Bava Kamma — Blatt 92a

1Man könnte glauben, auch wenn er einen höheren Wert hat, so heißt es nur.

2Einst brachte der Pächter Šemuéls ihm Datteln, und als er sie aß, merkte er an ihnen Weingeschmack. Da fragte er ihn: Wie kommt dies? Jener erwiderte: Sie stehen zwischen Weinstöcken. Da sprach er: Sie entkräften zu sehr die Weinstöcke; bringe mir morgen ihre Wurzeln.

3R. Ḥisda bemerkte einst Palmbäume zwischen seinen Weinstöcken ; da sprach er zu seinem Pächter: Entwurzle sie; für Weinstöcke erhält man Palmbäume, für Palmbäume aber erhält man keine Weinstöcke.

4OBGLEICH ER IHM EINE [ENTSCHÄDIGUNG] ZAHLT, SO WIRD IHM DENNOCH NICHT EHER VERGEBEN, ALS BIS ER IHM ABBITTE GELEISTET HAT, DENN ES HEISST :so gib nun die Frau zurück &c. WOHER, DASS, WENN DIESER IHM NICHT VERZEIHT, ER GRAUSAM HEISSE? ES HEISST :da betete Abraham zu Gott, und Gott heilte den Abimelekh &c.

5SAGT JEMAND EINEM: ‘BLENDE MIR DAS AUGE’, ‘HAUE MIR DIE HAND AB’, ‘BRICH MIR DEN FUSS’, SO IST ERSCHULDIG; [SAGT ER:] ‘UND SOLLST FREI SEIN’, SO IST ER DENNOCH SCHULDIG.

6[SAGT ER:] ‘ZERREISSE MEIN GEWAND’, ‘ZERBRICH MEINEN KRUG’, SO IST ER SCHULDIG; [SAGT ER:] ‘UND SOLLST FREI SEIN’, SO IST ER FREI. [SAGT JEMAND:] ‘TU DIES EINEM ANDEREN, MIT DER BEDINGUNG, FREI ZU SEIN’, SO IST ER SCHULDIG, EINERLEI OB [DIE SCHÄDIGUNG] SEINEN KÖRPER ODER SEIN VERMÖGEN BETRIFFT.

7GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Dies alles, wovon sie sprechen, ist nur eine Entschädigung für die Beschämung, die Kränkung aber wird ihm, selbst wenn er alle nabatäischen Widder der Welt dargebracht hat, nicht eher verziehen, als bis er ihm Abbitte geleistet hat, denn es heißt:so gib nun dem Manne seine Frau zurück, denn er ist ein Prophet, und er soll für dich beten. –

8Ist denn nur einem Propheten seine Frau zurückzugeben, einem anderen aber nicht!?

9R. Šemuél b. Naḥmani erwiderte im Namen R. Jonathans: So gib dem Manne seine Frau zurück, auf jeden Fall, und deine Einwendung :wirst du denn Unschuldige umbringen, er hat doch selbst zu mir gesagt: sie ist meine Schwester, und auch sie hat zu mir gesagt: er ist mein Bruder, [ist nichts], denn er ist ein Prophet, und lernte dies [aus deinem Verhalten]. Fragt man einen Gast, der in eine Stadt kommt, ob er zu essen oder zu trinken wünsche, oder über die Angelegenheiten seiner Frau, ob es seine Frau oder seine Schwester sei!?

10Hieraus, daß ein Noaḥide getötet werde, wenn er etwas lernen sollte, es aber nicht gelernt hat.

11Denn verschlossen, verschlossen hatte der Herr. R. Elea͑zar sagte: Was bedeuten diese zwei Verschließungen? Eine beim Manne, den Samenabgang, und zwei bei der Frau, den Samenabgang und die Geburt

12In einer Barajtha wurde gelehrt: Zwei beim Manne, den Samenabgang und die kleine [Notdurft], und drei bei der Frau, den Samenabgang, die kleine [Notdurft] und die Geburt.

13Rabina sagte: Drei beim Manne, den Samenabgang, die kleine [Notdurft] und die Entleerung, und vier bei der Frau, den Samenabgang, die Geburt, die kleine [Notdurft] und die Entleerung.

14Jeden Muttermund. In der Schule R. Jannajs sagten sie: Im Hause Abimelekhs legte nicht einmal eine Henne ihr Ei.

15Raba sprach zu Rabba b. Mari : Woher ist das zu entnehmen, was die Rabbanan gesagt haben: wenn jemand etwas für seinen Nächsten bittet, und er selbst dieser Sache bedarf, so wird er zuerst erhört? Dieser erwiderte: Es heißt :und der Herr wendete das Geschick Ijobs, als er für seine Freunde betete.

16Jener entgegnete: Du entnimmst dies hieraus, ich entnehme es aus folgendem :da betete Abraham zu Gott, und Gott heilte den Abimelekh, seine Frau und seine Mägde &c., und darauf heißt es:und der Herr gedachte der Sara, wie er gesprochen hatte &c., wie Abraham über Abimelekh gesprochen hatte.

17Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: mit dem Unkraut leidet der Kohl? Dieser erwiderte: Es heißt:warum hadert ihr wider mich? Ihr seid alle von mir abgefallen, Spruch des Herrn.

18Jener entgegnete: Du entnimmst dies hieraus, ich entnehme es aus folgendem :wie lange wollt ihr euch weigern, meine Gebote und meine Lehren zu beobachten.

19Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Es heißt:und einen Teil von seinen Brüdern, fünf Mann, nahm er; wer waren diese fünf? Dieser erwiderte: R. Joḥanan sagte, es waren die fünf, deren Namen zweimal genannt werden. –

20Jehuda wird ja ebenfalls zweimal genannt!?

21Dieser erwiderte: Jehuda wird aus einem besonderen Grunde zweimal genannt. R. Šemuél b. Naḥmani sagte nämlich im Namen R. Jonathans: Es heißt:es lebe Reúben und sterbe nicht, daß seiner Mannen wenig würden; und dies über Jehuda.

22Die ganzen vierzig Jahre, während welcher die Jisraéliten in der Wüste weilten, wackelten die Gebeine Jehudas im Sarge herum; da kam Moše und flehte für sie um Erbarmen, indem er vor ihm sprach: Herr der Welt, Jehuda ist es ja, der Reúben veranlaßt hat, seine Sünde zu bekennen.

23Er sprach: Erhöre, Herr, das Rufen Jehudas. Da setzten sich seine Gebeine zusammen, doch ließ man ihn nicht in das himmlische Kollegium hinein. [Darauf sprach er:]Zu seinem Volke bringe ihn. Er verstand aber nicht, was die Rabbanan sprachen, um sich mit ihnen unterhalten zu können. [Da sprach Moše:]Seine Hände seien kräftig. Aber noch immer vermochte er nicht, die Entscheidung einer Lehre zu eruieren, [da sprach Moše:]Und sei ihm Hilfe gegenüber seinen Bedrängern.

24Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: dem Armen folgt die Armut? Dieser erwiderte: Wir haben gelernt: Die Reichen brachten sie in goldenen und silbernen Körben, die Armen aber in aus abgeschälten Weidenruten geflochtenen Körben und überreichten den Priestern die Körbe samt den Erstlingen. Jener entgegnete: Du entnimmst es hieraus, ich aber entnehme es aus folgendem:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.