Bava Kamma — Blatt 61a

1worauf aber deuten sie nach demjenigen, welcher erklärt, er habe sie hinsichtlich des Verborgenen bei der Feuerschädigung befragt!? – Er kann dir erwidern: er befragte sie hinsichtlich des Verborgenen und noch einer dieser Fragen. –

2Einleuchtend ist nach diesen beiden Erklärungen der Schriftvers:David aber wollte es nicht trinken, denn er sagte: da daran ein Verbot haftet, so will ich es nicht; nach demjenigen aber, welcher erklärt, er befragte sie hinsichtlich des Verborgenen bei der Feuerschädigung, handelte es sich ja nur um eine Belehrung, was heißt nun: David wollte es nicht trinken!? –

3Daß man sie nicht in ihrem Namen sage. Er sprach: Aus dem Lehrhause Šemuéls aus Rama ist es mir also überliefert: wer sich für Worte der Tora dem Tode preisgibt, in dessen Namen sage man keine Halakha. –

4Und er goß es aus vor dem Herrn. Erklärlich ist dies nach den beiden Erklärungen, denn er tat dies um des Himmels willen, was aber heißt: und er goß es aus vor dem Herrn, nach demjenigen, welcher erklärt: er befragte sie hinsichtlich des Verborgenen bei der Feuerschädigung!? – Er sagte es im Namen der Lehre.

5IST [DAS FEUER] ÜBER EINE VIER ELLENHOHE WAND GESTIEGEN ODER ÜBER EINEN ÖFFENTLICHEN WEG ODER ÜBER EINEN STROM, SO IST [DER EIGENTÜMER] ERSATZFREI.

6GEMARA. Es wird ja aber gelehrt, wenn es über eine vier Ellen hohe Wand gestiegen ist, sei er ersatzpflichtig!?

7R. Papa erwiderte: Unser Autor zählt von oben nach unten: bei sechs Ellen ist er ersatzfrei, bei fünf Ellen ist er ersatzfrei, bis vier Ellen ist er ersatzfrei; der Autor der Barajtha aber zählt von unten nach oben: bei zwei Ellen ist er ersatzpflichtig, bei drei Ellen ist er ersatzpflichtig, bis vier Ellen ist er ersatzpflichtig.

8Raba sagte: Das, was sie gesagt haben, bei vier Ellen sei er frei, gilt auch von einem Felde voll Dornen. R. Papa sagte: Wenn es von der Spitze der Dornen bis nach oben vier Ellen sind.

9Rabh sagte, dies gelte nur von dem Falle, wenn [die Flamme] nach oben lodert, wenn aber nach der Seite, so ist er ersatzpflichtig, selbst wenn es hundert Ellen sind. Šemuél aber sagte, unsere Mišna spreche nur von dem Falle, wenn es sich nach der Seite neigt, wenn es aber nach oben lodert, so ist er ersatzfrei, auch bei der kleinsten [Entfernung].

10Übereinstimmend mit Rabh wird gelehrt: Dies gilt nur von dem Falle, wenn es nach oben lodert, wenn es sich aber nach der Seite neigt und Holz sich da befindet, so ist er ersatzpflichtig, selbst wenn es hundert Mil sind; ist es über einen acht Ellen breiten Strom oder Teich gelangt, so ist er ersatzfrei.

11ÖFFENTLICHEN WEG. Wer lehrte dies? Raba erwiderte: Es ist R. Elie͑zer, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagt, sechzehn Ellen, die Weite eines öffentlichen Weges.

12ODER EINEN STROM. Rabh erklärte, einen wirklichen Strom; Šemuél erklärte, einen Bewässerungsteich.

13Nach demjenigen, der einen wirklichen Strom sagt, selbst wenn da kein Wasser vorhanden ist, und nach demjenigen, der einen Bewässerungsteich sagt, nur dann, wenn da Wasser vorhanden ist, nicht aber, wenn da kein Wasser vorhanden ist.

14Dort haben wir gelernt: Folgende Dinge bilden eine Teilung beim Eckenlasse: der Fluß, der Strom, der Privatweg und der öffentliche Weg.

15Was heißt Strom? R. Jehuda erklärte im Namen Šemuéls: Eine Stelle, da sich das Regenwasser ansammelt. R. Bebaj erklärte im Namen R. Joḥanans: Ein Wasserstrom, der nach beiden Ufern Berieselungen verteilt.

16Nach demjenigen, welcher erklärt: eine Stelle, da sich das Regenwasser ansammelt, gilt dies um so mehr von einem Wasserstrome, nach demjenigen aber, welcher erklärt: ein Wasserstrom, gilt eine Stelle, da sich das Regenwasser ansammelt, nicht als Trennung,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.