Bava Mezia — Blatt 100a
1WENN JEMAND EINE KUH AUF EINEN ESEL GETAUSCHTUND SIE GEWORFEN HAT, ODER EINE MAGD VERKAUFT UND SIE GEBOREN HAT, UND DER EINE SAGT, [DIES SEI ERFOLGT] BEVOR ER SIE VERKAUFT HAT, UND DER ANDERE SAGT, NACHDEM ER SIE GEKAUFTHAT, SO TEILEN SIE.
2WENN [DER VERKÄUFER] ZWEI SKLAVEN HAT, EINEN GROSSEN UND EINEN KLEINEN, EBENSO AUCH ZWEI FELDER, EIN GROSSES UND EIN KLEINES,
3UND DER KÄUFER SAGT, ER HABE DEN GROSSEN GEKAUFT, UND DER ANDERE SAGT, ER WISSE ES NICHT, SO HAT ER DEN GROSSEN ERWORBEN.
4WENN DER VERKÄUFER SAGT, ER HABE DEN KLEINEN VERKAUFT, UND DER ANDERE SAGT, ER WISSE ES NICHT, SO ERHÄLT ER NUR DEN KLEINEN.
5WENN DER EINE SAGT, DEN GROSSEN, UND DER ANDERE SAGT, DEN KLEINEN, SO SCHWÖRE DER VERKÄUFER, DASS ER DEN KLEINEN VERKAUFT HABE.
6WENN DER EINE SAGT, ER WISSE ES NICHT, UND DER ANDERE SAGT, ER WISSE ES NICHT, SO TEILEN SIE.
7GEMARA. Weshalb teilen sie, sollte man doch sehen, in wessen Besitz er sich befindet, der andere Kläger sein und den Beweis erbringen müssen!?
8R. Ḥija b. Abin erwiderte im Namen Šemuéls: Wenn [die Kuh] sichauf dem Felde befindet, beziehungsweise die Magd auf der Straßenecke. —
9Sollte man sie doch in dem Besitze des ersten Eigentümers belassen, der andere Kläger sein und Beweis erbringen müssen!? —
10Hier ist die Ansicht Symmachos’ vertreten, welcher sagt, der Betrag, über den ein Zweifel besteht, sei ohne Schwur zu teilen. —
11Symmachos sagt es ja nur von dem Falle, wenn beide ‘vielleicht’sagen, sagt er es etwa auch von dem Falle, wenn es beide mit Bestimmtheit behaupten!?
12Rabba, Sohn des R. Hona, erwiderte: Freilich, Symmachos sagte es auch von dem Falle, wenn es beide mit Bestimmtheit behaupten.
13Raba erklärte: Tatsächlich sagte es Symmachos nur von dem Falle, wenn beide ‘vielleicht’ sagen, nicht aber, wenn es beide mit Bestimmtheit behaupten, nur lese man hier: und der eine sagt, vielleicht bevor er sie verkauft hat, und der andere sagt, vielleicht nachdem er sie gekauft hat. —
14Wir haben gelernt: Wenn der eine sagt, er wisse es nicht, und der andere sagt, er wisse es nicht, so teilen sie.
15Allerdings spricht nach Raba, wenn der Schlußsatz von dem Falle handelt, wenn beide ‘vielleicht’ sagen, auch der Anfangsatz von dem Falle, wenn beide ‘vielleicht’ sagen; wozu aber braucht nach Rabba b. R. Hona, nach dem Symmachos es auch von dem Falle sagt, wenn beide es mit Bestimmtheit behaupten, wo diessogar von dem Falle gilt, wenn beide es mit Bestimmtheit behaupten, von dem Falle gelehrt zu werden, wenn beide ‘vielleicht’ sagen!? —
16Wenn nur das, so ist dies kein Einwand; er lehrt den Schlußsatz zur Erklärung des Anfangsatzes; damit man nicht glaube, der Anfangsatz spreche von dem Falle, wenn beide ‘vielleicht’ sagen, nicht aber, wenn beide es mit Bestimmtheit behaupten, lehrt er im Schlußsatze den Fall, wenn beide ‘vielleicht’ sagen, woraus man schließe, daß der Anfangsatz von dem Falle spricht, wenn beide es mit Bestimmtheit behaupten, und dennoch teilen sie. —
17Wir haben gelernt: Wenn der eine sagt, den großen, und der andere sagt, den kleinen, so schwöre der Verkäufer, daß er den kleinen verkauft habe.
18Allerdings schwöre er nach Raba, welcher sagt, Symmachos sage es nur von dem Falle, wenn beide ‘vielleicht’ sagen, nicht aber, wenn beide es mit Bestimmtheit behaupten; weshalb aber schwöre der Verkäufer nach Rabba b. R. Hona, welcher sagt, Symmachos sage es auch von dem Falle, wenn beide es mit Bestimmtheit behaupten, sie sollten ja teilen!? —
19Symmachos pflichtet in dem Fallebei, wenn ein Schwur nach der Tora zu leisten ist, wie wir weiter erklären werden.
20WENN [DER VERKÄUFER] ZWEI SKLAVEN HAT, EINEN GROSSEN UND EINEN KLEINEN &C. Weshalb muß er schwören, was der eine fordert, gesteht ja der andere nicht ein, und was der andere eingesteht, fordert ja jener nicht!?
21Ferner heißt dies ja: da hast dues!?
22Und ferner schwört man ja nicht wegen Sklaven!?
23Rabh erwiderte: Wenn er von ihm das Geld fordert, das Geld für einen großen Sklaven, und [der andere eingesteht] das Geld für einen kleinen Sklaven, das Geld für ein großes Feld, und [der andere eingesteht] das Geld für ein kleines Feld.
24Šemuél erklärte: Wenn er von ihm das Gewand eines großen Sklaven fordert, und [der andere eingesteht] das Gewand eines kleinen Sklaven, die Garben eines großen Feldes, und [der andere eingesteht] die Garben eines kleinen Feldes. —
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.