Bava Kamma — Blatt 38a

1denn sonst sollte doch [das Wort] Nächsten auch beim verwarnten gebraucht werden.

2WENN EIN OCHS EINES JISRAE͑LITEN EINEN OCHSEN EINES NICHTJUDEN NIEDERGESTOSSEN HAT, SO IST EU ERSATZFREI. Wie du es nimmst: ist [das Wort] Nächsten genau zu nehmen, so sollte doch, auch wenn ein Ochs eines Nichtjuden einen Ochsen eines Jisrae͑liten niedergestoßen hat, kein Ersatz zu zahlen sein, und ist [das Wort] Nächsten nicht genau zu nehmen, so sollte doch, auch wenn ein Ochs eines Jisrae͑liten einen Ochsen eines Nichtjuden niedergestoßen hat, Ersatz zu zahlen sein!?

3R. Abahu erwiderte: Die Schrift sagt:er stand auf, und die Erde wankte, er sah und löste die Völker; er sah, daß die Noaḥiden die sieben Gebote, die sie auf sich nahmen, nicht hielten, da stand er auf und gab ihr Vermögen den Jisrae͑liten preis.

4R. Joḥanan sagte: Hieraus:er erschien vom Berge Paran; am Berge Paran gab er ihr Vermögen den Jisrae͑liten preis.

5Ebenso wird auch gelehrt: Wenn ein Ochs eines Jisrae͑liten einen Ochsen eines Nichtjuden niedergestoßen hat, so ist er ersatzfrei; wenn aber ein Ochs eines Nichtjuden einen Ochsen eines Jisrae͑liten niedergestoßen hat, so hat er, ob verwarnt oder nicht verwarnt, den ganzen Schaden zu zahlen, denn es heißt: er stand auf, und die Erde wankte, er sah und löste die Völker, Ferner heißt es: er erschien vom Berge Paran. –

6Wozu ist das ‘ferner’ nötig? –

7Man könnte glauben, [der Schriftvers]: er stand auf, und die Erde wankte, sei zu verwenden für die Lehren des R. Mathna und des R. Joseph, so komm und höre: er erschien vom Berge Paran, am Berge Paran gab er ihr Vermögen den Jisrae͑liten preis. – Was ist dies für eine Lehre des R. Mathna? – R. Mathna lehrte: Er stand auf, und die Erde wankte, er sah und löste die Völker; was sah er? Er sah, daß die Noaḥiden die sieben Gebote, die ihnen auferlegt worden waren, nicht hielten, da stand er auf und verbannte sie aus ihrem Lande. –

8Wieso ist es erwiesen, daß vajater [löste] die Bedeutung ‘verbannen’ hat? – Hier heißt es: vajater Gojim, und dort heißt es: lenater bahen a͑l haa͑reç, was übersetzt wird: damit auf der Erde zu hüpfen. –

9Was ist dies für eine Lehre des R. Joseph? – R. Joseph lehrte: Er stand auf, und die Erde wankte, er sah und löste die Völker; was sah er? Er sah, daß die Noaḥiden die sieben Gebote, die sie auf sich genommen hatten, nicht hielten, da stand er auf und befreite sie davon. –

10Dies ist ja für sie ein Gewinn, somit ergibt es sich, daß der Sünder Gewinn erlange!? Mar, der Sohn Rabinas, erwiderte: Dies besagt, daß sie, auch wenn sie sie halten, dafür keine Belohnung erhalten. –

11Etwa nicht, es wird ja gelehrt: R. Meír sagte: Woher, daß selbst ein Nichtjude, der sich mit der Tora befaßt, dem Hochpriester gleiche? Es heißt:der Mensch, der nach ihnen handelt, wird durch sie leben; es heißt nicht: Priester, Leviten und Jisraéliten, sondern: der Mensch; dies lehrt dich, daß selbst ein Nichtjude, der sich mit der Tora befaßt, dem Hochpriester gleiche. –

12Ich will dir sagen, sie erhalten keine Belohnung wie der, dem es geboten ist, und es hält, sondern wie der, dem es nicht geboten ist, und es hält. R. Ḥanina sagte nämlich: Bedeutender ist der, dem es geboten ist, und es hält, als der, dem es nicht geboten ist, und es hält.

13Die Rabbanan lehrten: Einst sandte die ruchlose Regierung zwei Feldherren zu den Weisen Jisraéls, [und diese sprachen zu ihnen:] Lehrt uns eure Tora. Sie studierten sie einmal und zweimal und dreimal. Als sie sich von ihnen verabschiedeten, sprachen sie zu ihnen: Wir haben euere ganze Tora genau studiert, und sie ist wahr, mit Ausnahme der einen Sache, daß ihr nämlich sagt, wenn ein Ochs eines Jisraéliten einen Ochsen eines Nichtjuden niedergestoßen hat, sei er ersatzfrei, und wenn ein Ochs eines Nichtjuden einen Ochsen eines Jisraéliten niedergestoßen hat, habe er, ob nicht verwarnt oder verwarnt, den vollständigen Schaden zu zahlen.

14Wie man es nimmt: ist [das Wort] Nächsten genau zu nehmen, so sollte doch, auch wenn einer eines Nichtjuden einen eines Jisraéliten niedergestoßen hat, kein Ersatz zu zahlen sein, und ist [das Wort] Nächsten nicht genau zu nehmen, so sollte doch, auch wenn einer eines Jisraéliten einen eines Nichtjuden niedergestoßen hat, Ersatz zu zahlen sein. Diese Sache wollen wir der Regierung nicht mitteilen.

15R. Šemuél b. Jehuda war eine Tochter gestorben, und die Rabbanan sprachen zu U͑la: Komm, wir wollen ihn trösten gehen. Dieser erwiderte ihnen: Was soll ein Trost der Babylonier, der ja eine Gotteslästerung ist? Sie pflegen nämlich zu sagen: was ist dagegen zu tun; als ob sie es getan hätten, wenn ihnen etwas möglich wäre.

16Darauf ging er allein zu ihm hin. Da sprach er zu ihm:Und der Herr sprach zu Moše: Befehde die Moabiter nicht und lasse dich in keinen Krieg mit ihnen ein; sollte es denn Moše in den Sinn gekommen sein, ohne Erlaubnis einen Krieg zu unternehmen? Moše folgerte vielmehr [einen Schluß vom] Leichteren auf das Schwerere, indem er sagte: wenn die Tora hinsichtlich der Midjaniten, die Moab nur zu Hilfe gekommen waren, sagt:befehde die Midjaniten

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.