Bava Kamma — Blatt 83a

1die syrische Sprache nötig, entweder die Heiligensprache oder die griechische Sprache!? Ferner sagte R. Jose: Wozu ist in Babylonien die aramäische Sprache nötig, entweder die Heiligensprache oder die persische Sprache !? – Ich will dir sagen, die griechische Sprache ist etwas anderes und die griechische Weisheit ist etwas anderes. –

2Ist denn die griechische Weisheit verboten, R. Jehuda sagte ja im Namen Šemuéls im Namen des R. Šimo͑n b. Gamliél : [Es heißt:]mein Auge tut meiner Seele weh, um alle Töchter meiner Stadt; tausend Kinder waren in meinem Vaterhause, von denen fünfhundert die griechische Weisheit lernten, und von diesen zurückgeblieben sind nur ich hier und der Sohn des Bruders meines Vaters in Asja!? –

3Ich will dir sagen, anders das Haus R. Gamliéls, das der Regierung nahe stand. Es wird nämlich gelehrt: Das Qomischeren ist eine heidnische Sitte; Avtilos, dem Sohne Reúbens, haben sie das Qomischeren erlaubt, weil er der Regierung nahe stand. Dem Hause R. Gamliéls haben sie erlaubt, sich mit der griechischen Weisheit zu befassen, weil es der Regierung nahe stand.

4MAN DARF KEINEN HUND HALTEN, ES SEI DENN, DASS MAN IHN AN DIE KETTE LEGT. Die Rabbanan lehrten: Man darf keinen Hund halten, es sei denn, daß man ihn an die Kette legt, wohl aber darf man einen in einer an der Grenze liegenden Stadt halten, und zwar binde man ihn am Tage an und lasse ihn nachts frei.

5Es wird gelehrt: R. Elie͑zer der Große sagte: Wenn jemand Hunde großzieht, so ist es ebenso, als züchte er Schweine. – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Daß er den Fluch auf sieht lädt.

6R. Joseph b. Minjomi sagte im Namen R. Naḥmans: Babylonien gleicht einer an der Grenze liegenden Stadt. Dies wird auf Nehardea͑ bezogen.

7R. Dostaj aus Biri trug vor:Und wenn sie sich niederließ, sprach er: Kehre wieder, o Herr, zu den Myriaden und Tausenden Jisraéls. Dies lehrt dich, daß die Göttlichkeit auf weniger als zwei Tausend und zwei Myriaden nicht ruhe. Wenn nun einer fehlt und eine schwangere Frau vorhanden ist, die die Zahl voll machen könnte, ein Hund aber sie anbellt und sie abortiert, so veranlaßt dieser, daß die Göttlichkeit den Jisraéliten entzogen wird.

8Einst kam eine Frau in ein Haus, um zu backen, und ein Hund bellte sie an; da sprach der Herr zu ihr: Fürchte dich nicht vor ihm, er hat keine Zähne! Diese erwiderte: Vergeblich dein Trost, auf Dornen geworfen; die Geburt hat sich bereits bewegt.

9MAN DARF KEINE TAUBENSCHLINGEN LEGEN &C. Fliegen sie denn so weit, wir haben ja gelernt, daß man eine Taubenhecke fünfzig Ellen von der Stadt entfernen müsse!? Abajje erwiderte: Sie fliegen auch weiter, Futter suchen sie aber nur innerhalb fünfzig Ellen. –

10Fliegen sie denn nur bis dreißig Ris und nicht weiter, es wird ja gelehrt, in einer bewohnten Gegend dürfe man nicht einmal in einer Entfernung von hundert Mil [Taubenschlingen] legen!? R. Joseph erwiderte: Wenn die Gegend mit Weinbergen bebaut ist. Rabba erwiderte: Wenn Taubenhecken sich da befinden. –

11Sollte es doch schon wegen der Taubenhecken selbst verboten sein!? – Wenn du willst, sage ich: wenn sie einem Nichtjuden gehören. Wenn du willst, sage ich: wenn sie herrenlos sind. Und wenn du willst, sage ich: wenn sie ihm selber gehören.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.