Bava Kamma — Blatt 74a

1Da der Schlußsatz von entgegengesetzter Bekundung und Überführung spricht, so spricht auch der Anfangsatz von entgegengesetzter Bekundung und Überführung.

2Im Schlußsatze lehrt er nämlich: [Sagten sie:] wir bekunden, daß jener seinem Sklaven einen Zahn ausgeschlagen und ein Auge geblendet hat, denn der Sklave sagte es, und werden sie darauf als Falschzeugen überführt, so müssen sie an den Herrn den Ersatz für das Auge zahlen.

3In welchem Falle: wollte man sagen, wenn die letzteren die Verletzung überhaupt abstreiten, so müßten jene ja an den Herrn den ganzen Ersatz für den Sklaven zahlen;

4doch wohl, wenn sie die Verletzungen bestätigen und nur das Entgegengesetzte bekunden. –

5Von welchem Falle spricht diese Lehre:

6versetzen die letzteren die Tat in eine spätere Zeit, so sollten jene doch an den Herrn den Wert des Sklaven zahlen,

7denn als sie ihn zahlungspflichtig machen wollten, war er ja noch nicht zahlungspflichtig!? – Wenn sie die Tat in eine frühere Zeit versetzen. –

8Aber immerhin sollten sie, wenn er vor Gericht noch nicht gestanden hat, an den Herrn den ganzen Wert des Sklaven zahlen, denn dann war er ja zur Zahlung nicht verpflichtet!? –

9Vielmehr, wenn er bereits vor Gericht gestanden hat.

10R. Aḥa, Sohn des R. Iqa, sprach zu R. Aši: Woher entnimmt Raba seine Folgerung: wollte man sagen, aus dem Anfangsatze, so kann ja in diesem Falle die mittelste Zeugenpartie nicht widersprochen werden,

11denn wenn sie nicht als Falschzeugen überführt werden, wird ja ihre Bekundung anerkannt, da das Urteil nach ihrer Aussage gefällt wird, weil in zwei Minen eine Mine enthalten ist.

12Demnach wurden ja die ersten widersprochen und nicht die mittleren!?

13Dieser erwiderte: Raba ist der Ansicht, da der Anfangsatz von drei Partien spricht, spreche auch der Schlußsatz von drei Partien, und er entnimmt sie aus dem Schlußsatze:

14wenn zwei gekommen waren und bekundet hatten, daß er ihm einen Zahn ausgeschlagen und ein Auge geblendet hat, und er auf ihre Aussage hin verurteilt worden war,

15und darauf zwei andere gekommen sind und bekundet haben, daß er ihm ein Auge geblendet und einen Zahn ausgeschlagen hat, diese also den ersten widersprechen, und jene auch überführt worden sind, so müssen sie den Wert des Auges an den Herrn zahlen.

16Weshalb müssen sie es nun zahlen, wenn man sagen wollte, die Widersprechung sei nicht der Beginn der Überführung, sie sind ja vorher widersprochen worden !? Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß die Widersprechung der Beginn der Überführung sei. –

17Und Abajje!? – Er kann dir erwidern: allerdings müssen es im Anfangsatze drei Zeugenpartien sein, weil es heißt: denn sein Herr sagte es,

18wozu aber brauchen es im Schlußsatze drei Zeugenpartien zu sein, wenn etwa, weil es heißt:

19denn der Sklave sagte es, so sagt er es ja auf jeden Fall, denn ihm ist es ja erwünscht, Freiheit zu erlangen!?

20R. Zera wandte ein: Vielleicht aber: wenn er ihm ein Auge geblendet hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.