Bava Kamma — Blatt 42a

1findet er große, so nimmt er sie, findet er kleine, so nimmt er sie.

2R. Ṭabjomi sagte im Namen Rabas, die von der [straflosen] Tötung gab er ihm zuerst; dies ist mit dem Falle zu vergleichen, wenn jemand Fische aus dem Meere fängt; findet er kleine, so nimmt er sie, findet er große, so wirft er die kleinen fort und nimmt die großen.

3Ein Anderes lehrt: Und der Besitzer des Ochsen ist frei; R. Jose der Galiläer erklärte: Er ist frei von der Entschädigung für Kinder.

4R. A͑qiba sprach zu ihm: Es heißt ja bereits:wenn Männer streiten und ein [schwangeres] Weib stoßen, Männer und nicht Ochsen!? –

5R. A͑qiba hat ja Recht!?

6R. U͑la, Sohn des R. Idi, erwiderte: Dies ist nötig; man könnte glauben, Männer, nicht aber Ochsen, die Männern gleichen, wie nämlich Männer als verwarnt gelten, ebenso auch Ochsen, die verwarnt sind, für einen nicht verwarnten aber sei man ersatzpflichtig, daher schrieb der Allbarmherzige: der Besitzer des Ochsen ist frei, daß er frei ist.

7Raba sprach: Der Bürger auf der Erde und der Fremde in den höchsten Himmeln!

8Vielmehr, erklärte Raba, dies ist deshalb nötig; man könnte glauben, Männer, nicht aber Ochsen, die Männern gleichen, wie Männer als verwarnt gelten, ebenso auch Ochsen, die verwarnt sind, und um so mehr sollte man wegen nicht verwarnter frei sein, daher schrieb der Allbarmherzige: der Besitzer des Ochsen ist frei, wegen des nicht verwarnten ist er frei und wegen des verwarnten ist er schuldig.

9Abajje sprach zu ihm: Demnach sollte man doch hinsichtlich der Beschämung ebenso folgern: Männer, nicht aber Ochsen, die Männern gleichen, wie Männer als verwarnt gelten, ebenso auch Ochsen, die verwarnt sind, und um so mehr sollte man wegen nicht verwarnter frei sein, daher schrieb der Allbarmherzige: der Besitzer des Ochsen ist frei, wegen des nicht verwarnten ist er frei und wegen des verwarnten ist er schuldig!?

10Wolltest du sagen, dem sei auch so, so sollte er doch lehren: der Besitzer des Ochsen ist frei, R. Jose der Galiläer erklärte, er ist frei von der Entschädigung für Kinder und für Beschämung!? –

11Vielmehr, Abajje und Raba erklärten beide: Männer, diese haben, wenn die Frau keinen Schaden nimmt, eine Buße zu zahlen, wenn aber die Frau einen Schaden nimmt, keine Buße zu zahlen, nicht aber Ochsen; wegen dieser sollte, auch wenn sie einen Schaden nimmt, eine Buße gezahlt werden, daher schrieb der Allbarmherzige: der Besitzer des Ochsen ist frei, er ist davon frei.

12R. Ada b. Aḥaba wandte ein: Hängt dies denn vom Schaden ab, es hängt ja von der Absicht ab!?

13Vielmehr, erklärte R. Ada b. Ahaba: Männer, nur diese müssen eine Buße zahlen, wenn sie es auf einander abgesehen haben, auch wenn die Frau einen Schaden nimmt, wenn sie es aber auf die Frau selbst abgesehen haben, zahlen sie keine Buße, nicht aber Ochsen, wegen dieser sollte eine Buße gezahlt werden, auch wenn sie es auf die Frau selbst abgesehen haben, daher schrieb der Allbarmherzige: der Besitzer des Ochsen ist frei, er ist davon frei.

14Ebenso brachte R. Ḥagi, als er aus dem Süden kam, eine Lehre mit, übereinstimmend mit R. Ada b. Ahaba.

15Ein Anderes lehrt: Und der Besitzer des Ochsen ist frei; R. A͑qiba erklärte: Er ist frei von der Zahlung für einen Sklaven.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.