Bava Kamma — Blatt 67b

1ebenso gibt es auch für das Geraubte kein Mittel mehr, einerlei, ob vor der Desperation oder nach der Desperation.

2Raba sagte: Hieraus:sein Opfer, nicht aber das Geraubte; wann, wollte man sagen, vor der Desperation, so ist dies ja selbstverständlich, wozu ist hierfür ein Schriftvers nötig?

3Doch wohl nach der Desperation, somit ist hieraus zu entnehmen, daß durch die Desperation keine Aneignung erfolge. Schließe hieraus.

4Aber Raba selbst bezog es ja auf den Fall, wenn jemand ein fremdes Opfer geraubt hat !? – Wenn du willst, sage ich, er ist davon abgekommen, und wenn du willst, sage ich: eines davon sagte R. Papa.

5WÄHREND DIE ZAHLUNG DES VIER- ODER FÜNFFACHEN &C.

6Weshalb denn, sollte man doch durch [das Wort] Ochs vom Šabbathgesetze folgern: wie es bei diesem auch von Wild und Geflügel gilt, ebenso gilt es hierbei auch von Wild und Geflügel!?

7Raba erwiderte: Die Schrift wiederholt zweimal Ochs und Lamm ; dies gilt nur von Ochs und Lamm, nicht aber von etwas anderem. –

8Ich will dir sagen, wo ist dies überflüssig: wollte man sagen, im Schlußsatze, denn der Allbarmherzige sollte geschrieben haben: wenn jemand einen Ochsen oder ein Schaf stiehlt und es schlachtet oder verkauft, so soll er dafür fünf Rinder und dafür vier Schafe bezahlen, so könnte man, wenn es der Allbarmherzige so geschrieben hätte, glauben, man müsse für jedes neun bezahlen.

9Wolltest du erwidern, es heiße zweimal dafür, und eines sei überflüssig, so ist dieses für eine andere Schriftforschung nötig.

10Es wird nämlich gelehrt: Man könnte glauben, wenn er einen Ochsen im Werte einer Mine gestohlen hat, könne er den Ersatz mit krepierenden zahlen, so heißt es: zweimal dafür!? –

11Vielmehr, [die Worte] Ochs und Lamm sind im Anfangsatze überflüssig, denn der Allbarmherzige sollte geschrieben haben: wenn jemand etwas stiehlt und es schlachtet oder es verkauft, so soll er fünf Rinder für einen Ochsen und vier Schafe für ein Schaf bezahlen. –

12Würde der Allbarmherzige so geschrieben haben, so könnte man glauben, nur wenn er beide stiehlt und sie schlachtet!? – Es heißt: und es schlachtet, eines. –

13Vielleicht, nur wenn er beide stiehlt und sie verkauft!? – Es heißt: und es verkauft, eines. –

14Man könnte vielleicht glauben, nur wenn er beide stiehlt und eines schlachtet und eines verkauft!? – Es heißt: oder es verkauft. –

15Aber immerhin könnte man glauben, nur wenn er beide gestohlen und eines schlachtet und eines zurückläßt, oder eines verkauft und eines zurückläßt!? –

16Vielmehr, Ochs im Schlußsatze und Schaf im Anfangsatze ist überflüssig ; der Allbarmherzige sollte geschrieben haben : wenn jemand einen Ochsen stiehlt und ihn schlachtet oder verkauft, so soll er dafür fünf Rinder bezahlen und vier Schafe für das Schaf, wozu ist nun Ochs im Schlußsatze und Schaf im Anfangsatze nötig? Schließe hieraus, daß dies nur von Ochs und Schaf gilt, nicht aber von etwas anderem.

17WEH VOM DIEBE STIEHLT, ZAHLT NICHT DAS DOPPELTE. Rabh sagte: Dies nur vor der Desperation, nach der Desperation aber hat der erste Dieb es geeignet, und der zweite Dieb hat an den ersten das Doppelte zu zahlen.

18R. Šešeth sprach: Ich glaube, Rabh sagte diese Lehre schlafend oder schlummernd. Denn es wird gelehrt: R. A͑qiba sagte: Weshalb sagte die Tora, wenn er es schlachtet oder verkauft, müsse er das Vier- oder Fünffache zahlen? Weil er sich in die Sünde eingewurzelt hat. Wann: wollte man sagen, vor der Desperation so ist ja keine Einwurzelung vorhanden, doch wohl nach der Desperation.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.