Bava Mezia — Blatt 52a
1ACHT PONDION, ZWEI PONDION AUF DEN DENAR.
2BIS WIE LANGE DARF MAN IHNZURÜCKGEBEN? IN STÄDTEN, BIS MAN IHN EINEM WECHSLER GEZEIGT HABEN KANN, IN DÖRFERN, BIS ZUM VORABENDE DES ŠABBATHS. ERKENNT ERIHN, SO NEHME ER IHN SELBST NACH ZWÖLF MONATEN ZURÜCK; DOCH KANN JENER NUR GROLL GEGEN IHN HEGEN.
3MAN DARF EINEN SOLCHEN OHNE BEDENKEN FÜR DEN ZWEITEN ZEHNTENGEBEN, DENN DIESVERRÄT NUR EINEN SCHLECHTEN CHARAKTER.
4GEMARA. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wieviel muß von einem Sela͑ fehlen, um als Übervorteilung zu gelten!?
5R. Papa erwiderte: Dies ist kein Widerspruch; unser Autor rechnet von unten nach obenund der Autor der Barajtha rechnet von oben nach unten. –
6Weshalb streiten sie über einen Sela͑und nicht über ein Gewand?
7Raba erwiderte: Der Autor der Lehre von einem Gewände ist R. Šimo͑n. Abajje erwiderte: Bei einem Gewande verzichtet manbei einer Übervorteilung bis zu einem Sechstel, denn die Leute pflegen zu sagen: teuer für deinen Rücken, billig für deinen Bauch, bei einem Sela͑ aber verzichtet man nicht, wenn er nicht geht.
8Der Text. Wieviel muß von einem Sela͑ fehlen, um als Übervorteilung zu gelten? R. Meír sagt: vier Assar, ein Assar auf den Denar; R. Jehuda sagt: vier Pondion, ein Pondion auf den Denar; R. Šimo͑n sagt: acht Pondion, zwei Pondion auf den Denar; wenn aber mehr, so verkaufe man ihn für seinen Wert.
9Wieviel darf [von einer Münze] abgegriffen sein, um sie halten zu dürfen? Von einem Sela͑ bis zu einem Šeqel, von einem Denar bis zu einem Viertel; ist er um einen Assar geringer, so darf man ihn nicht mehr (ausgeben). Man darf ihn weder an einen Kaufmann noch an einen Gewalttäter noch an einen Briganten verkaufen, weil sie andere damit betrügen; man durchloche ihn vielmehr und hänge ihn an den Hals seines Sohnes oder seiner Tochter.
10Der Meister sagte: Von einem Sela͑ bis zu einem Šeqel, von einem Denar bis zu einem Viertel. Weshalb bei einem Sela͑ bis zu einem Šeqel und bei einem Denar bis zu einem Viertel?
11Abajje erwiderte: Unter Viertel, von dem er spricht, ist ein Viertel eines Šeqelszu verstehen. Raba sagte: Dies ist auch zu beweisen, denn es heißt Viertelund nicht vierten Teil. Schließe hieraus. –
12Weshalb rechnet er bei einem Denar nach Šeqel? – Er lehrt uns etwas nebenbei, daß es nämlich einen Denar gibt, der aus einem Šeqel entstandenist.
13Dies ist eine Stütze für R. Ami, denn R. Ami sagte: Man darf einen Denar halten, der aus einem Šeqel entstanden ist, man darf aber keinen Denar halten, der aus einem Sela͑ entstanden ist.
14«Ist er um einen Assar geringer, so darf man ihn nicht mehr (ausgeben).» Wie meint er es? Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: ist ein [guter] Sela͑ um einen Assar geringer als das bei der Übervorteilung festgesetzte Gewicht, so ist er verboten. Raba sprach zu ihm: Dann gilt dies ja auch von einem Minimum!? Vielmehr, erklärte Raba: ist der Sela͑ [nur] um einen Assar auf den Denar geringer, so ist er verboten, also eine anonyme Lehre nach R. Meír.
15Dort haben wir gelernt: Wenn ein Sela͑ abgegriffen ist und man ihn als Gewicht zurichtet, so ist er verunreinigungsfähig; wieviel darf er abgegriffen sein, um ihn halten zu dürfen? Zwei Denare bei einem Sela͑; ist er geringer, so zerschlage man ihn. –
16Wie ist es, wenn er größer ist? R. Hona erwiderte: Ist er geringer, so zerschlage man ihn, und ist er größer, so zerschlage man ihnebenfalls. R. Ami erwiderte: Ist er geringer, so zerschlage man ihn, und ist er größer, so halteman ihn.
17Man wandte ein:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.