Bava Kamma — Blatt 81a
1[das Vieh in fremden] Wäldern weiden darf. Daß man Holz in [fremden] Feldern sammeln darf. Daß man Gras überall sammeln darf, nur nicht auf einem Bockshornkleefelde. Daß man überall Zweige abschneiden darf, mit Ausnahme von Olivenreisern. Daß die Bürger der Stadt aus einer neu entspringenden Quelle schöpfen dürfen. Daß man im Meere von Ṭiberjas angeln darf, nur darf man keine Einhegung machen und den Schiffen hinderlich sein.
2Daß man hinter einem Zaune seine Notdurft verrichten darf, selbst auf einem Felde voll Safran. Daß man bis zum zweiten Regenfalle auf den Freistegen gehen darf. Daß man wegen der Unebenheit der Wege auf den Seiten der Wege gehen darf. Daß, wer in Weinbergen umherirrt, teilen und hinaufschreiten, teilen und hinabschreiten darf. Daß ein Pflichttoter seinen Platz eigne.
3Daß man [das Vieh in fremden] Wäldern weiden darf. R. Papa sagte : Dies gilt nur von einem kleinen [Vieh] in einem großen [Walde]; ein kleines in einem kleinen, ein großes in einem großen, und um so mehr ein großes in einem kleinen ist verboten.
4Daß man Holz in [fremden] Feldern sammeln darf. Dies gilt nur von Dornen und Disteln, nicht aber anderes Holz. Auch von Dornen und Disteln gilt dies nur dann, wenn sie am Boden haften, nicht aber, wenn sie abgehauen sind.
5Auch von am Boden haftenden gilt dies nur dann, wenn sie noch feucht sind, nicht aber, wenn sie trocken sind. Auch darf man sie nicht entwurzeln.
6Daß man Gras überall sammeln darf, nur nicht auf einem Bockshornkleefelde. Demnach ist das Gras für Bockshornklee vorteilhaft; ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wenn unter Bockshornklee allerlei Gras hervorsproßt, so verpflichtet man ihn nicht, es auszujäten!?
7R. Jirmeja erwiderte: Dies ist kein Widerspruch; das eine, wenn es zur Aussaat bestimmt ist, und das andere, wenn zum Gebrauche. Wenn zur Aussaat, so ist das Gras schädlich, weil es dadurch abmagert, wenn aber zum Gebrauche, so ist es vorteilhaft, weil es sich auf das Gras lagert.
8Wenn du aber willst, sage ich: das eine, wenn es für Menschen bestimmt ist, das andere, wenn für das Vieh; wenn es für das Vieh gesäet wird, braucht er auch das Gras. – Woher weiß man es? R. Papa erwiderte: In Beeten ist es für Menschen bestimmt, ohne Beete für das Vieh.
9Daß man überall Zweige abschneiden darf, mit Ausnahme von Olivenreisern. R. Tanḥum und R. Barjas erklärten im Namen eines Greises: Von einem Olivenbaume in der Größe eines Eies; von Sträuchern und Weinstöcken vom Knotenpunkte ab; von allen anderen Bäumen von der dichten Stelle, nicht aber von der Spitze.
10Von einem neuen, der keine Früchte trägt, nicht aber von einem alten, der Früchte trägt; von einer Stelle die von der Sonne nicht beschienen wird,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.