Bava Mezia — Blatt 86a

1wird Weiser heißen, Rabbi aber wird er nicht heißen; durch ihn wird die Heilung Rabbis erfolgen. Rabbiund R. Nathan sind die letzten [Autoren] der Mišna; R. Aši und Rabina sind die letzten der Entscheidungs[lehrer].

2Als Merkzeichen diene dir folgender [Schriftvers:]Bis ich zu den Heiligtümern Gottes kam, acht hatte auf ihr Ende.

3R. Kahana sagte: R. Ḥama, Sohn der Tochter Ḥasas, erzählte mir, daß Rabba b. Naḥmani infolge einer Religionsverfolgung gestorben sei. Man denunzierte ihn bei der Regierung, indem man berichtete, es gebe unter den Juden einen Mann, der zwölftausend Menschen von Jisraél einen Monat im Sommer und einen Monat im Winter von der Steuerzahlungabhalte.

4Da sandten sie nach ihm einen königlichen Beamten, der ihn aber nicht fand. Hierauf entfloh er aus Pumbeditha nach Aqra, aus Aqra nach Agma, aus Agma nach Šiḥin und aus Šiḥin nach Çeripha; in Çeripha aber kehrte der königliche Beamte in derselben Herberge ein, in der Rabba sich befand. Da bereiteten sie ihm eine Tafel und schenkten ihm zwei Becher ein, dann nahmen sie die Tafel fort, worauf sein Gesicht nach rückwärtsumgedreht wurde.

5Da sprachen sie zu [Rabba]: Was machen wir nun, er ist königlicher Beamter!? Er erwiderte ihnen: Bereitet ihm wiederum eine Tafel, schenkt ihm einen Becher ein und nehmet die Tafel fort; sodann wird er genesen. Sie taten dies, und er genas. Da sprach er: Ich weiß, daß der Mann, den ich suche, hier ist. Hierauf suchte er nach ihm und fand ihn. Alsdann sprach er: Ich gehe von hier fort; sollte man michtöten, so verrate ich ihn nicht, wenn man mich aber foltern sollte, so verrate ich ihn.

6Hierauf ließ er ihn holen, brachte ihn in eine Kammer und schloß die Tür ab. Da flehte er um Erbarmen, und die Grundmauer teilte sich, worauf er nach einer Wiese entfloh. Hier setzte er sich auf den Stumpf einer Dattelpalme und studierte. Sie stritten dann im himmlischen Kollegium: Wenn der Fleck dem weißen Haarevoranging, so ist erunrein, wenn aber das weiße Haar dem Flecke voranging, so ist er rein.

7Ist dies zweifelhaft, so ist er, wie der Heilige, gepriesen sei er, sagte, rein, und wie das ganze Kollegium des Himmels sagte, unrein. Sie sprachen: Wer soll dies entscheiden? – Rabba b. Naḥmani soll es entscheiden ; denn Rabba b. Naḥmani sagte, er sei einzig in [den Gesetzen von den] Ausschlägen, er sei einzig in [den Gesetzen von den] Bezeltungen.

8Hierauf sandten sie einen Boten nach ihm; der Todesengel vermochte aber nicht, sich ihm zu nähern, weil sein Mund vom Studium nicht abließ. Währenddessen erhob sich ein Wind und rauschte zwischen dem Röhricht, und er glaubte, es sei eine Jägerschar; da sprach er: Lieber mag meine Seele zur Ruhe einkehren, als in die Hand der Regierung ausgeliefert zu werden!

9Als seine Seele zur Ruhe einkehrte, sprach er: rein, rein. Da erscholl eine Hallstimme und sprach : Heil dir, Rabba b. Naḥmani, dein Körper ist rein, und deine Seele ist mit ‘rein’ ausgeschieden. Alsdann fiel in Pumbeditha ein Zettel vom Himmel herab: Rabba b. Naḥmani ist nach dem himmlischen Kollegium berufen worden. Hierauf gingen Abajje und Raba und alle Gelehrten hinaus, um sich mit ihm zu befassen; sie konnten aber die Stellenicht finden. Da gingen sie auf die Wiese hinaus, und als sie eine Stelle sahen, an der Vögel standen und sie beschatteten, sagten sie: Es scheint, daß er sich da befindet.

10Sie betrauerten ihn dann drei Tage und drei Nächte. Hierauf fiel ein Zettel nieder: Wer sich absondert, sei in den Bann getan. Nachdem sie ihn sieben Tage betrauert hatten, fiel ein Zettel nieder: Geht in Frieden nach Hause.

11An dem Tage, an dem seine Seele zur Ruhe einkehrte, erhob sich ein solcher Sturm, daß er einen Araber, der auf der einen Seite des Papastromes auf einem Kamel ritt, nach der anderen Seite hinüberschleuderte. Da fragte er, was dies zu bedeuten habe, und man erwiderte ihm, Rabba b. Naḥmani sei gestorben. Da sprach er: Herr der Welt, die ganze Welt ist dein und Rabba b. Naḥmani ist dein; du gehörst Rabba und Rabba gehört dir; weshalb zerstörst du denn die Welt!? Hierauf legte sich der Sturm.

12R. Šimo͑n b. Ḥalaphta war sehr beleibt ; eines Tages, ihm war sehr heiß, stieg er auf den Gipfel eines Berges, setzte sich da hin, und sprach zu seiner Tochter: Meine Tochter, fächle mich mit dem Fächer, und ich gebe dir eine Nardekugel. Inzwischen erhob sich ein Wind; da sprach er: Wie viele Nardekugeln gebühren deinem Herrn!

13ALLES NACH DEM LANDESBRAUCHE &C. Was schließt das ‘alles’ ein? – Dies schließt den Brauch mancher Orte ein, die Mahlzeit einzunehmen und ein Maß zu trinken; wenn er zu ihnen sagt, daß sie früherkommen, er wolle es ihnen holen, so können sie ihm erwidern, er sei dazu nicht berechtigt.

14EINST SPRACH R. JOḤANAN B. MATHJA ZU SEINEM SOHNE : GEH, MIETE &C. Ein Tatfall zur Widerlegung!? – [Die Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: Wenn er mit ihnen Beköstigung vereinbart hat, so hat er ihnen

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.