Bava Mezia — Blatt 86b
1eine Zulagegewährt. Einst sprach R. Joḥanan b. Mathja zu seinem Sohne: Geh, miete für uns Löhner; da ging er hin und vereinbarte mit ihnen Beköstigung. Als er zu seinem Vater zurückkam, sprach dieser zu ihm: Mein Sohn, selbst wenn du ihnen eine Mahlzeit gleich der des Šelomo zu seiner Zeit bereitest, hast du deiner Pflicht nicht genügt, denn sie sind Kinder von Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob. –
2Demnach war die Mahlzeit unseres Vaters Abraham bedeutender als dio des Šelomo, dagegen heißt es ja:es belief sich der Speisebedarf Šolomos täglich auf dreißig Kor feines Mehl, sechzig Kor gewöhnliches Mehl, zehn gemästete Rinder, zwanzigWeiderinder und hundert Schafe, ungerechnet die Rehe, Hirsche und Damhirsche und gemästetes Geflügel. Hierzu sagte Gorjon b. Astjon im Namen Rabhs, jenewaren nur für den Schaumteigder Köche, und R. Jiçḥaq sagte, jene waren nur für die Topfspeise.
3Ferner sagte R. Jiçḥaq : Šelomo hatte tausend Frauen und jede bereitete ihm ein solches Mahl in ihrer Wohnung, denn die eine glaubte, er werde heute vielleicht bei ihr speisen, und die andere glaubte, er werde heute vielleicht bei ihr speisen. Bei Abraham aber heißt es:Abraham lief zu den Rindern und nahm ein junges Rind, zart und gut, und R. Jehuda erklärte im Namen Rabhs: ein junges Rind, eines, zart, zwei, und gut, drei!? –
4Da waren es drei für drei Personen, dort aber war es für ganz Jisraél und Jehuda, und es heißt :Jehuda und Jisraél waren so zahlreich, wie der Sand am Ufer des Meeres. –
5Was heißt: gemästetes Geflügel? Rabh erklärte, die man gegen ihren Willen stopft. Šemuél erklärte, die dastehen und sich selbst mästen. R. Joḥanan erklärte, ein untätiger Ochs aus der Weide und ein untätiges Huhnvom Misthaufen.
6R. Joḥanan sagte : Das beste unter dem Vieh ist der Ochs, das beste unter dem Geflügel ist das Huhn. Amemar sagte: Eine schwarze, starkleibige Henne, die sich zwischen den Keltern aufhält und über ein Rohr nicht schreiten kann.
7Abraham lief zu den Rindern. R. Jehuda erklärte im Namen Rabhs: Ein junges Rind, eines, zart, zwei, und gut, drei. – Vielleicht nur eines, wie die Leute zu sagen pflegen: zart und gut!? –
8Demnach sollte es doch heißen: zart, gut, wenn es aber heißt: und gut, so deutet dies auf eine Auslegung. – Vielleicht [zusammen nur] zwei!? – Wenn das und gut auf eine Auslegung deutet, so deutet auch das zart auf eine Auslegung.
9Rabba b. U͑la, nach anderen R. Hoša͑ja, und nach anderen R. Nathan b. R. Hoša͑ja, wandte ein:Er gab es dem Knaben, und er eilte, es zu bereiten; jedes einzelne [Rind] gab er einem besonderen Knaben. Er nahm Butter, Milch und das junge Rind, das er bereitet hat, und setzte es ihnen vor; was zuerst fertig wurde, brachte er ihnen zuerst.
10Wozu drei, auch eines würde ja gereicht haben!? R. Ḥanan b. Raba erwiderte: Um ihnen drei Zungen mit Senf vorsetzen zu können. R. Tanḥum b. Ḥanilaj sagte : Nie weiche ein Mensch vom Ortsbrauche ab. Als Moše in die Höhe hinaufgestiegen war, aß er kein Brot, und als die Dienstengel unten herabgestiegen waren, aßen sie Brot. – Sie aßen, wie kommst du darauf !? – Sage vielmehr, sie taten so, als äßen und tränken sie.
