Bava Kamma — Blatt 35a

1ebenso er selber, wenn er [die Asche] nicht braucht, und er lehrt, man sei frei, weil man das Leben verwirkt hat!? –

2Nein, von seinem Ochsen gleichlautend wie von ihm selber: wie er selber, wenn er die Asche braucht, ebenso sein Ochs, wenn er die Asche braucht. –

3Wie kann dies bei einem Ochsen vorkommen!? R. Ivja erwiderte: Hier handelt es sich um einen klugen Ochsen, der ein Jucken am Rücken hatte, und er wollte etwas verbrennen, um sich in der Asche wälzen zu können. –

4Woher weiß man dies? – Wenn er sich nach der Verbrennung in der Asche gewälzt hat. –

5Kommt denn solches vor? – Freilich, so hatte einst ein Ochs des R. Papa Zahnschmerzen, da ging er hin und öffnete den Bottich, trank vom Met und genas.

6Als die Jünger dies R. Papa vortrugen, sprach er zu ihnen: Wieso kann man sagen, er lehre vom Ochsen wie von ihm selber, er lehrt ja, wenn sein Ochs jemand beschämt, sei man frei, und wenn man selber jemand beschämt, sei man schuldig; wieso kann es nun bei einem Ochsen vorkommen, daß er, gleich ihm selber, jemand zu beschämen beabsichtigt!? –

7Wenn er die Absicht der Schädigung hatte. Der Meister sagte nämlich: Wenn er nur die Absicht der Schädigung hatte, wenn auch nicht die Absicht der Beschämung.

8Raba erklärte: Unsere Mišna spricht von dem Falle, wenn es versehentlich erfolgt ist.

9Dies nach einem Autor der Schule Ḥizqijas, denn ein Autor aus der Schule Ḥizqijas lehrte:Wer einen Menschen erschlägt und wer ein Tier erschlägt;

10wie du beim Erschlagen eines Tieres zwischen Versehen und Vorsatz, zwischen Absicht und Absichtslosigkeit, zwischen Herunterschlagen und Heraufschlagen nicht unterscheidest, ihn von der Geldentschädigung zu befreien, vielmehr verpflichte man ihn zur Entschädigung, ebenso ist beim Erschlagen eines Menschen zwischen Versehen und Vorsatz, zwischen Absicht und Absichtslosigkeit, zwischen Herunterschlagen und Heraufschlagen nicht unterschieden, ihn zur Geldentschädigung zu verpflichten, vielmehr befreie man ihn von der Geldentschädigung.

11Die Jünger sprachen zu Raba: Wieso kannst du dies auf den Fall beziehen, wenn es versehentlich geschah, es heißt ja: weil man das Leben verwirkt hat!? –

12Er meint es wie folgt: da man, wenn es vorsätzlich geschieht, und wenn man die Asche braucht, das Leben verwirkt, so ist man auch versehentlich frei.

13WENN EIN OCHS EINEN ANDEREN OCHSEN VERFOLGT HAT UND DIESER BESCHÄDIGT WIRD, UND DARAUF [DER EIGENTÜMER] DESSELBEN SAGT: DEIN OCHS HAT IHN BESCHÄDIGT, UND DER ANDERE SAGT: NEIN DOCH, ER HAT SICH AN EINEM STEINEVERLETZT, SO HAT DERJENIGE, DER VOM ANDEREN FORDERT, DEN BEWEIS ZU ERBRINGEN.

14WENN ZWEI OCHSEN EINEN VERFOLGT HABEN UND DARAUF [DER EIGENTÜMER] DES EINEN SAGT: DEIN OCHS HAT IHN BESCHÄDIGT, UND DER DES ANDEREN SAGT: DEIN OCHS HAT IHN BESCHÄDIGT,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.