Bava Mezia — Blatt 107a
1ist erleichternd!?
2Abajje erwiderte: Der Grund des R. Šimo͑n b. Gamliél ist nach einer Lehre des Meisterszu erklären, denn der Meister sagte: Wer sein Grundstück zu verderben wünscht, besäe es ein Jahr mit Weizen und ein Jahr mit Gerste, ein Jahr der Länge nach und ein Jahr der Breitenach.
3Dies jedoch nur dann, wenn er es nachher nicht gepflügt und dies wiederholt hat, wenn er es aber nachher gepflügt und dies wiederholt hat, so ist nichts dabei.
4WENN MIT GETREIDE ZU BESÄEN, SO DARF ER ES NICHT MIT HÜLSENFRÜCHTEN BESÄEN &C. R. Jehuda lehrte Rabin: Wenn mit Getreide zu besäen, so darf er es auch mit Hülsenfrüchten besäen. Dieser sprach zu ihm: Wir haben ja aber gelernt: wenn mit Getreide zu besäen, so darf er es nicht mit Hülsenfrüchten besäen!? Jener erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt für unsund eines gilt für sie.
5R. Jehuda sprach zu Rabinb. R. Naḥman: Bruder Abin bei der Kresse, die zwischen dem Flachse wächst, hat das Verbot des Raubes keine Geltung; befindet sie sich am Rande, so gilt dabei das Verbot des Raubes;
6ist sie zur Aussaat gehärtet, so gilt dabei das Verbot des Raubes, auch wenn sie zwischen dem Flachse wächst, denn der Schaden, den sie angerichtet hat, ist bereits geschehen.
7R. Jehuda sprach zu Rabin b. R. Naḥman: Bruder Abin, meinegehören dir, und deinegehören mir. Bei den Grenznachbarn ist es üblich, daß der Baum, der sich nach dieser Seiteneigt, diesem, und der sich nach jener Seite neigt, jenem gehört.
8Es wurde nämlich gelehrt: Befindet sich ein Baum auf der Grenze, so gehört er, wie Rabh sagt, wenn er sich nach dieser Seite neigt, diesem, und wenn er sich nach jener Seite neigt, jenem; Šemuél sagt, sieteilen.
9Man wandte ein: Befindet sich ein Baum auf der Grenze, so teilen sie. Dies ist ja eine Widerlegung Rabhs!? — Šemuél erklärte es nach Rabh: wenn er die ganze Grenze ausfüllt. —
10Wozu braucht dies demnach gelehrt zu werden!? — In dem Falle, wenn die Krone sich nach einer Seite neigt. — Aber wozu braucht auch dies gelehrtzu werden!? — Man könnte glauben, er könne zu ihm sagen: teile so, so lehrt er uns, daß der andere ihm erwidern könne: wie kommst du so zu teilen, teile so.
11R. Jehuda sprach zu Rabin b. R. Naḥman: Bruder Abin, kaufe kein Feld nahe der Stadt; R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs, man dürfe nicht neben dem Felde seines Nächsten stehen, wenn [das Getreide] in den Halmen steht. —
12Dem ist ja aber nicht so, R. Abba traf ja einst die Schüler Rabhs, und fragte sie, was Rabh gesagt habe über folgende Schriftverse: gesegnet seist du in der Stadt und gesegnet seist du auf dem Felde, gesegnet seist du bei deinem Kommen und gesegnet seist du bei deinem Fortgehen,
13und sie erwiderten ihm, Rabh habe folgendes gesagt: Gesegnet seist du in der Stadt, daß dein Haus sich in der Nähe des Bethauses befinde; gesegnet seist du auf dem Felde, daß deine Güter sich nahe der Stadtbefinden; gesegnet seist du bei deinem Kommen, daß du bei deinem Kommen von deiner Reise deine Frau nicht als zweifelhaft menstruierende vorfindest; gesegnet seist du bei deinem Fortgehen, daß deine Nachkommen dir gleichen mögen.
14Hierauf entgegnete er ihnen: R. Joḥanan legte es nicht so aus, sondern wie folgt: Gesegnet seist du in der Stadt, daß du deinen Abort nahe deinem Tischehast. Er bezieht es aber nicht auf ein Bethaus, denn R. Joḥanan vertritt hierbei seine Ansicht, daß es eine Belohnung für die Schrittegebe.
15Gesegnet seist du auf dem Felde, deine Güter mögen in drei Teile geteilt sein, ein Drittel in Getreide, ein Drittel in Oliven und ein Drittel in Weinstöcken; gesegnet seist du bei deinem Kommen und gesegnet seist du bei deinem Fortgehen, dein Fortgehen aus der Welt möge deinem Kommen in die Welt gleichen; wie dein Kommen in die Welt ohne Sünde war, ebenso mag auch dein Fortgehen aus der Welt ohne Sünde sein.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.