Bava Mezia — Blatt 2a
1WENN ZWEI EIN GEWAND HALTEN UND DER EINE SAGT, ER HABE ES GEFUNDEN, UND DER ANDERE SAGT, ER HABE ES GEFUNDEN, ODER DER EINE SAGT, DAS GANZE GEHÖRE IHM, UND DER ANDERE SAGT, DAS GANZE GEHÖRE IHM, SO SCHWÖRE DER EINE, DASS ER DARAN NICHT WENIGER ALS DIE HÄLFTE HABE, UND DER ANDERE SCHWÖRE EBENFALLS, DASS ER DARAN NICHT WENIGER ALS DIE HÄLFTE HABE, UND SIE TEILEN.
2WENN DER EINE SAGT, DAS GANZE GEHÖRE IHM, UND DER ANDERE SAGT, DIE HÄLFTE GEHÖRE IHM, SO SCHWÖRE DER, WELCHER SAGT, DAS GANZE GEHÖRE IHM, DASS ER DARAN NICHT WENIGER ALS DREI VIERTEL HABE, UND DER, WELCHER SAGT, DIE HÄLFTE GEHÖRE IHM, SCHWÖRE, DASS ER DARAN NICHT WENIGER ALS EIN VIERTEL HABE, ALSDANN ERHÄLT DER EINE DREI VIERTEL UND DER ANDERE EIN VIERTEL.
3WENN ZWEI AUF EINEM TIERE REITEN, ODER DER EINE DARAUF REITET UND DER ANDERE ES FÜHRT, UND DER EINE SAGT, DAS GANZE GEHÖRE IHM, UND DER ANDERE SAGT, DAS GANZE GEHÖRE IHM, SO SCHWÖRE DER EINE, DASS ER DARAN NICHT WENIGER ALS DIE HÄLFTE HABE, UND DER ANDERE SCHWÖRE EBENFALLS, DASS ER DARAN NICHT WENIGER ALS DIE HÄLFTE HABE, UND SIE TEILEN.
4WENN SIE ES EINANDER ZUGESTEHENODER ZEUGEN HABEN, SO TEILEN SIE OHNE SCHWUR.
5GEMARA. Wozu lehrte er: der eine sagt, er habe es gefunden, und der andere sagt, er habe es gefunden, oder der eine sagt, das ganze gehöre ihm, und der andere sagt, das ganze gehöre ihm, sollte er doch nur eines lehren!? – Er lehrt auch nur eines: der eine sagt, er habe es gefunden und das ganze gehöre ihm, und der andere sagt, er habe es gefunden und das ganze gehöre ihm. –
6Sollte er doch lehren: er habe es gefunden, und man würde ja gewußt haben, daß das ganze ihm gehöre!? – Wenn es nur hieße: er habe es gefunden, so könnte man glauben, unter ‘gefunden’ sei gesehen zu verstehen, denn man eigne [einen Fund] durch das Sehen, auch wenn er nicht in seine Hand gekommen ist, daher heißt es auch: das ganze gehöre ihm, daß man nämlich durch das Sehen allein nichts eigne. –
7Wieso kannst du sagen, unter ‘gefunden’ sei gesehen zu verstehen, Rabina erklärte ja:gefunden hast, wenn es in seine Hand gekommen ist!? –
8Allerdings ist in der Schrift unter ‘gefunden’ zu verstehen, wenn [die Sache] in seine Hand gekommen ist, [man könnte aber glauben,] der Autor gebrauche es in der volkstümlichen Bedeutung, und wenn jemand etwas sieht, so sagt er, er habe es gefunden, obgleich es noch nicht in seine Hand gekommen ist, daher heißt es auch: das ganze gehöre ihm, daß man nämlich durch das Sehen allein eigne. –
9Sollte es doch nur heißen: das ganze gehöre ihm, und nicht: er habe es gefunden!? – Wenn es nur hieße: das ganze gehöre ihm, so könnte man glauben, sonst eigne man einen Fund durch das Sehen allein, daher heißt es hier: er habe es gefunden, und darauf außerdem: das ganze gehöre ihm, um mit diesem überflüssigen Satze zu lehren, daß man durch das Sehen allein nichts eigne. –
10Wieso kannst du sagen, er lehre nur eines, es heißt ja ‘der eine’ und [wiederum] ‘der eine’: der eine sagt, er habe es gefunden, und der andere sagt, er habe es gefunden, der eine sagt, das ganze gehöre ihm &c.!?
11R. Papa, nach anderen R. Šimi b. Aši, und wie manche sagen, Kadi, erwiderte: der Anfangsatz spricht von einem Funde und der Schlußsatz spricht von Kauf und Verkauf.
12Und beides ist nötig.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.