Bava Mezia — Blatt 64a

1Zehner und Fünfer.

2R. Aḥa, Sohn Rabas, sprach zu R. Aši : Wie ist es aber, wenn es ein harter Mann ist, der keine Geschenke macht? Dieser erwiderte: Vielleicht hatte er esvon ihm geraubt, und hat es nun durch Überzählung aufgeschlagen. Es wird nämlich gelehrt: Wer etwas von seinem Nächsten geraubt hat und es ihm bei einer Abrechnung hineinzählt, hat seiner Pflicht genügt. –

3Wie ist es, wenn es ein Mann ist, der von auswärts kommt, mit dem er nichts zu tun hatte? Dieser erwiderte: Vielleicht hatte es ein anderer geraubt und jener zu ihm gesagt, wenn dieser etwas von ihm borgen sollte, möge er es ihm durch Überzählung aufschlagen.

4R. Kahana sagte : Einst kam ich zum Schlusse eines Vortrages Rabhs und hörte ihn von Kürbissen sprechen, wußte aber nicht, was er gesagt hatte. Nachdem er aufgestanden war, fragte ich sie, was Rabh von den Kürbissen gesagt habe.

5Da erwiderten sie mir, Rabh habe folgendes gesagt: Wenn jemand einem Gärtner Geld auf Kürbisse gibt, wo zehn spanngroße Kürbisse verkauftwerden, und dieser zu ihm sagt, er werde ihm eilen große geben, so ist dies, wenn er solche hat, erlaubt, wenn aber nicht, verboten. –

6Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, dies sei, da sie von selber wachsen, erlaubt, so lehrt er uns. –

7Nach wessen Ansicht? – Nach der des Autors der folgenden Lehre: Wenn jemand seine Ziegen melken, seine Schafe scheren oder seinen Bienenstock ausnehmen geht, und jemand trifft und zu ihm sagt: was die Melke meiner Ziegen ergibt, sei dirverkauft, was die Schur meiner Schafe ergibt, sei dir verkauft, was mein Bienenstock ergibt, sei dir verkauft, so ist dieserlaubt;

8wenn er aber zu ihm sagt: dieses Quantum, das die Melke meiner Ziegen ergibt, sei dir verkauft, dieses Quantum, das die Schur meiner Schafe ergibt, sei dir verkauft, dieses Quantum, das mein Bienenstock ergibt, sei dir verkauft, so ist dies verboten. Dies ist, obgleich die Vermehrung von selber geschieht, verboten, weil er es in dieser Stunde nicht hat.

9Manche lesen: Raba sagte: Da sievon selber wachsen, so ist dies erlaubt. – Es wird ja aber gelehrt, wenn er ein Quantum nennt, sei es verboten!? –

10Da erfolgt die Vermehrung nicht durchdiese, denn wenn man diese fortnimmt, kommen anderean deren Stelle, hierbei aber erfolgt die Vermehrung durch diese, denn wenn man diese fortnimmt, kommen an deren Stelle keine anderen.

11Abajje sagte: Man darf zu seinem Nächsten sagen: da hast du vier Zuz auf ein Faß Wein; wenn er sauer wird, so verbleibe er in deinem Besitze, wenn er aber im Preise steigt oder fällt, so verbleibe er in meinem Besitze. R. Šerebja sprach zu Abajje:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.