Bava Mezia — Blatt 60b

1Weil er den Marktpreis herabdrückt.

2MAN DARF KEINE GRAUPEN VERLESEN – SO ABBA ŠAUL; DIE WEISEN ERLAUBEN DIES &C. Wer sind die Weisen? – Es ist R. Aḥa, denn es wird gelehrt: R. Aḥa erlaubt dies, wenn es zu merken ist.

3MAN DARF WEDER MENSCHEN [NOCH TIERE] NOCH GERÄTE AUFPUTZEN. Die Rabbanan lehrten: Man darf ein Tier nicht aufputzen, die Eingeweide nicht aufblasen, und das Fleisch nicht in Wasser weichen. Was heißt aufputzen? – Hier erklärten sie: durch Kleienwasser; Zee͑ri erklärte im Namen R. Kahanas: durch einen Striegel.

4Šemuél erlaubte, Fransen an ein Obergewand anzubringen. R. Jehuda erlaubte, Stoffe zu glätten. Raba erlaubte, Weißzeug zu mangeln. Rabba erlaubte, Pfeile zu bemalen. R. Papa b. Šemuél erlaubte, Körbe zu bemalen. – Wir haben ja aber gelernt, man dürfe weder Menschen noch Tiere noch Geräte aufputzen!? – Das ist kein Einwand; eines gilt von neuen und eines gilt von allen. –

5Welches Aufputzen gibt es bei einem Menschen? – Wie in folgendem Falle. Einst färbte sich ein alter Sklave sein Haupthaar und seinen Bart, kam zu Raba und sprach zu ihm: Kaufe mich. Dieser aber erwiderte ihm: Es sollen Arme deine Hausgenossen sein.

6Darauf kam er zu R. Papa b. Šemuél, und dieser kaufte ihn. Eines Tages sprach er zu ihm: [Reiche mir] Wasser zum Trinken, Da ging er und wusch sich das Haupthaar und den Bart, dann sprach er zu ihm: Siehe, ich bin älter als dein Vater. Da las jener über sich:Der Fromme wird aus der Not gerettet, und es kommt ein andereran seine Stelle.

7WAS HEISST ZINS UND WAS HEISST WUCHER?

8WENN JEMAND EINEN SELA͑ GEGEN FÜNF DENARE ODER ZWEI SEA͑ WEIZEN GEGEN DREI VERBORGT; DIES IST VERBOTEN, WEIL ER ZINS NIMMT.

9WUCHER DAGEGEN HEISST ES, WENN JEMAND AN FRÜCHTEN EINEN GEWINN ERZIELT; ZUM BEISPIEL: WENN JEMAND VON EINEM WEIZEN ZUM PREISE VON EINEM GOLDDENAR FÜR DAS KOR GERAUFT HAT, UND DIES DER MARKTPREIS WAR, UND ALS SPÄTEER DER WEIZEN AUF DREISSIG [SILBER]DENAR GESTIEGEN WAR,

10ER ZU IHM SAGT: GIB MIR MEINEN WEIZEN, DENN ICH WILL IHN VERKAUFEN UND DAFÜR WEIN KAUFEN, UND DIESER IHM ERWIDERT: DEIN WEIZEN SEI DIR BEI MIR FÜR DREISSIG ANGERECHNET UND DU HAST NUN BEI MIR DAFÜR WEIN, WÄHREND ER GAR KEINEN WEIN HAT.

11GEMARA. Wenn er den in der Tora [genannten] Zins läßt und den rabbanitischen erörtert, so ist ja zu entnehmen, daß nach der Tora Zins und Wucher dasselbe seien, während doch vom Zins beim Gelde und vom Wucher bei Nahrungsmitteln zwei verschiedene Schriftverse geschrieben stehen!? –

12Glaubst du etwa, daß es Zins ohne Wucher und Wucher ohne Zins gebe!? Zins ohne Wucher wohl in dem Falle,

13wenn er ihm hundert [Peruṭas] gegen hundertundzwanzig geborgt hat, und anfangs hundert im Sechstel und später hundertundzwanzig im Sechstel gingen; Zins ist hierbei vorhanden, denn er bezinstihn, indem er von ihm etwas nimmt, das er ihm nicht gegeben hat; Wucher aber nicht, da er nichts verdient, denn er hat ihm ein Sechstel geborgt und ein Sechstel zurückerhalten.

14In Wirklichkeit aber ist ja hierbei, wenn du dich nach dem Anfangerichtest, sowohl Zins als auch Wucher, und wenn du dich nach dem Schlusserichtest, weder Zins noch Wucher vorhanden.

15Wucher ohne Zins wohl in dem Falle, wenn er ihm hundert gegen hundert geborgt hat, und anfangs hundert im Sechstel und später hundert im Fünftel gingen.

16Aber hierbei ist ebenfalls, wenn du dich nach dem Anfange richtest, weder Zins noch Wucher, und wenn du dich nach dem Schlüsse richtest, sowohl Zins als auch Wucher vorhanden.

17Vielmehr, erklärte Raba, du findest weder Zins ohne Wucher, noch Wucher ohne Zins; die Schrift hat sie nur deshalb geteilt, damit man dieserhalb zwei Verbote übertritt.

18Die Rabbanan lehrten:Du darfst ihm nicht geben dein Geld auf Zins, und um Wucher deine Nahrungsmittel nicht geben; ich weiß dies nur vom Zins beim Gelde und vom Wucher bei Nahrungsmitteln, woher dies vom Zins bei Nahrungsmitteln? Es heißt:Zins von Nahrungsmitteln. Woher dies vom Wucher beim Gelde? Es heißt:Zins von Geld,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.