Bava Mezia — Blatt 51b

1hierbei aber weiß er esja nicht, um darauf verzichten zu können.

2Und Šemuél kann dir ebenfalls erwidern: meine Ansicht gilt auch nach R. Meír, denn R. Meír vertritt seine Ansicht nur in diesem Falle, wo er sich von vornherein[seiner Pflicht] entzieht, hierbei aber ist es ja nicht ausgemacht, daß er sich [seiner Pflicht] entzieht.

3R. A͑nan sagte: Mir wurde dies von Meister Šemuél wie folgt erklärt: wenn jemand zu seinem Nächsten sagt: mit der Bedingung, daß du an mich keine Übervorteilungsansprüche hast, so hat er an ihn keine Übervorteilungsansprüche; wenn aber: mit der Bedingung, daß dabeikeine Übervorteilungsansprüche zu erheben sind, so hat er Übervorteilungsansprüche.

4Man wandte ein: Wenn jemand Geschäfte auf Kreditmacht, oder zum anderen sagt: mit der Bedingung, daß du an mich keine Übervorteilungsansprüche hast, so hat er keine Übervorteilungsansprüche an ihn. Wessen Ansicht ist hier vertreten nach Rabh, welcher sagt, seine Ansicht gelte auch nach R. Jehuda!?

5Abajje erwiderte: Am richtigsten ist es, Rabh ist der Ansicht R. Meírsund Šemuél ist der Ansicht R. Jehudas.

6Raba erwiderte: Dies ist kein Einwand; eines gilt von dem Falle, wenn er nichts gesagt hat, und eines gilt von dem Falle, wenn er es ausdrücklich gesagt hat.

7Es wird nämlich gelehrt: Diesnur wenn er nichts gesagt hat, wenn er es aber gesagt hat, wenn der Verkäufer zum Käufer gesagt hat: ich weiß, daß die Sache, die ich dir für zweihundert [Zuz] verkaufe, nur eine Mine wert ist, aber mit der Bedingung, daß du an mich keine Übervorteilungsansprüche hast, so hat er an ihn keine Übervorteilungsansprüche. Desgleichen auch, wenn der Käufer zum Verkäufer gesagt hat: ich weiß, daß die Sache, die ich von dir für eine Mine kaufe, zweihundert [Zuz] wert ist, aber mit der Bedingung, daß du an mich keine Übervorteilungsansprüche hast, so hat er an ihn keine Übervorteilungsansprüche.

8Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand auf Kredit handelt, so darf er ihm nicht das Schlechte zum Lieferungspreise und das Gutezum richtigen Werte berechnen, sondern entweder beides zum Lieferungspreise oder beides zum richtigen Werte.

9Er ersetze ihmden Lohn für den Träger, den Lohn für den Kamelführer und den Lohn für die Lagerung; einen Lohn für seine eigene Mühe braucht er ihm nicht zu zahlen, denn er hat ihm ja bereits einen Pauschallohn gezahlt. –

10Welcher ist der volle Pauschallohn? R. Papa erwiderte: Bei Weißwaren vier von hundert.

11WIEVIEL DARF VON EINEM SELA͑ FEHLEN, OHNE ALS ÜBERVORTEILUNG ZU GELTEN? R. MEÍR SAGT: VIERASSAR, EIN ASSAR AUF DEN DENAR; R. JEHUDA SAGT: VIER PONDION, EIN PONDION AUF DEN DENAR; R. ŠIMO͑N SAGT:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.