Bava Mezia — Blatt 59b
1das ist der Schlangenofen. – Weshalb [heißt er] Schlangenofen? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Weil man ihn mit Wortengleich einer Schlange umringt hat. Schließlich erklärten sieihn als verunreinigungsfähig. Es wird gelehrt: An jenem Tage machte R. Elie͑zer alle Einwendungender Welt, man nahm sie aber von ihm nicht an.
2Hierauf sprach er: Wenn die Halakha wie ich ist, so mag dies dieser Johannisbrotbaum beweisen! Da rückte der Johannisbrotbaum hundert Ellen von seinem Orte fort; manche sagen: vierhundert Ellen. Sie aber erwiderten: Man bringt keinen Beweis von einem Johannisbrotbaume. Hierauf sprach er: Wenn die Halakha wie ich ist, so mag dies dieser Wasserarm beweisen! Da trat der Wasserarm zurück, Sie aber erwiderten: Man bringt keinen Beweis von einem Wasserarme.
3Hierauf sprach er: Wenn die Halakha wie ich ist, so mögen dies die Wände des Lehrhauses beweisen! Da neigten sich die Wände des Lehrhauses [und drohten] einzustürzen. Da schrie sie R. Jehošua͑ an und sprach zu ihnen: Wenn die Gelehrten einander in der Halakha bekämpfen, was geht dies euch an! Sie stürzten hierauf nicht ein, wegen der Ehre R. Jehošua͑s, und richteten sich auch nicht gerade auf, wegen der Ehre R. Elie͑zers; sie stehen jetzt noch geneigt.
4Hierauf sprach er: Wenn die Halakha wie ich ist, so mögen sie dies aus dem Himmel beweisen! Da erscholl eine Hallstimme und sprach: Was habt ihr gegen R. Elie͑zer; die Halakha ist stets wie er.
5Da stand R. Jehošua͑ (auf seine Füße) auf und sprach:Sie ist nicht im Himmel. – Was heißt: sie ist nicht im Himmel? R. Jirmeja erwiderte: Die Tora ist bereits vom Berge Sinaj her verliehenworden. Wir achten nicht auf die Hallstimme, denn bereits hast du am Berge Sinaj in die Tora geschrieben:nach der Mehrheit zu entscheiden. R. Nathan traf Elijahu und fragte ihn, was der Heilige, gepriesen sei er, in dieser Stunde tat. Dieser erwiderte: Er schmunzelte und sprach: meine Kinder haben mich besiegt, meine Kinder haben mich besiegt.
6Man erzählt, daß sie an jenem Tage alles holten, was R. Elie͑zer als rein erklärthatte, und im Feuer verbrannten. Alsdann stimmten sie über ihn ab und taten ihn in den Bann. Hierauf fragten sie: Wer geht hin und teilt es ihm mit? Da sprach R. A͑qiba: Ich will gehen, denn es könnte sonst ein ungeeigneter Mensch hingehen und es ihm mitteilen, und er würde die ganze Welt zerstören.
7Was tat R. A͑qiba? Er legte schwarze Kleider an und hüllte sich schwarz; alsdann ließ er sich vor ihm in einer Entfernung von vier Ellen nieder. Da sprach R. Elie͑zer zu ihm: A͑qiba, wieso heute anders als sonst? Dieser erwiderte: Meister, mich dünkt, die Kollegen haben sich von dir zurückgezogen. Da zerriß auch er seine Kleider, zog die Schuhe ab und ließ sich auf die Erde nieder,
8und Tränen rannen aus seinen Augen. Da ward die Welt geschlagen ein Drittel an den Oliven, ein Drittel am Weizen und ein Drittel an der Gerste. Manche sagen, auch der Teig gor unter den Händen der Frauen. Es wird gelehrt: Ein großes Weh gab es an diesem Tage, denn jede Stelle, worauf R. Elie͑zer seine Augen richtete, verbrannte.
9Auch R. Gamliél: er reiste dann zu Schiff, und eine Woge erhob sich und drohte ihn zu versenken. Da sprach er: Ich glaube, daß dies nur wegen des R. Elie͑zer b. Hyrkanos geschieht. Hierauf stand er (auf seine Füße) auf und sprach: Herr der Welt, offenbar und bewußt ist es dir, daß ich dies nicht wegen meiner Ehre, auch nicht wegen der Ehre meines väterlichen Hauses getan habe, sondern deiner Ehre wegen, damit sich keine Streitigkeiten in Jisraél mehren. Da ließ das Meer von seinem Toben ab.
10Emma Šalom, die Frau R. Elie͑zers, war die Schwester R. Gamliéls, und seit diesem Ereignisse ließ sie ihn nicht mehr aufs Gesichtfallen. Eines Tages glaubte sie, es sei Neumond, denn sie verwechselte zwischen einem vollzähligen und einem unvollzähligenMonat, manche erzählen, ein Armer stand vor der Tür, und sie trug ihm Brot hinaus,
11und fand ihn, daß er aufs Gesicht gefallen war. Da sprach sie zu ihm: Stehe auf, du hast meinen Bruder getötet! Währenddessen verkündete eine Posaune aus dem Hause R. Gamliéls, daß er gestorben sei. Er fragte sie: Woher weißt du dies? Sie erwiderte: Es ist mir aus meinem väterlichen Hause überliefert: sind auch alle Tore verschlossen, doch nicht die Tore der Kränkung.
12Die Rabbanan lehrten: Wer einen Proselyten kränkt, übertritt drei Verbote, und wer ihn bedrückt, übertritt zwei Verbote. –
13Wegen der Kränkung wohl deshalb, weil drei bezügliche Verbote geschrieben sind: einen Fremdling sollst du nicht kränken,wenn ein Fremdling in eurem Lande wohnt, so sollt ihr ihn nicht kränken, und:ihr sollt euren Nächsten nicht kränken, und ein Proselyt ist unter ‘Nächsten’ einbegriffen; aber ebenso stehen ja auch inbetreff der Bedrückung drei [Verbote] geschrieben:und ihn nicht bedrücken,einen Fremdling sollst du nicht bedrücken, und:du sollst ihn nicht bedrücken, worunter auch ein Proselyt einbegriffen ist!? – Vielmehr, bei beiden sind es drei.
14Es wird gelehrt: R. Elie͑zer der Große sagte: Weshalb hat die Tora an sechsunddreißig Stellen, manche sagen, an sechsundvierzig Stellen, hinsichtlich eines Proselyten gewarnt? Weil sein Trieb schlecht ist.
15Es heißt: einen Fremdling sollst du nicht kränken und nicht bedrücken, denn Fremdlinge wart ihr im Lande Miçrajim. Hierzu wird gelehrt: R. Nathan erklärte: Einen Fehler, der dir anhaftet, wirf deinem Nächsten nicht vor. Das ist es, was die Leute sagen: Wer einen Gehenkten in seiner Familie hat, sagtnicht zu seinem Nächsten: hänge mir ein Fischlein auf.
16MAN DARF NICHT FRÜCHTE UNTER FRÜCHTEMISCHEN, AUCH NICHT NEUE UNTER NEUE,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.