Bava Kamma — Blatt 92b

1und er rufe: unrein, unrein.

2Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Rabbanan gesagt haben: iß frühmorgens, im Sommer wegen der Hitze und im Winter wegen der Kälte? Ferner pflegen die Leute zu sagen: sechzig Läufer können den nicht einholen, der frühmorgens gegessen hat? – Es heißt :sie werden nicht hungern und nicht dursten, und Glut und Sonne werden sie nicht treffen.

3Jener entgegnete: Du entnimmst es hieraus, ich entnehme es aus folgendem :ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, dienen, das ist das Šema͑ und das tägliche Gebet; und er wird dein Brot und dein Wasser segnen, das ist Brot mit Salz und ein Krug Wasser. Dann gilt: und ich werde Krankheit aus deiner Mitte entfernen.

4Ferner wird gelehrt: Unter Krankheit ist die Galle zu verstehen, und sie heißt deshalb Krankheit, weil ihr dreiundachtzig Krankheiten anhaften; [das Wort] Krankheit hat nämlich diesen Zahlenwert; diese alle halten morgendliches Brot mit Salz und ein Krug Wasser zurück.

5Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Rabbanan gesagt haben: nennt dich dein Genösse einen Esel, so lege dir einen Sattel auf? Dieser erwiderte: Es heißt:und er sprach: Hagar, Magd Sarajs, woher kommst du and wohin gehst du? Da erwiderte sie: Ich fliehe vor meiner Gebieterin Saraj.

6Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: den Makel, der dir anhaftet, sage vorher selber? Dieser erwiderte: Es heißt:da sprach er: Ich bin ein Knecht Abrahams.

7Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: gebückt geht die Ente, ihre Augen aber schweifen umher? Dieser erwiderte: Es heißt:wenn der Herr meinem Herrn wohltun wird, so denke an deine Sklavin.

8Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: sechzigfachen Schmerz empfindet der Zahn, der einen anderen [essen] hört und nicht ißt? Dieser erwiderte: Es heißt :mich aber, deinen Knecht, den Priester Çadoq, Benajahu, den Sohn Jehojada͑s, und seinen BruderŠelomo lud er nicht.

9Jener entgegnete: Du entnimmst es hieraus, ich entnehme es aus folgendem:und Jiçḥaq brachte sie in das Zelt seiner Mutter Sara, und er nahm die Ribhqa und sie wurde seine Frau und er gewann sie lieb; und Jiçḥaq tröstete sich über [den Verlust] seiner Mutter, und darauf folgt :Abraham aber nahm nochmals eine Frau, namens Qetura.

10Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: der Wein des Herrn, der Dank aber dem Schenkmeister? Dieser erwiderte: Es heißt:lege ihm deine Hand auf &c. damit die ganze Gemeinde Jisraél ihm gehorsam sei und ihn fürchte. Und es heißt:aber Jehošua͑, der Sohn Nuns, war mit dem Geiste der Weisheit erfüllt, weil Moše seine Hände auf ihn gelegt hatte, und alle Kinder Jisraél gehorchten ihm &c.

11Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflogen: in seinem Hunger verschlingt der Hund auch Kot? – Es heißt:ein Gesättigter tritt Honigseim mit Füßen, aber ein Hungriger findet alles Bittere süß.

12Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari : Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: eine schlechte Dattelpalme gesellt sich leeren Bäumen? Dieser erwiderte: Dies steht geschrieben in der Tora, ist verzweifacht in den Propheten, verdreifacht in den Hagiographen, gelehrt in der Mišna, und wiederholt in der Barajtha:

13Geschrieben in der Tora, denn es heißt :da ging E͑sav zu Jišma͑él. Verzweifacht in den Propheten, denn es heißt :da scharten sich um Jiphtaḥ nichtsnutzige Leute und waren mit ihm. Verdreifacht in den Hagiographen, denn es heißt :jeder Vogel wohnt bei seiner Gattung und der Mensch hält sich zu seinesgleichen. Gelehrt in der Mišna: Was mit dem Unreinen verbunden, ist unrein, was mit dem Reinen verbunden, ist rein. Wiederholt in der Barajtha: R. Elie͑zer sagte: Nicht umsonst ging der Star zum Raben, sondern weil er zu seiner Art gehört.

14Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari : Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: wenn du deinen Genossen rufst, und er dir nicht antwortet, so stoße eine große Wand auf ihn? Dieser erwiderte: [Es heißt :]weil ich dich reinigen wollte, du aber nicht rein wurdest von deiner Unreinheit, so sollst du auch ferner nicht rein werden.

15Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: in einen Brunnen, aus dem du getrunken, wirf keinen Schmutz? Dieser erwiderte: es heißt :verabscheue nicht den Edomiter, denn er ist dein Bruder, und verabscheue nicht den Miçri, denn ein Fremdling warst du in seinem Lande.

16Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari : Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: hebst du die Last mit, so hebe auch ich sie, wenn aber nicht, so hebe auch ich sie nicht? Dieser erwiderte: Es heißt:da sprach Baraq zu ihr: Wenn du mit mir gehst, so gehe ich, wenn du aber nicht mit mir gehst, so gehe ich nicht.

17Ferner sprach Raba zu Rabba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: waren wir jung, da waren wir Männer, jetzt wo wir alt sind, sind wir Kinder? Dieser erwiderte: Zuerst heißt es:und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. Später aber heißt es:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.