir legten uns ein Gesetz auf, jährlich ein Drittel Šeqel für den Dienst am Tempel unseres Gottes zu geben. Ferner sagte R. Asi: Die Wohltätigkeit wiegt alle Gesetze auf, denn es heißt: wir legten uns ein Gesetz [miçvoth] auf, es heißt nicht miçva, sondern miçvoth.
13R. Elea͑zar sagte: Größer ist, wer die Tat veranlaßt, als der sie ausübt, denn es heißt:und die Wirkungder Wohltätigkeit wird Friede sein, und der Dienst der Wohltätigkeit Ruhe und Sicherheit für immer. Ist es ihm beschieden, so [heißt es]: daß du dem Hungrigendein Brot brichst, ist es ihm nicht beschieden, so [heißt es]: und irrende Elendeins Haus bringst.
14Raba sprach zu den Einwohnern von Maḥoza: Ich bitte euch, veranlaßt einander zur Tat, damit ihr Frieden im Reiche habt. Ferner sagte R. Elea͑zar: Als der Tempel bestand, entrichtete ein Mensch seinen Šeqel und erlangte Sühne; jetzt aber, wo der Tempel nicht mehr besteht: übt man Wohltätigkeit, so ist es recht, wenn aber nicht, so kommen die weltlichen Völker und nehmen mit Gewalt. Aber immerhin wird ihnen auch dies als Wohltätigkeit angerechnet, denn es heißt:und deine Bedränger – Wohltätigkeit.
15Raba sagte: Folgendes sagte mir ein Jüngling,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.