Bava Mezia — Blatt 107b

1Das ist kein Einwand; eines gilt von dem Falle, wenn es mit einer Mauer oder einem Zaune umgeben ist, und eines gilt von dem Falle, wenn es nicht mit einer Mauer oder einem Zaune umgeben ist.

2Der Herr wird von dir jede Krankheit fernhalten; Rabh erklärte, darunter sei das [böse] Auge zu verstehen. Rabh vertritt hierbei seine Ansicht. Rabh ging nämlich einst auf einen Begräbnisplatz, tat dort, was er tatund sprach darauf: neunundneunzig [sterben] durch ein [böses] Auge, und einer auf natürliche Weise.

3ŠemuÉl erklärte, darunter sei die [schädliche] Luft zu verstehen. Šemuél vertritt hierbei seine Ansicht, denn Šemuél sagte: alles durch die [schädliche] Luft. — Und Šemuél, es gibt ja auch durch die Regierung Hingerichtete!? — Wenn nicht die [schädliche] Luft, könnte man auch diesen eine Arznei bereiten, und sie würden am Leben bleiben.

4R. Ḥanina erklärte, darunter sei die Kälte zu verstehen. R. Ḥanina sagte nämlich: Alles erfolgt durch himmlische Fügung, ausgenommen [die Gefährdung] durch Kälte und Hitze, denn es heißt:Kälte und Hitzesind auf dem Wege des Falschen, wer seine Seele bewahrt, bleibt ihnen fern.

5R. Jose b. Ḥanina erklärte, darunter sei der Auswurf zu verstehen. Der Meister sagte nämlich: Der Auswurf der Nase und der Auswurf des Ohres sind, wenn viel, schädlich, und wenn wenig, dienlich.

6R. Elea͑zar erklärte, darunter sei die Galle zu verstehen. Ebenso wird auch gelehrt: Unter Krankheit ist die Galle zu verstehen, und sie heißt deshalb Krankheit, weil sie den ganzen Körper des Menschen krank macht. Eine andere Erklärung: Krankheit [heißt sie deshalb], weil dreiundachtzigKrankheiten an der Galle haften. Diese alle hält das morgendliche Brot mit Salz und ein Krug Wasser zurück.

7Die Rabbanan lehrten: Dreizehn Dinge sagten sie vom Morgenbrote: es schützt vor Hitze, vor Kälte, vor [böser] Luft und vor Gespenstern, es macht den Einfältigen weise, erobsiegt bei Gericht, er lernt das Gesetz, er lehrt es, seine Worte werden gehört, sein Studium bleibt ihm erhalten,

8sein Leib bringt keine Ausdünstungen hervor, er gattet sich mit seiner Frau und verlangt nach keiner anderen, und es tötet das Ungeziefer in den Eingeweiden. Manche sagen, es entferne auch die Eifersucht und wecke die Liebe.

9Rabba fragte Raba b. Mari: Woher ist das zu entnehmen, was die Leute zu sagen pflegen: sechzig Läufer können den nicht einholen, der frühmorgens gegessen hat? Ferner sagten die Rabbanan: iß frühmorgens, im Sommer wegen der Hitze und im Winter wegen der Kälte.

10Dieser erwiderte: Es heißt:sie werden nicht hungern und nicht dursten und Glut und Sonne werden sie nicht treffen; Glut und Sonne werden sie deshalb nicht treffen, weil sie nicht hungern und dursten werden.

11Jener entgegnete: Du entnimmst es hieraus, ich entnehme es aus folgendem: ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, dienen, und er wird dein Brot und dein Wasser segnen. Ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, dienen, das ist das Šema͑ und das tägliche Gebet; und er wird dein Brot und dein Wasser segnen, das ist Brot mit Salz und ein Krug Wasser. Dann gilt:und ich werde Krankheit aus deiner Mitte entfernen.

12R. Jehuda sprach zu R. Ada dem Landmesser: Sei nicht fahrlässig beim Messen, denn auch jede Kleinigkeit ist [zum Bepflanzen] mit Gartensafrangeeignet. Ferner sagte R. Jehuda zu R. Ada dem Landmesser: Die vier Ellen am Stromebrauchst du nicht genau [zu messen]; die am Flussemiß überhaupt nicht.

13R. Jehuda vertrat hierbei seine Ansicht, denn R. Jehuda sagte: Die vier Ellen am Strome gehören den Besitzern des Stromes, und die am Flusse gehören aller Welt.

14R. Ami ließ bekannt machen: Soweit die Schultern der Schiffsführer reichen, haut an beiden Seiten des Stromesnieder. R. Nathan b. Hošaja ließ sechzehn Ellenniederhauen; da fielen die Leute von Mašronja über ihn her und verprügelten ihn. Er glaubte, [das Ufer] gelte als öffentliche Straße, dies ist aber nicht der Fall; bei dieser ist soviel erforderlich, bei jenem aber ist dies nur zum Ziehen der Stricke nötig, somit ist auch [ein Raum] ausreichend, so weit die Schultern der Schiffsführer reichen.

15Rabba b. R. Hona hatte einen Wald am Ufer des Stromes, und sie sprachen zu ihm: Möge der Meister niederhauen. Darauf erwiderte er ihnen: Wenn die oberen und unteren [Anwohner] niederhauen, will ich ebenfalls niederhauen. — Wieso tat er dies, es heißt ja:sammelt euch und sammelt andere, und Reš Laqiš erklärte: zuerst schmücke dich und nachher schmücke andere!? —

16Jene gehörten dem RufulusParziq. Er sagte: wenn dieser seine fällt, so fälle ich ebenfalls, wozu aber soll ich meine fällen, wenn er seine nicht fällt; ziehen sieihre Stricke, so nützt es ihnen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.