11R. Jehuda sagte im Namen Rabhs : Was Abraham für die Dienstengel selber getan hat, das tat der Heilige, gepriesen sei er, für seine Kinder selber, und was er für sie durch einen Boten tun ließ, ließ der Heilige, gepriesen sei er, für seine Kinder durch einen Boten tun.
12Abraham lief zu den Rindern, [und es heißt :]und es erhob sich ein vom Herrn gesandter Wind. – Er holte Butter, Milch, [und es heißt :]siehe, ich lasse euch Brot vom Himmel regnen. –
13Und er stand neben ihnen unter dem Baume, [und es heißt:]ich stehe dort vor dir am Felsen. –Abraham ging mit ihnen, sie zu begleiten, [und es heißt :]Gott ging vor ihnen am Tage. –
14Man soll etwas Wasser holen, [und es heißt:]du sollst auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser hervorsprudeln, daß das Volk trinke.
15Er streitet also gegen R. Ḥama b. R. Ḥanina, denn R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte, und ebenso wurde in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt : Als Belohnung für drei Dinge wurden ihnen drei Dinge beschieden. Als Belohnung für Butter und Milch wurde ihnen das Manna beschieden; als Belohnung dafür, daß er neben ihnen unter dem Baume stand, wurde ihnen die Wolkensäulebeschieden ; und als Belohnung für das bißchen Wasser, das er ihnen holen ließ, wurde ihnen der Mirjambrunnenbeschieden.
16Man soll etwas Wasser holen, daß ihr euch die Füße wascht. R. Jannaj sagte im Namen R. Jišma͑éls: Sie sprachen zu ihm: Verdächtigst du uns etwa, wir seien Araber, die den Staub ihrer Füße anbeten? Bereits war von ihm Jišma͑él hervorgegangen.
17Da erschien ihm der Herr bei den Terebinthen Mamres, während er um die heißeste Tageszeit am Zelteingange saß. Was heißt: um die heißeste Tageszeit? R. Ḥama b. R. Ḥanina erwiderte: Es war der dritte Tag seit der Beschneidung Abrahams, und der Heilige, gepriesen sei er, kam, um sich nach Abraham zu erkundigen. Der Heilige, gepriesen sei er, ließ die Sonne aus ihrem Futterale heraustreten, damit dieser Fromme nicht durch Gäste belästigt werde.
18Er aber schickte Elie͑zer draußen hinaus; dieser ging hinaus, doch traf er niemand. Da sprach er zu ihm: Ich glaube dir nicht. Das ist es, was sie dort zu sagen pflegen: Auf Knechte kein Vertrauen. Alsdann ging er selber hinaus und traf den Heiligen, gepriesen sei er, an der Tür stehen. Darauf deutet der Schriftvers :so gehe doch nicht an deinem Sklaven vorüber.
19Als [Gott] sah, daß er [die Wunde]verband und löste, sprach er: Es ist keine Art, hier zu stehen. Darauf deutet der [Schriftvers:]als er aufblickte, da gewahrte er drei Männer vor sich stehen; und als er sie sah, lief er ihnen entgegen. Anfangs kamen sie und blieben vor ihm stehen, als sie aber merkten, daß er Schmerzen hatte, sprachen sie: Es ist keine Art, hier zu stehen. –
20Wer waren diese drei Männer? Mikhaél, Gabriél und Rephaél. Mikhaél kam, um Sara die Botschaft zu bringen; Rephaél kam, um Abraham zu heilen; und Gabriél kam, um Sedom zu zerstören. – Es heißt ja aber:und die beiden Engel gelangten abends nach Sedom!? – Mikhaél ging mit ihm, um Lot zu retten. Dies ist auch zu beweisen, denn es heißt:und er zerstörte jene Städte, es heißt aber nicht: sie zerstörten. Schließe hieraus. –
21Weshalb heißt es bei Abraham :tu, wie du gesagt hast, während es bei Loṭ heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.