Bava Kamma — Blatt 64a
1wenn aber auch Schaf geschrieben steht, so schließt [das Wort] Diebstahl alles andere ein.
2Sollten doch nur Ochs, Schaf und Diebstahl geschrieben stehen, und alles andere wäre einbegriffen? Dann könnte man auslegen: wie das Speziellgenannte als Erstgeborenes geheiligt ist, ebenso auch alles andere, was als Erstgeborenes geheiligt ist;
3einzuschließen wäre also nur noch der Esel, wenn aber auch Esel geschrieben steht, so schließt [das Wort] Diebstahl alles andere ein.
4Sollten doch nur Ochs, Esel, Schaf und Diebstahl geschrieben stehen, und alles andere wäre einbegriffen? Dann könnte man auslegen: wie das Speziellgenannte ein Lebewesen ist, ebenso auch alles andere, was ein Lebewesen ist;
5einzuschließen wären nur noch andere Lebewesen, wenn es aber lebend heißt, und somit alle Lebewesen einbegriffen sind, so schließt [das Wort] Diebstahl alles andere ein.
6Der Meister sagte: Sollten doch nur [die Worte] Ochs und Diebstahl stehen. Heißt es denn Ochs und Diebstahl, es heißt ja Diebstahl und Ochs!?
7Wolltest du sagen, er meine es, wenn es so hieße: wenn es Ochs und Diebstahl hieße. Wieso aber kann er demnach deduzieren: wie das Speziellgenannte &c., dann wäre ja Ochs eine Spezialisierung und Diebstahl eine Generalisierung, und wenn auf eine Spezialisierung eine Generalisierung folgt, gilt die Generalisierung als Hinzufügung zur Spezialisierung, und alles ist einbegriffen!?
8Wolltest du sagen, er meine es so, wie es geschrieben steht: Diebstahl und Ochs; wieso kann er deduzieren: wie das Speziellgenannte &c., Diebstahl ist ja eine Generalisierung und Ochs eine Spezialisierung, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so umfaßt die Generalisierung nur das, was die Spezialisierung, also nur der Ochs und nichts anderes!?
9Raba erwiderte: Der Autor stützt sich auf [das Wort] lebend; dies ist also eine Generalisierung, Spezialisierung und Generalisierung. –
10Die zweite Generalisierung gleicht ja aber nicht der ersten!? – In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt, auch in einem solchen Falle sei [die Regel von der] Generalisierung und Spezialisierung anzuwenden.
11Seine Frage lautet wie folgt. Wozu heißt es: wenn (finden) gefunden wird; sollten doch nur Ochs, Diebstahl und lebend geschrieben stehen, und alles andere wäre einbegriffen!?
12Dann könnte man auslegen: wie das Speziellgenannte auf dem Altar dargebracht wird, ebenso auch alles andere, was auf dem Altar dargebracht wird; einzuschließen wäre also nur noch das Schaf, wenn aber auch Schaf steht, so schließt [das Wort] Diebstahl alles andere ein.
13Sollten doch nur Diebstahl, Ochs, Schaf und lebend geschrieben stehen, und alles andere wäre einbegriffen? Dann könnte man auslegen: wie das Speziellgenannte als Erstgeborenes heilig ist, ebenso auch alles andere, was als Erstgeborenes heilig ist;
14einzuschließen wäre nur noch der Esel, wenn aber auch Esel steht, so schließt [das Wort] Diebstahl alles andere ein.
15Sollten doch Diebstahl, Ochs, Schaf, Esel und lebend geschrieben stehen, und alles andere wäre einbegriffen!? Dann könnte man auslegen: wie das Speziellgenannte ein Lebewesen ist, ebenso auch alles andere, was ein Lebewesen ist;
16einzuschließen wären nur noch andere Lebewesen, wenn es aber lebend heißt, so schließt [das Wort] Diebstahl alles andere ein. Wozu heißt es nun: wenn (finden) gefunden wird? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.