Bava Batra — Blatt 9b
1der den Anstand seiner Mutter verwirrte, im Namen R. Elea͑zars: Es heißt:er legte Wohltätigkeit an wie einen Panzer; dies besagt folgendes: wie bei einem Panzer die einzelnen Schuppen zusammen zu einem großen Panzer vereinigt werden, ebenso werden bei der Wohltätigkeit die einzelnen Peruṭas zu einem großen Betrage vereinigt. R. Ḥanina entnimmt dies aus folgendem:und wie ein besudeltes Gewand sind all unsere Wohltaten; wie bei einem Gewande die einzelnen Härchen zusammen zu einem großen Gewande vereinigt werden, ebenso werden bei der Wohltätigkeit die einzelnen Peruṭas zu einem großen Betrage vereinigt.
2Weshalb heißt er ein Jüngling, der den Anstand seiner Mutter verwirrte? – Einst fragte R. Aḥadboj b. Ami den R. Šešeth, woher es zu entnehmen sei, daß ein Aussätziger während seiner Zähltage einen Menschen verunreinige. Dieser erwiderte: Wenn er seine Kleider unrein macht, so macht er auch Menschen unrein.
3Jener entgegnete: Vielleicht ist es bei anhaftenden Dingen anders? So erfolgt auch beim Aase durch das Schütteln eine Verunreinigung der Kleider, nicht aber eine Verunreinigung eines Menschen.
4Dieser erwiderte: Daß ein Kriechtier einen Menschen unrein macht, ist ja wahrscheinlich nur aus dem Umstande zu entnehmen, daß es die Kleider unrein macht. Jener entgegnete: Von einem Kriechtiere heißt es ausdrücklich:oder wer irgend ein Kriechtier berührt hat. – Aber daß der Samen einen Menschen unrein macht, ist ja wahrscheinlich zu entnehmen aus dem Umstande, daß er die Kleider unrein macht. Jener entgegnete: Auch vom Samen heißt es ausdrücklich:oder ein Mann, und dies schließt den Berührenden ein.
5Dies entgegnete er ihm spottend. Da wurde R. Šešeth verlegen. Hierauf wurde R. Aḥadboj b. Ami stumm und vergaß sein ganzes Studium. Da kam seine Mutter zu ihm und weinte und schrie; er aber beachtete sie nicht. Da sprach sie zu ihm: Sieh doch diese Brüste, aus welchen du gesogen hast! Hierauf bat er für ihn um Erbarmen, und er genas.
6Da wir nun dabei sind: woher ist dies zu entnehmen? – Wie gelehrt wird: R. Šimo͑n b. Joḥaj sagte: [Nach Ablauf der] Zähltage ist ihm das Waschen der Kleider vorgeschrieben, und [nach Ablauf der] absoluten [Unreinheit] ist ihm das Waschen der Kleider vorgeschrieben; wie er nun während dieser Menschen verunreinigt, ebenso verunreinigt er Menschen auch während jener.
7R. Elea͑zar sagte: Wer heimlich Wohltätigkeit übt, ist größer als unser Meister Moše. Von unserem Meister Moše heißt es:mir war bange vor dem Zorne und dem Grimme, und von dem, der heimlich Wohltätigkeit übt, heißt es:heimliche Gabe bezwingt den Zorn und ein Geschenk im Stillen heftigen Grimm. Er streitet somit gegen R. Jiçḥaq, denn R. Jiçḥaq sagte: Er bezwingt nur den Zorn, nicht aber den Grimm, denn es heißt: ein Geschenk im Stillen heftigen Grimm, obgleich er ein Geschenk im Stillen [gegeben hat], so gibt es dennoch heftigen Grimm. Manche sagen, R. Jiçḥaq sagte: Ein Richter, der Geschenke annimmt, bringt heftigen Grimm über die Welt.
8Ferner sagte R. Jiçḥaq: Wer einem Armen eine Peruṭa gibt, wird mit sechs Segnungen bedacht, und wer ihn mit Worten tröstet, wird mit elf Segnungen bedacht. Wer einem Armen eine Peruṭa gibt, wird mit sechs Segnungen bedacht, denn es heißt: daß du brichst &c. und irrende Elende ins Haus bringst &c. wenn du einen Nackten siehst &c.
9Wer ihn mit Worten tröstet, wird mit elf Segnungen bedacht, denn es heißt:Spendest deine Seele dem Hungrigenund labst das gebeugte Gemüt, so wird dein Licht in der Finsternis aufstrahlen und deine Dunkelheit wird wie die Mittagshelle werden; und der Herr wird dich beständig leiten und in der Dürre deine Seele sättigen &c. Und aufgebaut werden durch dich die Trümmer der Vorzeit, und die Grundmauern vergangener Geschlechter wirst du wieder aufrichten &c.
10Ferner sagte R. Jiçḥaq: Es heißt:wer Wohltätigkeit und Milde nachjagt, findet Leben, Wohltätigkeit und Ehre. Sollte er etwa, weil er Wohltätigkeit nachjagt. Wohltätigkeit finden? Dies besagt vielmehr, daß, wenn jemand nach Wohltätigkeit jagt, der Heilige, gepriesen sei er, ihm Geld zukommen läßt, um damit Wohltätigkeit zu üben.
11R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, läßt ihn würdige Menschen finden, an ihnen Wohltätigkeit zu üben, damit er dieserhalb Belohnung erhalte. Dies schließt das aus, was Rabba vorgetragen hat, denn Rabba trug vor: Es heißt:sie sollen vor dir straucheln, zur Zeit deines Zornes handle wider sie. Jirmeja sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, selbst zur Zeit, wenn sie ihren bösen Trieb beugen und deinethalben Wohltätigkeit üben wollen, laß sie durch unwürdige Leute straucheln, damit sie dieserhalb keine Belohnung erhalten.
12R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Wer Wohltätigkeit zu üben pflegt, dem sind weise, reiche und gelehrte Kinder beschieden. Weise, denn es heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.