Bava Mezia — Blatt 17b

1so sind seine Worte nichtig, denn bei einer gerichtlichen Bestimmung ist es ebenso, als würde [der Kläger] einen Schein in der Handhaben.

2R. Ḥija b. Abba sagte zu R. Joḥanan: Dies lehrt ja bereits folgende Mišna: Wenn sie einen Scheidebrief ohne [Urkunde über die] Morgengabe vorzeigt, so kann sie ihre Morgengabe einfordern!?

3Dieser erwiderte: Hätte ich dir die Scherbe nicht aufgehoben, so würdest du darunter die Perle nicht gefunden haben.

4Abajje sprach: Was ist dies für eine Perle; vielleicht wird hier von Ortschaften gesprochen, wo keine [Urkunde über die] Morgengabe geschrieben wird, wo also der Scheidebrief als [Urkunde über die] Morgengabe gilt; in Ortschaften aber, wo man eine [Urkunde über die] Morgengabe zu schreiben pflegt, erhält sie diese nur dann, wenn sie [die Urkunde über] die Morgengabe vorzeigt, sonst aber nicht!?

5Später sagte Abajje: Das, was ich gesagthabe, ist nichts. Wenn man sagen wollte, hier werde von Ortschaften gesprochen, wo man keine [Urkunde über die] Morgengabe zu schreiben pflegt, in Ortschaften aber, wo man eine [Urkunde über die] Morgengabe zu schreiben pflegt, erhalte sie sie nur dann, wenn sie eine solche vorzeigt, sonst aber nicht, so könnte erja bei einer Witwe aus der Verlobung, die [die Morgengabe]

6nur durch Zeugen, die den Tod des Verlobten bekunden, einfordern kann, sagen, er habe sie bereits bezahlt!? Wolltest du sagen, dem sei auch so, so haben ja die Weisen mit ihrer Bestimmungnichts genützt!?

7Mar Qašiša, Sohn des R. Ḥisda, sprach zu R. Aši: Woher ist es überhaupt zu entnehmen, daß eine Witwe aus der Verlobung die Morgengabe erhalte:

8wollte man sagen, aus der Lehre unserer Mišna, wenn sie verwitwet oder geschieden wird, einerlei ob nach der Verlobung oder nach der Hochzeit, erhalte sie alles, so bezieht sich dies vielleicht auf den Fall, wenn er sieihr geschrieben hat.

9Wolltest du erwidern, hinsichtlich eines solchen Falles brauchte dies nicht gelehrt zu werden, so schließt dies die Ansicht des R. Elea͑zar b. A͑zarja aus, welcher sagt, er verschrieb es ihr nur unter der Bedingung, wenn er sie heiratet.

10Diesist auch zu beweisen, denn es heißt: sie erhalte alles; erklärlich sind die Worte ‘sie erhalte alles’, falls du erklärst, wenn er sie ihr geschriebenhat, welche Bedeutung aber haben die Worte ‘sie erhalte alles’, falls du erklärst, wenn er sie ihr nicht geschrieben hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.