Bava Kamma — Blatt 16b

1Wir haben ja aber gelernt, R. Elea͑zar sagt, wenn sie gezähmt sind, gelten sie nicht als verwarnt, und nur die Schlange gelte immer als verwarnt!? —

2Lies: Die Schlange.

3Šemuél sagte: Wenn ein Löwe auf öffentlichem Gebiete [die Beute] packt und frißt, so ist [der Eigentümer] ersatzfrei, wenn er sie aber zerreißt und frißt, so ist er ersatzpflichtig.

4Wenn er sie packt und frißt, so ist [der Eigentümer] ersatzfrei, denn da es seine Art ist, [die Beute] anzupacken, so ist es ebenso, als wenn [ein Vieh] Früchte oder Kräuter frißt, somit ist dies Zahnschädigung auf öffentlichem Gebiete, für die man ersatzfrei ist; dagegen aber ist das Zerreißen nicht seine Art. —

5Demnach ist das Zerreißen nicht seine Art; es heißt ja aber:der Löwe zerriß genügend für seine Jungen!? — Nur für seine Jungen. — Und würgte für seine Löwinnen!? — Nur für seine Löwinnen. — Und füllte seine Höhlen mit Zerrissenem!? — Nur für seine Höhlen. — Und seine Lagerstätten mit Zerrissenem!? — Nur für seine Lagerstätten. —

6Es wird ja aber gelehrt: Ebenso ist, wenn ein Tier in den Hof des Geschädigten hineingegangen ist und da ein Vieh zerrissen und das Fleisch gefressen hat, der ganze Schaden zu ersetzen!? —

7Hier handelt es sich um den Fall, wenn es zur Verwahrung zerrissen hat. — Es heißt ja: gefressen!? — Wenn es sich überlegt und sofort gefressen hat. —

8Woher weiß man dies!? Ferner kann dies ja auch bei der Lehre Šemuéls der Fall sein!?

9R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Hier wird von zwei verschiedenen Fällen gelehrt: wenn es zerrissen hat, zur Verwahrung, oder wenn es angepackt und sofort gefressen hat, so ist der ganze Schaden zu ersetzen.

10Rabina erklärte: Šemuél spricht von einem gezähmten Löwen und zwar nach der Ansicht R. Elea͑zars, welcher sagt, es sei nicht seine Art. —

11Demnach sollte man doch ersatzpflichtig sein, auch wenn er angepackt hat!? —

12Vielmehr, die Erklärung Rabinas bezieht sich nicht auf die Lehre Šemuéls, sondern auf die angezogene Barajtha; diese spricht von einem gezähmten Löwen, und zwar nach der Ansicht R. Elea͑zars, welcher sagt, es sei nicht seine Art. —

13Demnach sollte doch nur die Hälfte des Schadens ersetzt werden!? — Wenn er verwarnt ist. —

14Wieso lehrt er es demnach bei den Unterarten der Zahnschädigung, er sollte es doch bei den Unterarten von der Hornschädigung lehren!? — Dies ist ein Einwand.

15WELCHEN UNTERSCHIED GIBT ES ZWISCHEN EINEM NICHT VERWARNTEN UND EINEM VERWARNTEN?

16FÜR EIN NICHT VERWARNTES IST MAN FÜR DIE HÄLFTE DES SCHADENS UND DINGLICH HAFTBAR, UND FÜR EIN VERWARNTES IST MAN FÜR DEN GANZEN SCHADEN UND PERSÖNLICH HAFTBAR.

17GEMARA. Was heißt a͑lija? R. Elea͑zar erwiderte: Das beste seiner Güter,

18denn so heißt es:und Ḥizqija legte sich zu seinen Vätern, und man begrub ihn am Aufstieg zu den Gräbern der Nachkommen Davids, und R. Elea͑zar erklärte [das Wort] ma͑la [Aufstieg]: bei den Vorzüglichsten [meu͑lim] der Familie, das sind David und Šelomo.

19Und man begrub ihn in seiner Grabstätte, die er sich in der Stadt Davids hatte graben lassen; und man legte ihn auf ein Lager, das man gefüllt hatte mit Spezereien und Sorten. R. Elea͑zar erklärte: Mit verschiedenen Gewürzsorten. R. Šemu͑él b. Naḥmani erklärte: Wer daran riecht, kommt zur Unzucht.

20Denn eine Grube haben sie gegraben, mich zu fangen, und Schlingen für meine Füße gelegt. R. Elea͑zar erklärte: Sie verdächtigten ihn [des Verkehrs mit] einer Hure. R. Šemu͑él b. Naḥmani erklärte: Sie verdächtigten ihn [des Verkehrs mit] einer Ehefrau. —

21Einleuchtend ist die Ansicht desjenigen, welcher sagt, sie verdächtigten ihn [des Verkehrs mit] einer Hure, denn es heißt:eine tiefe Grube ist die Hure, wieso aber geht dies aus [dem Worte] Grube hervor nach demjenigen, welcher erklärt, sie verdächtigten ihn [des Verkehrs mit] einer Ehefrau!? — Ist etwa eine [solche] Ehefrau nicht eine Hure? —

22Einleuchtend ist die Ansicht desjenigen, welcher erklärt, sie verdächtigten ihn [des Verkehrs mit] einer Ehefrau, denn es heißt:du aber, Herr, kennst all ihre totbringenden Pläne wider mich, welche totbringenden Pläne sind es aber nach demjenigen, welcher erklärt, sie verdächtigten ihn [des Verkehrs mit] einer Hure!? — Sie warfen ihn in eine Lehmgrube.

23Raba trug vor: Es heißt:Sie sollen vor dir straucheln, zur Zeit deines Zornes handle wider sie. Jirmeja sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, selbst zur Zeit, wenn sie Wohltätigkeit üben, laß sie durch unwürdige Leute straucheln, damit sie dafür keine Belohnung erhalten.

24Und viel Ehre erwies man ihm bei seinem Tode; dies lehrt, daß sie ein Kollegium auf sein Grab setzten.

25Hierüber streiten R. Nathan und die Rabbanan; nach der einen Ansicht drei [Tage],

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.