Bava Mezia — Blatt 59a
1Lieber beschlafe man eine zweifelhaft verheiratete Frau, als seinen Nächsten öffentlich beschämen. – Woher dies? – Aus einem Vortrage Rabas, denn Raba trug vor: Es heißt:aber bei meinem Sturze freuen sie sich und rotten sich wider mich zusammen &c. sie zerreißen [mich] ohne Aufhören. David sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, offenbar und bewußt ist es dir, daß, wenn sie mein Fleisch zerrissen hätten, kein Blut auf die Erde geflossen sein würde.
2Und noch mehr: selbst wenn sie sich mit [den Lehren] vom Aussatze und von den Bezeltungenbefaßten, sprachen sie zu mir: David, wodurch wird derjenige, der eine verheiratete Frau beschlafenhat, hingerichtet? Ich erwiderte ihnen: Er wird durch Erdrosselung hingerichtet, hat aber einen Anteil an der zukünftigen Welt; wer aber seinen Nächsten Öffentlich beschämt, hat keinen Anteil an der zukünftigen Welt.
3Mar Zuṭra b. Ṭobija sagte im Namen Rabhs, manche sagen, R. Ḥana b. Bizna im Namen R. Šimo͑n des Frommen, und manche sagen, R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Lieber lasse man sich in einen Schmelzofen werfen, als seinen Nächsten öffentlich beschämen. – Woher dies? – Von der Tamar, denn es heißt: sie wurde hinausgeführt, da schickte sie zu ihrem Schwiegervater.
4R. Ḥenana, Sohn des R. Idi, sagte: Es heißt: ihrsollt euren Nächsten nicht kränken, wer mit dir inbetreff der Tora und der Gebote, den sollst du nicht kränken. Rabh sagte: Stets sei man vorsichtig mit der Kränkung seiner Frau, denn da Tränen bei ihr häufig sind, ist auch [die Ahndung] ihrer Kränkung nahe.
5R. Elea͑zar sagte: Seit dem Tage, an dem der Tempel zerstört worden ist, sind die Tore des Gebetes verschlossen, denn es heißt:auch wenn ich schreie und wehklage, bleibt mein Gebet verschlossen. Aber sind auch die Tore des Gebetes verschlossen, nicht verschlossen sind die Tore der Tränen, denn es heißt:erhöre mein Gebet, o Herr, horche auf mein Wehklagen; zu meinen Tränen wirst du nicht schweigen.
6Ferner sagte Rabh: Wer dem Rate seiner Frau folgt, stürzt ins Fegefeuer, denn es heißt:es hat nicht wieder einen gleich Aḥáb gegeben &c. R. Papa sprach zu Abajje: Die Leute sagen ja aber: ist deine Frau klein, so bücke dich und flüstere ihrzu!? – Das ist kein Einwand; eines gilt von weltlichen Angelegenheiten und eines gilt von häuslichen Angelegenheiten. Eine andere Lesart: Eines gilt von religiösen Angelegenheiten und eines gilt von weltlichen Angelegenheiten.
7R. Ḥisda sagte: Alle Tore sind verschlossen, ausgenommen die Tore der Kränkung, denn es heißt:siehe, der Herr steht auf einer Bleilot-Mauer und ein Bleilotist in seiner Hand. R. Elea͑zar sagte: Alles wird durch einen Boten geahndet, ausgenommen die Kränkung, denn es heißt: und ein Bleilot ist in seiner Hand.
8R. Abahu sagte: Vor drei Dingen ist der Vorhangnicht geschlossen: Kränkung, Raub und Götzendienst. Kränkung, denn es heißt: und ein Bleilot ist in seiner Hand; Raub, denn es heißt:Gewalttat und Raub vernimmt man in ihr vor meinem Angesichte; Götzendienst, denn es heißt:dem Volke, das mich immerfort ins Angesicht hinein zum Zorne reizt &c.
9R. Jehuda sagte: Stets sei man behutsam, Getreideim Hause zu haben, denn Streit kommt in das Haus eines Menschen nur wegen des Getreides, wie es heißt:er schafft deinen Grenzen Frieden, sättigt dich mit dem besten Weizen. R. Papa sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Ist die Gerste aus dem Kruge, so klopft der Zwist an und kommt ins Haus.
10Ferner sagte auch R. Ḥenana b. Papa: Stets sei man behutsam, Getreide im Hause zu haben, denn die Jisraéliten wurden nur wegen der Getreide[not] Arme genannt, wie es heißt:und so oft die Jisraéliten gesäet haben &c.; ferner:und sie lagerten sich &c.; ferner:und JJisraél verarmte sehr durch die Midjaniten.
11R. Ḥelbo sagte: Stets sei man behutsam mit der Ehrung seiner Frau, denn der Segen waltet im Hause eines Menschen nur wegen seiner Frau, wie es heißt:und auch Abraham tat er Gutes um ihretwillen. Das ist es, was Raba zu den Leuten von Maḥoza sagte: Ehret euere Frauen, damit ihr reich werdet.
12Dort haben wir gelernt: Hat man ihnin einzelne Ringe geschnitten und Sand zwischen die Ringegetan, so ist er nach R. Elie͑zer nicht verunreinigungsfähigund nach den Weisen verunreinigungsfähig;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.