Bava Kamma — Blatt 73b

1und R. Jose ist der Ansicht, was innerhalb [der Zeit], während welcher man einen Satz [aussprechen kann], gesprochen wird, gilt als ein Satz. –

2Ist denn R. Jose der Ansicht, was innerhalb [der Zeit], während welcher man einen Satz [aussprechen kann], gesprochen wird, gelte als ein Satz, wir haben ja gelernt: [Sagt jemand:] dieses [Vieh] sei eingetauscht für das Brandopfer, für das Heilsopfer, so ist es eingetauscht für das Brandopfer – so R. Meír.

3R. Jose sagt : hat er dies von vornherein beabsichtigt, so sind, da man nicht zwei Namen gleichzeitig aussprechen kann, seine Worte gültig. Wenn er aber, nachdem er ‘eingetauscht für ein Brandopfer’ gesagt hat, sich überlegt und ‘eingetauscht für ein Heilsopfer’ sagt, so gilt es als Brandopfer.

4Und auf unseren Einwand, wenn er sich überlegt hat, ist dies ja selbstverständlich,

5erwiderte R. Papa, wenn er sich innerhalb [der Zeit], während welcher man einen Satz [aussprechen kann] überlegt hat!? –

6Ich will dir sagen, es gibt zwei Arten [Zeit], während welcher man einen Satz [aussprechen kann]; eine, während welcher ein Schüler seinen Lehrer begrüßt, und eine, während welcher ein Lehrer seinen Schüler begrüßt. [Bei einer Unterbrechung] einer längeren Zeit, während welcher ein Schüler seinen Lehrer begrüßt, ‘Friede mit dir, mein Lehrer und Meister’, gilt es nach R. Jose nicht [als ein Satz], bei einer kürzeren Zeit, während welcher ein Lehrer seinen Schüler begrüßt, ‘Friede mit dir’, gilt es nach ihm [als ein Satz].

7Raba sagte: Wenn Zeugen zuerst widersprochen und nachher als Falschzeugen überführt worden sind, so werden sie hingerichtet, denn die Widersprechung ist der Beginn der Überführung, nur war sie nicht zuende geführt worden.

8Raba sprach: Woher entnehme ich dies? Es wird gelehrt: [Sagten sie:] wir bekunden, daß jener seinem Sklaven ein Auge geblendet und einen Zahn ausgeschlagen hat, denn sein Herr sagte es, und werden sie darauf als Falschzeugen überführt, so müssen sie an den Sklaven den Ersatz für das Auge zahlen.

9In welchem Falle: wollte man sagen, wie gelehrt wird, wenn keine zweite Zeugenpartie vorhanden ist, wieso müssen sie an den Sklaven den Ersatz für das Auge zahlen, wo sie ihn in Freiheit bringen wollten;

10ferner sollten sie doch an den Herrn den ganzen Wert des Sklaven zahlen; und wieso heißt es ferner: denn sein Herr sagte es, ist dies denn dem Herrn erwünscht!?

11Doch wohl, wenn vorher zwei gekommen waren und bekundet hatten, daß er ihm einen Zahn ausgeschlagen und ein Auge geblendet hat, wonach der Eigentümer den Ersatz für das Auge zu zahlen hatte, und darauf zwei andere gekommen sind und bekundet haben: zuerst das Auge und nachher den Zahn, wonach er ihm nur Ersatz für einen Zahn zu zahlen hat, die ersten also den anderen widersprechen,

12und deshalb heißt es: denn sein Herr sagte es, denn ihm ist diese Aussage erwünscht,

13und er lehrt, daß, wenn die mittleren als Falschzeugen überführt werden, sie an den Sklaven den Ersatz für das Auge zu zahlen haben.

14Hieraus zu entnehmen, daß die Widersprechung der Beginn der Überführung ist.

15Abajje sprach zu ihm: Nein,

16wenn sie das Entgegengesetzte bekunden und jene als Falschzeugen überführen. –

17Woher dies? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.