Bava Mezia — Blatt 44a

1GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Wegen jedes Vergehens; die Schule Šammajs sagt, dies lehre, daß er wegen der Absicht wie wegen der Tat schuldig sei; die Schule Hillels sagt, er sei schuldig, nur wenn er sich wirklich vergriffen hat, denn es heißt: ob er sich nicht am Eigentume seines Nächsten vergriffen hat. Die Schule Šammajs sprach zu der Schule Hillels: Es heißt ja bereits: wegen jedes Vergehens!? Die Schule Hillels erwiderte der Schule Šammajs: Es heißt ja aber: ob er sich nicht am Eigentume seines Nächsten vergriffen hat.

2Die Worte: wegen jedes Vergehens, deuten vielmehr darauf: man könnte glauben, nur wenn er selber es getan hat, woher dies von dem Falle, wenn er damit seinen Diener oder seinen Boten beauftragt hat? – Es heißt: wegen jedes Vergehens.

3WENN ER DAS FASS GENEIGT &C. Rabba sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn es zerbrochen ist, wenn es aber sauer geworden ist, muß er das ganze ersetzen, weil seine Pfeilees erwirkt haben.

4WENN ER ES ABER HOCHGEHOBEN UND DARAUS ENTNOMMEN HAT &C. Šemuél sagte: Unter ‘entnommen’ ist nicht wirklich entnommen zu verstehen, sondern auch wenn er es hochgehoben hat, um daraus zu entnehmen, selbst wenn er nichts entnommen hat.

5Demnach ist Šemuél der Ansicht, bei der Vergreifung sei keine Teilentwendung erforderlich? – Ich will dir sagen, anders verhält es sich hierbei, denn ihm ist es lieb, daß das ganze Faß als Stütze für das eine Viertel[log] diene.

6R. Aši fragte: Wie ist es, wenn jemand einen Geldbeutelhochgehoben hat, um aus diesem einen Denar zu nehmen; gilt diesnur vom Weine, der sich nur mit dem übrigen Weine hält, während ein Geldstück sich [auch einzeln] hält, oder aber ist die Bewachung eines ganzen Geldbeutels anders als die Bewachung eines einzelnen Denars? – Wir wissen dies nicht; dies bleibt unentschieden.

7DURCH DAS GOLD WIRD DAS SILBER GEEIGNET, DURCH DAS SILBER WIRD DAS GOLD NICHT GEEIGNET;

8DURCH DAS KUPFER WIRD DAS SILBER GEEIGNET, DURCH DAS SILBER WIRD DAS KUPFER NICHT GEEIGNET; DURCH DAS SCHLECHTE GELD WIRD DAS GUTE GEEIGNET, DURCH DAS GUTE WIRD DAS SCHLECHTE NICHT GEEIGNET;

9DURCH DAS ASEMON WIRD DIE GEPRÄGTE MÜNZE GEEIGNET, DURCH DIE GEPRÄGTE MÜNZE WIRD DAS ASEMON NICHT GEEIGNET. DURCH BEWEGLICHE SACHEN WIRD DIE MÜNZE GEEIGNET, DURCH DIE MÜNZE WERDEN BEWEGLICHE SACHEN NICHT GEEIGNET.

10[DIE REGEL HIERBEI IST:] JEDE BEWEGLICHE SACHE WIRD DURCH DIE ANDERE GEEIGNET. ZUM BEISPIEL: HAT [DER KÄUFER] DIE FRÜCHTE AN SICH GEZOGEN UND [DEM VERKÄUFER] DAS GELD NICHT GEGEBEN, SO KANN ER NICHT MEHR ZURÜCKTRETEN, HAT ER IHM ABER DAS GELD GEGEBEN UND DIE FRÜCHTE NICHT AN SICH GEZOGEN, SO KANN ER ZURÜCKTRETEN.

11SIE SAGTEN ABER, WER DIE LEUTE VOM ZEITALTER DER SINTFLUT UND VOM ZEITALTER DER SPALTUNG BESTRAFT HAT, WERDE DEREINST AUCH DEN BESTRAFEN, DER SEIN WORT NICHT HÄLT.

12R. ŠIMO͑N SAGT, WER DAS GELD IN DER HAND HAT, HABE DIE OBERHAND.

13GEMARA. Rabbi lehrte seinen Sohn R. Šimo͑n: Durch das Gold wird das Silber geeignet. Da sprach dieser zu ihm: Meister, in deiner Jugend lehrtest du uns, durch das Silber werde das Gold geeignet, nun aber lehrst du uns in deinem Alter, durch das Gold werde das Silber geeignet!? –

14Welcher Ansicht war er in seiner Jugend und welcher Ansicht war er in seinem Alter? – In seiner Jugend war er der Ansicht, das Gold, das wertvoller ist, sei Zahlungsmittel und das Silber, das weniger wertvoll ist, sei Produkt, und durch das Produkt wird das Zahlungsmittel geeignet; in seinem Alter aber war er der Ansicht, das Silber,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.