Bava Kamma — Blatt 7b
1weil er um Geld ein- und ausgeht, so sollte man ihm nichts geben.
2Und der Meister erklärte, hier werde von dem Falle gesprochen, wenn Grundbesitz im Nisan teuer ist und im Tišri im Preise sinkt.
3Jeder andere wartet mit dem Verkaufe bis Nisan, dieser aber muß, da er Geld braucht, zum jetzigen Preise verkaufen; bis zur Hälfte pflegt der Preis zu sinken, mehr aber nicht.
4Ebenso auch hier bei der Entschädigung. Nach dem Gesetze hat er Gutes zu beanspruchen, wenn er aber [vom Schädiger] ein größeres Quantum Mittelmäßiges verlangt,
5so kann dieser ihm erwidern: nimmst du von dem, was dir zukommt, so erhältst du es zum gegenwärtigen Werte, wenn aber von anderem, dann nur zum später steigenden Werte.
6R. Aḥa b. Ja͑qob wandte ein: Demnach hast du ja die Geschädigten hinsichtlich des Mittelmäßigen und Schlechten benachteiligt: der Allbarmherzige sagt, er erhalte vom Guten, und du sagst, daß er nicht einmal vom Mittelmäßigen und vom Schlechten erhalte!?
7Vielmehr, sagte R. Aḥa b. Ja͑qob, ist dies, wenn man vergleichen will, mit einem Gläubiger zu vergleichen: der Gläubiger hat nach dem Gesetze Mittelmäßiges zu beanspruchen, wenn er aber [vom Schuldner] ein größeres Quantum Schlechtes verlangt, so kann dieser zu ihm sagen: nimmst du von dem, was dir gesetzlich zukommt, so erhältst du es zum gegenwärtigen Werte, wenn aber von anderem, dann nur zum später steigenden Werte.
8R. Aḥa, Sohn des R. Iqa, wandte ein: Demnach hast du ja vor den Geldbedürftigen die Tür abgeschlossen; jener könnte zu ihm sagen: Wenn ich das Geld hätte, würde ich [das Grundstück] zum jetzigen Werte erhalten haben, jetzt aber, wo du das Geld hast, muß ich es zum höheren Werte von später nehmen!?
9Vielmehr, sagte R. Aḥa, Sohn des R. Iqa, ist es, wenn man vergleichen will, mit der Morgengabe der Frau zu vergleichen: nach dem Gesetze erhält die Frau ihre Morgengabe vom Schlechten, wenn sie aber von ihm ein kleineres Quantum Mittelmäßiges verlangt, so kann er ihr erwidern: nimmst du von dem, was dir zukommt, so erhältst du es zum jetzigen Werte, wenn aber von anderem, dann nur zum später steigenden Werte. —
10Immerhin bleibt ja der Widerspruch bestehen!?
11Raba erwiderte: Was er ihm auch gibt, muß vom besten sein. —
12Es heißt ja aber: das beste seines Feldes!?
13Vielmehr, als R. Papa und R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, aus dem Lehrhause kamen, erklärten sie es: Jede Sache gilt als bestes, denn wenn sie hier nicht verkauft wird, wird sie in einer anderen Stadt verkauft, ausgenommen Grundbesitz; davon muß er ihm vom besten geben, damit Käufer sich darum bewerben.
14R. Šemuél b. Abba aus Aqronja fragte R. Abba: Richtet man sich bei der Schätzung nach seinem [Ackerlande] oder nach dem der ganzen Welt?
15Nach R. Jišma͑él ist dies nicht fraglich, denn er sagt, man schätze [das Ackerland] des Geschädigten,
16fraglich ist es nur nach R. A͑qiba, welcher sagt, man schätze das des Schädigers:
17wollte der Allbarmherzige mit [den Worten:] das beste seines Feldes, nur das des Geschädigten ausschließen, oder auch das der ganzen Welt?
18Dieser erwiderte ihm: Der Allbarmherzige sagt: das beste seines Feldes, und du willst sagen, daß man sich bei der Schätzung nach dem der ganzen Welt richte.
19Er wandte gegen ihn ein: Hat er nur Gutes, so erhalten alle ihre Forderungen vom Guten, wenn Mittelmäßiges, so erhalten alle ihre Forderungen vom Mittelmäßigen, wenn Schlechtes, so erhalten alle ihre Forderungen vom Schlechten.
20Hat er Gutes, Mittelmäßiges und Schlechtes, so erhält der Geschädigte seine Forderung vom Guten, der Gläubiger vom Mittelmäßigen und die Frau ihre Morgengabe vom Schlechten. Hat er Gutes und Mittelmäßiges, so erhält der Geschädigte vom Guten, und der Gläubiger und die Frau ihre Morgengabe vom Mittelmäßigen. Hat er Mittelmäßiges und Schlechtes, so erhalten der Geschädigte und der Gläubiger vom Mittelmäßigen und die Frau ihre Morgengabe vom Schlechten.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.