Bava Mezia — Blatt 61b
1Es ist auf das Zusammengehörige zu beziehen, und dies gehört zur [Beraubung des] Lohnarbeiters. –
2Wozu schrieb der Allbarmherzige: ihr sollt nicht stehlen? – Wegen der folgenden Lehre: Ihrsollt nicht stehlen, um einen zu kränken; ihr sollt nicht stehlen, um das Doppelte zu zahlen.
3R. Jemar sprach zu R. Aši : Wozu ist das Verbot, das der Allbarmherzige bei den Gewichtengeschrieben hat, nötig? Dieser erwiderte: Wegen des Legens der Gewichte in Salz. – Diesist ja richtiger Raub!? – Dies besagt, daß man das Verbot schon bei der Handlung begehe.
4Die Rabbanan lehrten :Ihr sollt nicht Unrecht üben beim Rechtsprechen, dem Wortlaute gemäß; beim Längemaß, beim Messen von Grundstücken; man darf nicht einem im Sommer und einemin der Regenzeit messen; beim Gewichte, man darf seine Gewichte nicht in Salz legen; beim Hohlmaße, man darf nicht schäumenlassen.
5Nun ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn es die Tora mit einer Mesura, die den sechsunddreißigsten Teil eines Logs faßt, genau genommen hat, um wieviel mehr gilt dies von einem Hin, einem halben Hin, einem drittel Hin, einem viertel Hin, einem Log, einem halben Log und einem viertel Log.
6Raba sagte : Wozu erwähnte der Allbarmherzige den Auszug aus Miçrajim beim Wucher, beim Gesetze von den Çiçith und bei den Gewichten?
7Der Allbarmherzige sprach: ich, der in Miçrajim zwischen einem Samentropfen eines Erstgeborenenund einem Samentropfen eines Nichterstgeborenen unterschiedenhabe, werde dereinst den bestrafen, der sein Geld auf den Namen eines Nichtjuden an einen Jisraéliten auf Wucher verborgt, der seine Gewichte in Salz legt, und der blaue[Fäden] an sein Gewand hängt und sagt, es sei Purpur.
8Einst kam Rabina nach Sura am Euphrat. Da sprach R. Ḥanina aus Sura am Euphrat zu Rabina: Wozu erwähnt der Allbarmherzige beim [Verbote] der Kriechtiereden Auszug aus Miçrajim? Dieser erwiderte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: ich, der zwischen einem Samentropfen eines Erstgeborenen und einem Samentropfen eines Nichterstgeborenen unterschieden habe, werde dereinst den bestrafen, der Eingeweide unreiner Fische mit Eingeweiden reiner Fischemischt und sie an Jisraéliten verkauft.
9Jener entgegnete: Ich frage bezüglich [des Wortes] heraufgebracht; weshalb schrieb der Allbarmherzige hierbei: der heraufgebracht hat?
10Dieser erwiderte: Wegen einer Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt : Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: hätte ich die Jisraéliten aus Miçrajim heraufgeführt nur wegen des einen Umstandes, daß sie sich nicht gleich den übrigen Völkerndurch Ekeltiere verunreinigen, so würde dies genügt haben.
11Jener sprach: Ist denn die Belohnung hierfür größer als die der Beobachtung der Gesetze vom Wucher, von den Çiçith und von den Gewichten? Dieser erwiderte: Ist die Belohnung auch nicht größer, aber das Essen um so ekelhafter.
12WUCHER DAGEGEN HEISST ES, WENN JEMAND AN FRÜCHTEN EINEN GEWINN ERZIELT; ZUM BEISPIEL: WENN JEMAND VON EINEM WEIZEN ZUM PREISE VON EINEM GOLDDENAR FÜR DEN KOR GEKAUFT HAT &C. Ist denn das, was vorher genanntwird, nicht Wucher?
13R. Abahu erwiderte: Was vorher genannt wird, ist es nach der Tora, was von da ab folgt, ist es rabbanitisch. Ebenso sagte auch Raba: Was vorher genannt wird, ist es nach der Tora, was von jetzt ab folgt, ist es rabbanitisch.
14Von dem, was vorher genannt wird, heißt es:der Frevlerspeichert auf, aber der Gerechte kleidet sich. – Nur von diesemund nicht von anderem!? – Vielmehr, auch von dem, was vorher genannt wird, heißt es: der Frevler speichert auf, aber der Gerechte kleidet sich.
15Was vorher genannt wird, ist vereinbarter Wucher, was weiter folgt, ist Halbwucher.
16R. Elea͑zar sagte: Ausbedungener Wucher kann durch das Gericht abgenommen werden; Halbwucher kann nicht durch das Gericht abgenommen werden. R. Joḥanan sagte: Auch ausbedungener Wucher kann durch das Gericht nicht abgenommen werden.
17R. Jiçḥaq sagte: Was ist der Grund R. Joḥanans? Die Schrift sagt :auf Zins leiht er aus und Wucher nimmt er, sollte er noch leben ? Er wird nicht leben, weil er all diese Gräuel verübt hat. Er ist dem Tode preisgegeben, zur Rückgabe aber nicht verpflichtet. R. Ada b. Ahaba erklärte: Die Schrift sagt:du sollst von ihm keinen Zins und keinen Wucher nehmen, du sollst dich vor deinem Gott fürchten ; fürchten soll er, er ist aber nicht zur Rückgabe verpflichtet.
18Raba erklärte: Diesist aus jenem Schriftverse selber zu entnehmen:er soll sterben, sein Blut komme über ihn; der Wucherer wird mit dem Blutvergießendenverglichen : wie es beim Blutvergießen keine Rückgabe gibt, ebenso gibt es auch beim Wucher keine Rückgabe.
19R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Was ist der Grund R. Elea͑zars? Die Schrift sagt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.